Ein Projekt des Ordinariats für Tapisserie mit Studierenden der Bildenden Kunst und Architektur
Eröffnung: Donnerstag, 23.10.2003, 19.00 h
Begrüßung: Andreas Spiegl, Vizerektor für Lehre und Forschung der Akademie der bildenden Künste Wien
Zur Ausstellung: Irene Hohenbüchler, Gastprofessorin für Tapisserie
Ausstellung: 23.10. - 09.11.2003, täglich 11.00 - 18.00 h
Aula und Ausstellungsräume der Akademie der bildenden Künste Wien, Schillerplatz 3, 1010 Wien

… the Greeks had this idea of pneumo, or life force, which we have taken as the pneumatic, which is connected with movement and also has to do with breath. (Bill Viola)

"Pneumo", eine textile Architektur, ein skulpurales Konglomerat transparenter Stoffe, wurde ursprünglich für die Ausstellung "Pulse: Art, Healing and Transformation" am ICA Boston von Irene Hohenbüchler gemeinsam mit Studierenden konzipiert, entworfen und umgesetzt. In einer Neuinstallation ist nun dieser atmosphärische Raum, der Projektionsflächen für ein den Arbeitsprozeß dokumentierendes Video sowie eine Dia-Show bietet, in der Aula der Akademie zu sehen.

Christine und Irene Hohenbüchler arbeiten im Spannungsfeld von Kunst und Design mit einem starken Bezug zu handwerklichen Fähigkeiten, aber auch in Kooperationen mit unterschiedlichsten, oft an den gesellschaftlichen Rand gedrängten Gruppen. Vom 14. 5. - 31. 8. 2003 wurden sie gemeinsam eingeladen, in der Gruppenausstellung "Pulse: Art, Healing and Transformation" am ICA (Institute for Contemporary Art) Boston Dokumentationsvideos ihrer kollaborativen Arbeiten, u. a. mit der Kunstwerkstatt Lienz oder mit TeilnehmerInnen des Northern Link Project im Camden Arts-Center London, vorzustellen. Die Einladung gab Anlaß, das spartenübergreifende Ausstellungsprojekt "Pneumo, 2003" gemeinsam mit Studierenden des Ordinariats Tapisserie, der Bildenden Kunst und Architektur an der Akademie zu entwickeln.

© Franz Wibmer © Franz Wibmer

Solche schwebenden Tröpfchen bilden abgeschlossene Räume, die von einer Haut, ihrer eigenen Grenzschicht, umgeben sind und in denen wie im Reagenzglas lokale chemische Reaktionen ablaufen können. (Frei Otto)

Zur Einführung in das Projekt und zur formalen und inhaltlichen Inspiration wurden, ausgehend von der Forschungsarbeit Frei Ottos, unterschiedlichste textile, zeltartige Architekturen vorgestellt, u. a. von Frei Otto, Friedrich Kiesler, Charlotte Perriand und Shigeru Ban. Den architektonischen Positionen wurden künstlerische Strategien und Werke von u. a. Lygia Clark, Jorge Pardo und Tracey Emin gegenübergestellt.

Lehrziel dieser Gruppenarbeit war vor allem eine Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen bildnerischen Bereichen und Klassen der Akademie und ein Austausch von Wissen und Umsetzungsmöglichkeiten. Mittels konkreter Vorgaben betreffend Material (transparente Stoffe, Folien), Raumbedingungen im ICA Boston, Thematik (art and healing) und Inhalt (Dokumentationsvideos) sollte ein Gesamtraum entstehen, wobei sich unterschiedliche künstlerische Vorgangsweisen zu einer Arbeit ergänzten. Die verschiedenen skulpturalen Ideen wurden zu einem räumlichen Gebilde verwoben und in wochenlanger Näharbeit in der Klasse für Tapisserie/Textiles Gestalten gefertigt.

