Ausstellungsdauer | 23.04.2013 - 01.09.2013
Ort | Akademie der bildenden Künste Wien, Gemäldegalerie, Schillerplatz 3, 1010 Wien

In einer einmaligen Zusammenschau werden die filmische Arbeit TABLEAU VIVANT und ihre historische Bildvorlage Seite an Seite in der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien gezeigt.

TABLEAU VIVANT. Der König in Frauenkleidern Still des Films "Tableau Vivant", 2009, Hd, Farbe, Ton, 7 Min. 10 Sek., Projekt des Medienlabors und des Fachbereichs Szenografie, Akademie der bildenden Künste Wien

„Tableau Vivant“ ist ein Gemeinschaftsprojekt von Studierenden der Akademie, das in Zusammenarbeit mit den Lehrenden des Instituts für bildende Kunst/Medienlabor und des Instituts für Kunst und Architektur/Ordinariat für Szenografie 2009 realisiert wurde. Als Aufführungsgrundlage diente der Gruppe das großformatige Ölgemälde des Haarlemer Historien- und Portraitmalers HENDRICK GERRITSZ. POT (um 1650) aus dem Bestand der Gemäldegalerie.

Den Mittelpunkt des Geschehens bildet ein Mann, der wie ein König gekrönt, sonderbarerweise in Frauenkleidern und in eigentümlicher Sitzhaltung gegeben ist. Er wird von fünf ihn hingebungsvoll liebkosenden Kurtisanen umschwärmt. An die Gruppe unter dem Baldachin schließt ein Kreis weiterer Figuren an, die auf dem Boden hockend, verschiedene Spinn- und Näharbeiten verrichten, musizieren, schlafen oder das Treiben um den Thron beobachten.
Bis heute ist es nicht gelungen, den Darstellungsinhalt der Szene eindeutig zu entziffern. Alle Hinweise, wie die theatralische Art der Figuren-Inszenierung, die ungewöhnliche Bezugnahme der Protagonisten auf den Betrachter durch Blickkontakt sowie der hohe, kahle und bühnenartige Bildraum mit wenigen formelhaften Gliederungselementen zeigen jedoch in Richtung zeitgenössisches holländisches Theater.

BildHendrick Gerritsz. Pot (gegen 1585-1657), Szene aus einem Theaterstück, um 1650, Öl/Leinwand, 123 × 156,5 cm, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien

Die Beteiligten des Projektes haben nun das Gemälde „Szene aus einem Theaterstück“ des niederländischen Künstlers in historischen Kostümen getreu der Vorlage nachgestellt. Über das klassische „Tableau Vivant“ hinausgehend, wird die Szene auf der Filmebene „weitererzählt“ und damit ins Heute geholt. Die in ihren Bewegungen erstarrte Schauspielgruppe wird in einer langsamen Kamerafahrt abgetastet. Zuletzt werden aus den Statisten Agierende:

Sie erheben sich, entwickeln ein lockeres Gespräch und verlassen den Bilderrahmen, um mit „Zeitgenossen“ in Kontakt zu treten – eine Arbeit, die sich mit den gruppendynamischen Prozessen des „Tableau Vivant“ sowie mit den erweiterten Möglichkeiten des bewegten Bildes auseinandersetzt. Gleichzeitig eröffnet der Film auch eine ganz neue Betrachtungsoption für die historische Vorlage.