12.11.2004 - 12.12.2004, täglich 11.00 - 18.00 h
Ausstellungsräume Haupthaus, Schillerplatz 3, 1010 Wien
Eintritt frei!

Eine Ausstellung der Aperture Foundation und der
Akademie der bildenden Künste Wien
im Rahmen des "Monats der Photographie"
Eröffnung: Donnerstag, 11.11,2004, 18.30 h
Begrüßung: Stephan Schmidt-Wulffen, Rektor Akademie der bildenden Künste Wien

© Stephen Shore|Trail's End Restaurant, Kanab, Utah, 1973 Trail's End Restaurant, Kanab, Utah, 1973
© Stephen Shore

Die etwa 100 Fotografien umfassende Ausstellung "Die biografische Landschaft" bietet Gelegenheit zu einer Wiederbegegnung mit den bahnbrechenden Arbeiten Stephen Shores, eines der bekanntesten und einflussreichsten amerikanischen Fotografen der letzten fünfzig Jahre. Shore war der einzige Farbfotograf, der 1976 bei der bedeutenden Ausstellung "New Topographies" im George Eastman House vertreten war, und seine zukunfts-weisenden großformatigen Fotografien verschiedenster amerikanischer Städte haben, wie man weiß, zeitgenössische Fotografen wie Thomas Struth, Andreas Gursky, Candida Höfer und andere Schüler Bernd und Hilla Bechers entscheidend geprägt.

Weniger bekannt sind die für das Werk Shores selbst bestimmenden Einflüsse. Seine frühen Auseinandersetzungen mit Warhol und der Pop-Art im Allgemeinen sowie der in Entstehung begriffenen Konzeptkunst der späten sechziger Jahre sind wesentliche Zugänge zu seiner Entwicklung. Die Ausstellung " Biographical Landscape " konzentriert sich auf Shores zwischen 1973 und 1982 entstandene Schlüsselserie über das amerikanische Land und bietet so die Möglichkeit, sich mit dieser Arbeit im größeren Zusammenhang seines Werks neu auseinander zu setzen und sich mit dem für sein gesamtes Œuvre bestimmenden konzeptuellen Unterbau zu befassen.

© Stephen Shore|Merced River, Yosomite National Park, California,1979 Merced River, Yosomite National Park, California,1979
© Stephen Shore

Das ursprünglich 1982 von der Aperture Foundation veröffentlichte, lange vergriffene und inzwischen legendäre Buch Shores ist im Frühling 2004 in erweiterter Form unter dem Titel "Uncommon Places: The Complete Works" bei Aperture erschienen. Der Band stellt eine maßgebliche Ausgabe der bisher größtenteils unveröffentlichten und in keiner Ausstellung gezeigten frühen Arbeiten des Künstlers dar. Die Schau in der Akademie der bildenden Künste Wien geht anlässlich des Erscheinens dieser Publikation den Beziehungen in dem zwischen 1968 und 1993 entstandenen Werk Shores nach, zu dem auch die Arbeit "Biographical Landscape" gehört.

Die Ausstellung gliedert sich in drei Teile. Bilder aus dem Jahr 1973 werden gemeinsam mit einem Fragment von "American Surfaces" (1972) gezeigt, das wie bei seiner ersten Vorstellung in der Light Gallery 1972 präsentiert werden soll. 1973 tauschte Shore seine 35-mm-Kamera, mit der er "American Surfaces" fotografiert hatte, gegen eine Plattenkamera.

© Stephen Shore|West Fifteenth Street and Vine Street, Cincinnati, Ohio, 1974 West Fifteenth Street and Vine Street, Cincinnati, Ohio, 1974
© Stephen Shore

Dieser Abschnitt der Ausstellung wird die Pop-Art-Dimension seines Werks beleuchten und einen Teil der Postkartensammlung des Künstlers, seine eigene Postkartenserie über Amarillo, Texas, sowie eine Sammlung gefundener Fotografien zeigen, die in "All the meat you can eat", einer von Shore 1972 kuratierten Ausstellung, vorgestellt wurden.

Für die Zeit von 1974 bis 1976 steht eine Auswahl von 25 Fotografien, die alle aus der Serie "Uncommon Places" stammen. In diesen Jahren entwickelte Shore ein formales, auf der Linearperspektive beruhendes Verhältnis zur Realität. Biografische Elemente begannen in den Vordergrund zu treten, und das nicht nur durch die Titel, die für die Dauer des gesamten Projekts penibel Ort und Zeit von Shores Aufenthalt angeben, sondern auch durch die Komposition: Der Schwerpunkt der Bilder verrät ganz genau die Position des Künstlers in der von ihm festgehaltenen Landschaft. Die Fotografien werden so gehängt, dass sich diese aus der Bestimmung des Schwerpunkts und der Position des dieselbe Perspektive einnehmenden Betrachters ergibt.

In seinen nach 1976 entstandenen Arbeiten tritt Shore der Landschaft unter anderen Vorzeichen entgegen. Der letzte Block von ca. 20 Fotografien stellt diese dritte Phase der "Uncommon Places" vor, die sich durch die Ablehnung eines bestimmten Schwerpunkts sowie einer bestimmten Sichtweise auszeichnen. Indem Shore die Oberfläche der Fotografie zu einer wandartigen Fassade macht, verweist er auf die Wirklichkeit hinter der fotografischen Ansicht.
1980 übersiedelte Stephen Shore nach Montana und begann an einer Serie reiner Landschaften zu arbeiten, die sich vom Sujet her deutlich von den "Uncommon Places" unterscheiden. In konzeptueller Hinsicht treiben sie freilich die Ablehnung der Perspektive radikal voran, die Shore im letzten Block der "Uncommon Places" so gewandt umgesetzt hat.

© Stephen Shore|Michael and Sandy Marsh, Amarillo, Texas, 1974 Michael and Sandy Marsh, Amarillo, Texas, 1974
© Stephen Shore

Die Beschäftigung mit Shores Arbeiten im Zusammenhang mit zeitbezogenen künstlerischen Werken wie dem Ed Ruschas oder On Kawaras hilft, sein Werk als fortgesetzten Prozess einer Identitätskonstruktion zu verstehen. Die Ausstellung " Biographical Landscape: Die Fotografie Stephen Shores 1968-1993" setzt diesen Prozess der Konstruktion verschiedener Identitäten zur fotografischen Praxis in Beziehung - sie versucht so, sowohl Shores Arbeit in neuem Licht zu zeigen als auch ein genaueres Verständnis von Fotografie als einer gesellschaftlichen Einrichtung zu begründen.

Thematische Vorträge im Rahmen der Vortrags- und Gesprächsplattform "18.28"

jeweils dienstags, 18.28 h
Akademie der bildenden Künste Wien, Schillerplatz 3, Raum M 13 (Mezzanin), 1010 Wien

9. 11. 04: Eva Maria Stadler | Fotografie als Kunst. Kunst als Fotografie. Kunstfotografie

16. 11. 04: Stephan Schmidt-Wulffen | Stephen Shore - Die Konstruktion einer "biographischen Landschaft"

23. 11. 04: Peter Kodera | Wahrnehmung der Fotografie

30. 11. 04: Sabeth Buchmann, Andreas Spiegl | Disziplinierung und Transdisziplinierung. Ein Gespräch

Die Veranstaltungen finden im Rahmen des "Monats der Photographie" statt.

Für die Unterstützung und Zusammenarbeit danken wir:
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