"Die größte Schwierigkeit bereitete uns dabei die Umsetzung der Entwürfe in leichte, dreidimensionale Gebilde. Ziel war es, mit möglichst wenig konstruktiven Einzelelementen auszukommen, um den scheinbar schwebenden Eindruck beibehalten zu können. So entschlossen wir uns nach einigen ungenügenden Experimenten, die genähten Formen zu leimen, um die nötige Steifheit im Material zu erreichen. Das größte Element bildet eine begehbare Spirale, die sich aus einer Nähkombination von Falten zusammensetzt und wie ein Uroboros den Raum einschließt." (Irene Hohenbüchler)

Die Neuinstallation des Projektes "Pneumo, 2003" in Wien, beinhaltet die Projektion eines Dokumentationsvideos des Entsehungsprozesses an der Akadmie, sowie eine Dia-Show künstlerischer Fotoarbeiten textiler Produktionselemente.

© Franz Wibmer © Franz Wibmer

Gleichzeitig präsentiert Susa Schintler-Zürner in den Ausstellungsräumen ihre Tapisserie-Diplomarbeit "A find from the lost", in welcher anhand von drei Künstlerinnen - Lisel Salzer, Edith Kramer und Ili Kronstein -, die in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts emigrieren mußten, die Exilforschung thematisiert wird.

Irene Hohenbüchler ist Gastprofessorin für Tapisserie an der Akademie der bildenden Künste Wien. Studium der Malerei an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien und an der Jan van Eyck Akademie, Niederlande. Teilnahmen an internationalen Ausstellungen, u. a.: 1997 documenta X: Teilnahme mit der Arbeit Herbar 13 in Zusammenarbeit mit der multiple autorenschaft, Lienz, 1999 offene Handlungsfelder, Österreichischer Pavillon, Biennale di Venezia, Venedig, Italien.

TeilnehmerInnen: Jan Blaschko, Manuela Janz, Barbara Jenner, Vincent Jenner, Parsia Kananian, Christina Lenart, Veronika Mali, Maria Männing, Melanie Mitas, Richard Schaffranek, Susa Schintler-Zürner u.a.

Dank an: Univ. Ass.DI Gerhart Brandt, Univ. Ass. Mag. Franz Wibmer, VL Mag. Art Marianne Zahel, Walter Troppmann, Gabriele Mayer und schultes.wien

Programm in den Ausstellungsräumen

Freitag, 24. Oktober 2003

17.00 Uhr
Irene Hohenbüchler, Gastprofessorin für Tapisserie
Textile Architekturen
Vortrag über die Entstehungsgeschichte des Projektes "Pneumo, 2003".

18.00 Uhr
Ce Gamin-là
Poetischer Dokumentarfilm über ein Netzwerk autistischer Kinder in den Cevennen, in Südfrankreich, von Renaud Victor, 1975, sw, frOF, 93min

19.30 Uhr
Sandra Alvarez de Toledo, Kunsthistorikerin, Paris
Le radeau de Fernand Deligny (Fernand Delignys Floß)
Vortrag in englischer Sprache

Das Werk Fernand Delignys ist Thema der Ausführungen von Sandra Alvarez de Toledo. Nach einer Reihe von militanten Aktionen in psychiatrischen Krankenhäusern, Schulen und diversen Vereinen gründet der Pädagoge, Schriftsteller, Dichter und Filmemacher Fernand Deligny 1967 einen Lebensraum für autistische Kinder in Südfrankreich. Ein Netzwerk entsteht, gemeinsam mit Nicht-Fachleuten, mitten in der Natur und mit äußerst geringen Mitteln, ohne Subventionen oder institutionelle Unterstützung. Dieses Experiment dauert nun bereits dreißig Jahre an.

Sandra Alvarez de Toledo, geboren 1954 in Mohammedia, Marokko. Kunsthistorikerin und Spezialistin für Photographie, lebt und arbeitet derzeit in Paris. 1997 Beitrag "Straße, Mauer, Delirium" zu Politics-Poetics, dem Buch zur documenta X, 2001 Ko-Kuratorin der Ausstellung "Des Territoires" an der Ecole Nationale Supérieure des Beaux-Arts, Paris.