Eröffnung: 29.10.2002, 19.30 h
Ausstellung: 30.10. - 17.11.2002 und 02.10.2002 - 19. 01.2003 Öffnungszeiten: Di - So 11.00 - 18.00 h, Mo geschlossen, 24., 25., 26.12.2002 und 01.01.2003 geschlossen
Aula und Ausstellungsräume der Akademie der bildenden Künste Wien Schillerplatz 3, 1010 Wien

Eröffnung: Dienstag, 29.10.2002, 19.30 h
Begrüßung: Hans-Henning Horstmann, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland
Zur Ausstellung sprechen:
Stephan Schmidt-Wulffen, Rektor der Akademie der bildenden Künste Wien
August Sarnitz, Leiter der Exkursion Chicago 2002, IKA

© Galerie Nelson, Paris|Thomas Ruff, h.t.b. 07, 1999 Thomas Ruff, h.t.b. 07, 1999
© Galerie Nelson, Paris

Das intensivierte und neu fokussierte Austellungsprogramm der Akademie der bildenden Künste Wien widmet sich ab Wintersemester 2002/2003 programmatisch allen Aspekten von Ausstellungspraxis im Rahmen einer zeitgemäßen Kunstausbildung. Im Mittelpunkt stehen Ausstellungen, die eben jene Schnittstellen, an denen die Konstruktion eines künstlerischen Werks entsteht, sichtbar zu machen versuchen. Zur Vertiefung dieses Ansatzes werden daher alle Ausstellungen von Werkstattgesprächen, Symposien und Diskussionen begleitet, die sich weniger als Rahmenprogramme denn als eigenständige Ebene der Erforschung des jeweiligen Themas verstehen.

Beispielhaft dafür steht die Eröffnungsausstellung in den neu gestalteten Ausstellungsräumen am Schillerplatz, "l.m.v.d.r., Fotografien von Thomas Ruff und Studierenden des IKA": Die Ergebnisse des Fotodokumentationsprojekts zu den Bauten Mies van der Rohes in den USA, das einige ArchitekturstudentInnen im Rahmen einer Exkursion nach Chicago 2002 durchgeführt haben, werden mit dem Photozyklus zu Mies van der Rohe von Thomas Ruff konfrontiert. Das Gesamtprojekt kreist um die Frage, wie sich architektonisches Denken und Gestalten in das Medium Fotografie überträgt.

© Oliver Schäfer|Ludwig Mies van der Rohe, Seagram Building, New York, 1954-1958 Ludwig Mies van der Rohe, Seagram Building, New York, 1954-1958
© Oliver Schäfer

Die Auswahl der studentischen Fotografien bildet fragmenthaft die Leitmotive der Miesschen Architektursprache ab: Am Beispiel der Lake Shore Drive Apartments (1948-1951) und Seagram Building (1954-1958), werden die stürzenden Linien des Hochhauses und die graphische Struktur in den Fensterrasterungen und Spiegelungen gezeigt. Die Studierenden nehmen Details ins Visier wie die Metallverblendungen oder die Träger von Glasdächern. Sie inszenieren im Wechsel der Perspektiven eine Choreographie für die Pfeiler von Sockelgeschoß und Wegeüberdachungen. Besonders fesselt sie, wie der Efeu auf dem IIT-University Campus (1939-1943) in das Gebäude eindringt und die klaren Linien der modernistischen Architektur unterbricht. Im Wechsel von Architektur und subjektiver Kameraführung entsteht eine Befragung der Miesschen Architekur aus einem spezifisch architektonischen Blickwinkel.

© Galerie Nelson, Paris|Thomas Ruff, h.e.k. 04, 2000 Thomas Ruff, h.e.k. 04, 2000
© Galerie Nelson, Paris

Thomas Ruff hat zwischen 1999 und 2001, angeregt durch eine Einladung der Krefelder Kunstmuseen, die Architektur von Mies van der Rohe in Europa bearbeitet. Die Ausstellung konfrontiert beinahe alle Bilder dieses großen Zyklus mit den Sichtweisen der ArchitekturstudentInnen. Für den deutschen Fotokünstler wird das Bauen Mies van der Rohes zu einem Anlaß, das eigene Gestaltungsrepertoire zu prüfen. Wenige Außenansichten werden in einem Spiel farblicher Manipulationen durchdekliniert. Das Haus Tugendhat Brünn oder das Haus Esters Krefeld bekommen dabei eine geheimnisvolle Aura. Dann wieder werden die scharfen Konturen etwa des Barcelona Pavillion aufgelöst, als sei das Bauwerk im Vorbeifahren fotografiert worden. Dadurch wird der manipulative Eingriff des Künstlers deutlich, der mit der Schöpfung des Architekten zu konkurrieren beginnt.

© Galerie Nelson, Paris|Thomas Ruff, h.l.k. 02, 2000 Thomas Ruff, h.l.k. 02, 2000
© Galerie Nelson, Paris

In der Ausstellung begegnen sich zwei extreme Strategien der fotografischen Umsetzung von Architekur: das eher spontane Protokoll und die durch die künstlerische Eigenart gefilterte Wahrnehmung. Beide sind nicht der Kontrolle durch den Urheber, den Architekten, ausgesetzt. Diskussionen und Vorträge, an denen Architekten ebenso wie Architekturfotografen, sowie Kunsthistoriker beteiligt sind, sollen den Raum zwischen den Extremen zusätzlich ausloten.

© Conny Cossa|Ludwig Mies van der Rohe, Power Station, ITT, 1943 Ludwig Mies van der Rohe, Power Station, ITT, 1943
© Conny Cossa

Programm in den Ausstellungsräumen

Dienstag, 5. November 2002, 18.00 Uhr
Projektpräsentation Exkursion Chicago 2002:
ArchitekturstudentInnen fotografieren Mies van der Rohes Bauten in Chicago
Prof. August Sarnitz und die TeilnehmerInnen

Donnerstag, 14. November 2002, 18.30 Uhr
Vortrag Otto Hochreiter (Wien)
Fotografie als Medium der Architekturinterpretation

Donnerstag, 5. Dezember 2002, 18.00 Uhr
Architektur/Fotografie - Architekturfotografie
Werkstattgespräch mit Margherita Spiluttini (Fotografin, Wien), Rüdiger Lainer (Architekt und Professor an der Akademied der bildenden Künste Wien), Gregor Eichinger (Architekt und Designer, Wien), Ute Woltron (Architekturkritikerin, Wien) (Moderation)

Dienstag, 14. Januar 2003, 18.30 Uhr
Vortrag Beatriz Colomina (Princeton University, New York)
Enclosed by Images: The Eames Multi-Screen Architecture

© Guntram Müller|Ludwig Mies van der Rohe, Lake Shore Drive Apartments, Chicago, 1948-1951 Ludwig Mies van der Rohe, Lake Shore Drive Apartments, Chicago, 1948-1951
© Guntram Müller