"Die Stiftungsprofessur betrachte ich als Herausforderung, jene
Positionierung in der Gegenwart zu reflektieren, die Roland Rainer mit
dem Begriff "Städtebauer" vornimmt. Mit dem 'Städtebauer' fordert Roland
Rainer eine Architekturhaltung ein, die den urbanen Lebensraum ins
Zentrum ihres Interesses stellt. Er fordert unsere Disziplin ist auf,
die Planung als Konstruktion gesellschaftlicher Rahmenbedingungen zu
begreifen, das Machen von Architektur vorerst 'aufzuheben' und unser
Denken vom Irrtum zu befreien, dass 'das Wesen der Stadt vor allem aus
Fassaden und Gebäuden bestehe'. Damit positioniert Roland Rainer den
Städtebau als ein disziplinienübergreifendes Feld, mit dem das
Selbstverständnis der Architektur - das, was Architektur leisten kann,
was sie leisten soll - ins Wanken gerät. Diese produktive Hinterfragung
ist sehr zeitgemäß - ein wunderbarer Ausgangspunkt für die
bevorstehenden städtebaulichen Erkundungen, die 'Wien und der Welt'
gewidmet sind." (Bernd Vlay)
Geboren 1964 in Graz, lebt und arbeitet er als praktizierender Architekt und Urbanist in Wien; studierte an der TU-Graz, seit 2009 Leiter von STUDIOVLAY, Büro für Architektur, Urbanismus und Forschung; Mitglied des Technischen Komitees von Europan Europa, der weltweit größten Plattform für Wettbewerbe zur Förderung junger Architekt_innen; Herausgeber, Verfasser und Kurator zahlreicher Publikationen, Workshops und Ausstellungen, die das Verhältnis zwischen urbanen Bedingungen und architektonischer Praxis erkunden; Gastprofessor an der Cornell University, Ithaca/New York (2003);
Auswahl Publikationen: Other Spaces - Die Affaire der Heterotopie (Mitherausgeber, 1999), Uropean Urbanity (Mitherausgeber, 2006), Europan 11: Identity, Uses, Connectivity (Mitherausgeber, 2012)
Die von der Stadt Wien finanzierte und vom Roland Rainer Komitee initiierte "Roland Rainer" Stiftungsgastprofessur für Architekturentwurf und Forschung an der Akademie der bildenden Künste Wien wurde 2009 eingerichtet und vorerst für einen Zeitraum von 3 Jahren finanziert. Sie zielt darauf ab, Roland Rainers Architekturauffassung in die Studienrichtungen der Akademie einzubinden. Seine Lehre, sein Wirken und sein Verständnis von Verantwortung in der Architektur soll Basis für eine Ausbildung sein, die über den gestalterischen Bereich hinaus soziale, gesellschaftspolitische und ökologische Umstände berücksichtigt, um diese weiterzuentwickeln. Die Stiftungsprofessur soll den bestehenden Dialog zwischen dem Institut für Kunst und Architektur und den Stadtplanungsabteilungen der Stadt Wien fortsetzen und den Diskurs Roland Rainers in internationalen Planungs- und Forschungskreisen im Bereich Urbanismus etablieren.
Ein zentrales Ziel der Wissenschafts- und Forschungsförderung der Stadt Wien besteht in der Knüpfung eines intellektuellen Netzes, zwischen der Stadtverwaltung und den in Wien situierten Universitäten. Die Schnittstelle zwischen der Stadt und ihren Hochschulen wird durch gemeinsame Institute und Forschungsprojekte, durch Stipendien, Fellowships und Gastprofessuren, die die Stadt fördert, ständig ausgebaut.