Eröffnung: Donnerstag, 20.11.2003, 19.00 h
Ausstellung: 21.11.2003 - 18.01.2004, täglich 11.00 - 18.00 h, geschlossen am 24., 25., 26. und 31. 12. 2003 sowie am 01. und 06.01.2004
Programm in den Ausstellungsräumen: 04., 09. und 12. 12. 2003, jeweils 19.00 h
Aula und Ausstellungsräume der Akademie der bildenden Künste Wien, Schillerplatz 3, 1010 Wien

© Akademie der bildenden Künste Wien|August Heinrich, Der Untersberg bei Salzburg, Farbstudie 1821 August Heinrich, Der Untersberg bei Salzburg, Farbstudie 1821
© Akademie der bildenden Künste Wien

Eröffnung: Donnerstag, 20.11.2003, 19.00 h
Begrüßung: Stephan Schmidt-Wulffen, Rektor der Akademie der bildenden Künste Wien
Zur Ausstellung: Monika Knofler, Kustodin des Kupferstichkabinetts, Cornelia Reiter, Kuratorin

Stationen: Stendal, Winckelmann-Museum (29.10.2001 - 06.01.2002), Koblenz, Mittelrhein-Museum (27.04. - 23.06.2002), Bologna, Galleria d'arte moderna (23.01. - 30.03.2003), Rom, Casa di Goethe (Herbst 2004)
Katalog: 25 Eur, erschienen im Prestel-Verlag

Nach einer Tournee durch Deutschland und Italien zeigt das Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien nun auch in Wien rund einhundert Meisterwerke der Zeichenkunst der deutschen und österreichischen Romantik. Die einzigartige Sammlung mit Blättern u.a. von den Brüdern Olivier, Julius Schnorr von Carolsfeld, Joseph Führich, Leopold Kupelwieser und Moritz von Schwind ermöglicht die Auseinandersetzung mit einer geistesgeschichtlichen Strömung, die bis in die Gegenwartskunst entscheidend nachwirkt.

Die Aquarelle und Zeichnungen der Romantik und Spätromantik stellen einen qualitativ wie quantitativ herausragenden Teil des umfangreichen Bestandes an Handzeichnungen im Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien dar. Die zu Studienzwecken für die Studierenden der Wiener Akademie begründete Sammlung von Zeichnungen und Druckgraphiken wurde vor allem im 19. Jahrhundert durch Schenkungen und Ankäufe entscheidend erweitert und ist heute neben der Albertina Wien die zweitgrößte graphische Sammlung Österreichs. Im Rahmen eines Forschungsprojektes wurden von Cornelia Reiter der Bereich der österreichischen und deutschen Romantik systematisch aufgearbeitet, für eine Ausstellung zusammengestellt und in einem umfangreichen Katalog publiziert.

© Akademie der bildenden Künste Wien|Joseph Anton Koch, Vietri am Golf von Salerno, 1795 Joseph Anton Koch, Vietri am Golf von Salerno, 1795
© Akademie der bildenden Künste Wien

Die Blätter sind in den folgenden thematischen Komplexen gruppiert: Landschaften, religiöse Szenen, Porträts und Sujets aus Literatur, Historie, Märchen und Sagen. Die Sammlung ermöglicht, den großen Inspirator romantischer Landschaftszeichnung, Joseph Anton Koch, in Meisterwerken seiner frühen Aquarellkunst aus einem direkt aus dem Nachlass des Künstlers stammenden Bestand vorzustellen. Ausgehend von diesen auch inhaltlich komplexen Landschaftsaquarellen Kochs wird die romantische Sakralisierung der Landschaft mit Blättern von Ferdinand Oliviers erster Reise ins Salzkammergut, mit Aquarellen des sensiblen Caspar David Friedrich-Schülers August Heinrich und des Nürnberger Künstlers Christoph Erhard bis zur bereits fast biedermeierlich anmutenden Zeichenkunst eines Ludwig Richter vorgeführt.
Im Rahmen der Bildniszeichnung nimmt das den Kreis von Intellektuellen und Künstlern vereinende "Römische Porträtbuch" von Julius Schnorr von Carolsfeld die zentrale Stellung ein.

