Gastprofessorin für Tapisserie
November 2002

Für die nächsten beiden Jahre (bis WS 2005) übernimmt Irene Hohenbüchler eine Gastprofessur für Tapisserie an der Akademie der bildenden Künste Wien. Ein starkes Bewußtsein für soziale, historische, sprachliche und materialspezifische Kontexte und eine subtile, unaufdringliche Form der Verräumlichung dieser Zusammenhänge zeichnen die bisherigen künstlerischen Arbeiten der Hohenbüchlers aus.

Die Lehre in der Studienrichtung Tapisserie versteht Irene Hohenbüchler im Kontext ihrer bisherigen Arbeit: "Worte wie verknüpfen, verketten, verweben, verstrickt (sein) könnten als Schlüsselbegriffe meiner eigenen künstlerischen Tätigkeit verstanden werden. Textile Arbeiten wie z. B. die Verknüpfung einer mittelalterlichen Markthalle mit Fischerseilen in Middelburg 1994 to KNIt 2, purl 2 oder Modelle in Wien 1998 sind immer in Verbindung mit 'Textgeweben' zu sehen. Diese Installationen entstanden aus der Faszination, mit einem Faden eine Fläche zu bilden oder in die Dreidimensionalität überzugehen, wobei der Faden wie ein Zeichenstift verwendet und das Papier zugunsten des Raumes verlassen wird. Indem der Betrachter sich durch den Raum bewegt, wird er Teil der 'Zeichnung' und nimmt am Arbeitsprozeß teil."

© Christine Hohenbüchler|to KNIt2, purl 2, Middelburg 1994 to KNIt2, purl 2, Middelburg 1994
© Christine Hohenbüchler

Die gemeinsame Arbeitsweise mit Christine Hohenbüchler besteht aus unterschiedlichen Elementen, die kombiniert mehrerlei Sinn ergeben, den Betrachter zum Assoziieren auffordern. Neben dem konzeptuellen Ansatz ist die bildhafte Umsetzung, d.h. Komposition, Proportion und Farbigkeit ausschlaggebend für eine Verwirklichung von Ideen.
Die beiden Künstlerinnen arbeiten im Spannungsfeld von Kunst und Design mit einem starken Bezug zu handwerklichen Fähigkeiten, aber auch in Kooperationen mit unterschiedlichsten, oft an den gesellschaftlichen Rand gedrängten Gruppen (u.a. mehrfach behinderten Menschen, psychiatrischen Patienten), mit denen gemeinsam Räume erarbeitet werden. Arbeiten im öffentlichen Raum entstehen meist unter Berücksichtigung des geschichtlichen Umfeldes eines spezifischen Ortes.

© Christine Hohenbüchler|Herbar 13, documenta X, Kassel 1997 Herbar 13, documenta X, Kassel 1997
© Christine Hohenbüchler

Biographie
Irene Hohenbüchler

Studium der Malerei an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien und an der Jan van Eyck Akademie, Niederlande

Ausstellungen und Ausstellungsteilnahmen (Auswahl)
1992 ... prodigious, precious ..., mit Heidemarie Hohenbüchler und Werner Feiersinger, Galerie Paul Andriesse, Amsterdam /NL | 1993 Sonsbeek 1993, mit Gefangenen aus De BERG, Arnheim, Niederlande | 1995 We knitted BRAIDS for her, mit Heidemarie Hohenbüchler, ICA London, Großbritannien | 1996 Wunderbar, Kunstraum Wien, Hamburger Kunstverein | 1997 documenta X: Teilnahme mit der Arbeit Herbar 13 in Zusammenarbeit mit der multiple autorenschaft, Lienz | 1999 offene Handlungsfelder, Österreichischer Pavillon, Biennale di Venezia, Venedig, Italien | 2000 We all peel the onions, mit Teilnehmern einer Tagesklinik des Royal Free NHS Trust im Rahmen des North London Link Projekts, Camden Centre for the Arts, London | 2001 Plug in, Einheit und Mobilität, Westfälisches Landesmuseum, Münster, Deutschland | Untragbar - Mode als Skulptur, Museum für Angewandte Kunst, Köln, Deutschland | Arbeit, Essen, Angst, in Zusammenarbeit mit Kindern der Umgebung, Kokerei Zollverein, Essen, Deutschland | 1815 ... 2001, Raum aktueller Kunst Martin Janda Wien, Galerie Barbara Weiss, Berlin | 2002 La Plaiv, Kunst im öffentlichen Raum, Unterengadin, Schweiz

Laufende Projekte
Art and Healing, ritual and transformation, ICA Boston, Mai 2003 | La Plaiv, Fortsetzung des Projekts im Unterengadin, 2002-2003

© Christine Hohenbüchler|Eisener Vorhang 1999/2000, Wiener Staatsoper Eisener Vorhang 1999/2000, Wiener Staatsoper
© Christine Hohenbüchler

In der Vorlage zum Eisenen Vorhang der Wiener Staatsoper für die Saison 1999/2000 (initiiert von museum in progress) wurden handgezeichnete Kreuzelemente von unterschiedlichen Typographien und einem angedeuteten Faltenwurf eines Vorhanges überlagert. Es gab den "objektiven", historischen (Rück)Blick auf die Erst- und Uraufführungen des Opern-Hauses. Mit den roten Kreuzen wurde auf Hilfsorganisationen verwiesen, die eine reale Dringlichkeit am Ende des 20. Jahrhunderts darstellten. Die Farbe Rot kann aber auch mit den dramatischen Erzählungen der Operngeschichten verknüpft werden.

© Gerhard Koller|Biennale di Venezia, 1999 Biennale di Venezia, 1999
© Gerhard Koller