Bestandskatalog des Kupferstichkabinetts der Akademie der bildenden Künste Wien. Finanziert vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF).

Als dritter Band der Bestandskataloge zum 19. Jahrhundert im Kupferstichkabinett der Akademie Wien wurde die über 800 Nummern umfassende Sammlung der Zeichnungen und Aquarelle von Joseph Anton Koch (1768-1839) und dessen Schwiegersohn Johann Michael Wittmer (1801-1880) erschlossen. Das Wiener Kupferstichkabinett besitzt eine der größten Bestände an Zeichnungen von Koch, die bis auf wenige Ausnahmen aus dem Nachlass des Künstlers über seinen Schwiegersohn Wittmer im Jahr 1865 in die Sammlung gelangten.
Das umfangreiche zeichnerische Œuvre von Joseph Anton Koch ist in unterschiedliche Kategorien zu differenzieren, die im Wesentlichen durch die Zweckbestimmung der Blätter bedingt sind. Der Bogen spannt sich von ersten impulsiven Entwurfsskizzen, die einen aufschlussreichen Einblick in die Bildgenese der Kochschen Kompositionen geben, über detaillierte Vorarbeiten zu Gemälden bis zu den „finalen“, als Sammlerstücke produzierten großformatigen Landschaftsblättern in Aquarell oder Gouache. Eine besondere Stellung nehmen die Skizzenbücher Kochs ein, die in den überwiegend unmittelbar aus dem Naturvorbild geschöpften Motiven - darunter auch zahlreiche Detailstudien mit botanischen, zoologischen oder auch geologischen Sujets - das unerschöpfliche „Rohmaterial“ seiner großformatigen Kompositionen repräsentieren.
Vor allem anhand der Skizzenbücher ist Kochs eminente, über das bisher bekannte Ausmaß hinausgehende Vermittlerrolle für die erste Generation der „romantischen“ Zeichner in Rom zu dokumentiert. Einerseits wurden zahlreiche Kopien nach seinen in den Skizzenbüchern ausgeführten Werken im Œuvre anderer Künstler identifiziert. Andererseits konnten auch mehrere bisher Koch zugeschriebene Zeichnungen seiner engsten Schüler und Mitarbeiter wie Franz Theobald Horny und Carl Philipp Fohr im Komplex dieser Skizzenbücher herausfiltriert werden.
Die systematische Erschließung der Illustrationsfolgen zu Dantes Divina Commedia von Koch und Wittmer erhellte das bisher ungeklärte Verhältnis der beiden Künstler. Wittmer stellte nicht nur Überarbeitungen bzw. Wiederholungen von Kompositionen seines Schwiegervaters Koch her, sondern ist u.a. in seiner Serie zu Bibelillustrationen auch als eigenständiger Inventor zu würdigen.

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