Programm in den Ausstellungsräumen

Donnerstag, 04.12.2003, 19.00 h
Cornelia Reiter, Kuratorin der Ausstellung
Romantik und Wiener Akademie. Von den revolutionären Lukasbrüdern zur institutionalisierten Spätromantik
Vortrag

Das Verhältnis des sich 1809 konstituierenden Lukasbundes bzw. der späteren Nazarener zur Wiener Akademie wird anhand eines reichen Quellenmaterials beleuchtet. Der Bogen spannt sich von der fast militanten Ablehnung des akademisch-klassizistischen Kunstideals sowie der praktizierten Lehrmethoden bis zu den als Leiter von Meisterschulen an derselben Institution installierten Künstlern der Spätromantik wie Kupelwieser und Führich. Originale Zitate v.a. aus Briefen führender Mitglieder dieser Reformbewegung werfen ein bezeichnendes Licht auf eine hoch emotionalisierte Situation.

Cornelia Reiter studierte Kunstgeschichte, Geschichte und Philosophie an den Universitäten Wien und Innsbruck. 1990-1992 Tätigkeit in der Österreichischen Galerie Belvedere, wo sie neben der Erstellung eines Bestandskataloges zur Kunst des 20. Jahrhunderts an zahlreichen Ausstellungen mitarbeitete. 1993-1995 wirkte sie als Kuratorin der Kunstsammlungen des Wiener Schottenstiftes. Nach einem Forschungsprojekt zu Anton Romako ist sie seit 1997 im Kupferstichkabinett der Wiener Akademie tätig und beschäftigt sich dort v.a. mit der Zeichenkunst der Romantik.

Dienstag, 09.12.2003, 19.00 h
Rainer Metzger, Kunsthistoriker, Autor, Wien/Stuttgart
Ueber die Unverständlichkeit. Die Gegenwart der Romantik und die Romantik der Gegenwart
Vortrag

Was heißt Konzeptualität? Was bedeutet Dekonstruktion? Was ist Kunst jenseits von Künsten? Antworten darauf gibt, gültig bis heute, bereits die Romantik. Zum einen, was bekannt ist, in den Texten, vor allem Friedrich Schlegels, zum anderen, was weniger bekannt ist, in den Bildern, speziell der Nazarener.

Rainer Metzger, geboren 1961. Kunsthistoriker, Kritiker und Autor, lebt in Wien. Privatdozent für Kunstgeschichte an der Universität Stuttgart. Korrespondierendes Mitglied der Wiener Secession. 1996 ist erschienen Kunst in der Postmoderne - Dan Graham (Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln), 2003 Der Tod bei der Arbeit. Bilder der Gewalt/Gewalt der Bilder - ein Führer für Wien (Christian Brandstätter Verlag, Wien) sowie Buchstäblichkeit. Bild und Kunst in der Moderne (Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln)

Donnerstag, 11.12.2003, 19.00 h
Werner Hofmann, Kunsthistoriker, Hamburg
Mystiker, Träumer, Narren - Gibt es den romantischen Künstlertyp?
Vortrag

Als die Künstler sich um 1800 auf die Suche nach dem Unendlichen machten, sagten sie sich von den Instanzen los, denen sie bislang ihre Betreuung und Gängelung verdankten: Kirche, Adel, Akademien. Diese Trennung wurde mit unterschiedlicher Radikalität vollzogen. Der Vortrag wird das an Künstlern nachweisen, deren Aufbegehren in der Ausstellung der Akademie nicht aufscheint. Dazu zählen Goya, Blake, Füssli, Runge, Friedrich u.a. Einleitend fällt ein Blick auf wichtige Vorläufer des neuen Selbstbewußtseins: Hogarth, Reynolds und Goethe. Alle diese Zeugen veranschaulichen, daß der "unbetreute", auf sich selbst gestellte Künstler neue Themen entdeckt, die alle um die gesellschaftliche Entfremdung (Ausgrenzung) des Individuums kreisen.

Werner Hofmann, 1928 in Wien geboren, Studium der Kunstgeschichte an den Universitäten Wien und Paris. 1960-1969 Direktor des Museums des 20. Jahrhunderts in Wien; von 1969 bis 1990 Direktor der Hamburger Kunsthalle. Lehre an zahlreichen Universitäten. Bücher u.a.: Grundlagen der modernen Kunst, 1966. Kunst und Politik, 1969. Edouard Manet, Das frühstück im Aterlier. Augenblicke des Nachdenkens, 1985. Das entzweite Jahrhundert. Kunst zwischen 1750-1830, 1995.