31. Oktober 2002

© Franz Hubmann © Franz Hubmann

Was ist es, was man homo graphicus nennen könnte? Den Phantasten, verkappten Agitator, Augenöffner, Meinungsbildner in der Druckerschürze, den Wolf im Schafpelz.
(Max Melcher, 1989)

Die Akademie der bildenden Künste Wien trauert um den langjährigen Leiter der Meisterschule für Graphik und ehemaligen Rektor Maximilian Melcher, der am 31. Oktober 2002 im Alter von 80 Jahren verstorben ist. Maximilian Melcher ist der Akademie der bildenden Künste Wien ein ganzes Leben lang verbunden geblieben: Nach einer Ausbildung an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien beginnt Melcher 1940 ein Studium der Graphik bei Christian Ludwig Martin, in dessen Meisterklasse er nach Jahren des Kriegsdienstes und der Kriegsgefangenschaft 1948 zurückkehrt. 1952 legt Melcher sein Diplom mit einem Passions-zyklus von Radierungen ab, erste Ausstellungen und Preise - darunter 1961 der Graphikpreis der Stadt Wien und 1964 der Kulturpreis des Landes Niederösterreich - folgen rasch.

Bereits 1955 kehrt Melcher an die Akademie der bildenden Künste Wien zurück, wo er bis 1967 als Lehrbeauftragter, Assistent und Supplent tätig ist, 1967 in der Nachfolge von Martin zum Professor für Graphik berufen wird und von 1972-1976 sowie von 1984-1987 das Amt des Rektors ausübt. Als er 1992 nach fast 40 Jahren der Lehrtätigkeit emeritiert, würdigt die Akademie sein Schaffen mit der großen Retrospektive "Bilder und Graphiken aus fünf Jahrzehnten".

Als Rektor lenkte er jahrelang die Geschicke der Akademie, unvergessen jedoch wird er vor allem als unermüdlicher Lehrer bleiben, der jedem/r einzelnen Studierenden die Ausbildung einer eigenen künstlerischen Persönlichkeit abverlangte. So skeptisch Melcher seinem eigenen Werk gegenüberstand, so aufopferungsvoll hat er sich als Lehrender eingesetzt. "Je weniger ich für mich gearbeitet habe, umso besser sind die Studenten geworden. Das Um und Auf in diesem Geschäft ist: Derjenige, der rauskommt, muß besser sein als ich und die guten Leute sind besser geworden", sagte er noch 1991.

Von Melchers Qualität als Lehrer zeugt auch das Werk zahlreicher seiner ehemaligen Studierenden, die zu den wichtigsten österreichischen KünstlerInnen der siebziger und achtziger Jahre geworden sind wie Siegfried Anzinger, Tone Fink, Wolfgang Herzig, Edelbert Köb, Kurt Kocherscheidt, Richard Kriesche, Marianne Maderna, Irmtraud Pichler, Peter Pongratz, Roman Scheidl, Meina Schellander, Hubert Schmalix, Wolfgang Stifter, Turri Werkner, Robert Zeppl-Sperl und nicht zuletzt Gunter Damisch, der 1992 die Nachfolge Melchers als Professor für Graphik angetreten hat.
Daß sein eigenes künstlerisches Werk allerdings ebenso bedeutend ist wie seine Lehrtätigkeit, davon zeugt bis heute die eindringliche, kantige und doch zurückhaltende Handschrift seiner oftmals unterschätzten Graphiken und Zeichnungen.