Geschichte
Die Akademie der bildenden Künste wurde 1692 gegründet und ist somit die älteste Kunsthochschule Mitteleuropas. Die Bibliothek, zu der von Beginn an eine Graphiksammlung gehörte, ist seit 1774 urkundlich nachweisbar. Der Buchbestand, den Wenzel Tassara, der erste Kustos, zu verwalten hatte, war gering; im Jahre 1783 fanden sich 43 Werke, wobei es sich großteils um Dubletten aus der k.k. Hofbibliothek und um Geschenke von Ehrenmitgliedern der Akademie handelte.
Unter dem Protektor Johann Philipp Graf Cobenzl (1741-1811) wurde die Bibliothek reorganisiert. Sie befand sich damals mit der Akademie im St.-Anna-Kloster und umfaßte ca. 330 Bände: vor allem Kunstbücher, aber auch Werke zur Altertumskunde, Geschichte und Literatur sowie eine Sammlung von 2800 Kupferstichen. 1801 wurde ein eigenes Lesezimmer eröffnet.
Zu einer bedeutenden Bestandsvermehrung kam es unter den Archivaren Joseph Ellmaurer (1806-1834) und Johann Trost (1835-1866), obwohl die Bibliothek keine nennenswerte Unterstützung aus der Staatskasse erhielt. Für eine großzügige Unterstützung sorgten vor allem das Kaiserhaus und die zahlreichen Ehrenmitglieder der Akademie. Kaiser Ferdinand schenkte der Akademie 1837 Dubletten aus seiner Privatbibliothek: über 700 Bücher und Kupferstichwerke sowie 600 Stiche und Lithographien. Im selben Jahr überließ er der Bibliothek über 800 Aquarelle und Zeichnungen Thomas Enders von dessen brasilianischer Reise (1817-1818). Dazu kamen in den Jahren 1838 bis 1840 Schenkungen des Präses-Stellvertreters der Akademie, Ludwig von Remy, die etwa 1000 Kupferstiche, Handzeichnungen und Bücher enthielten. Ein bedeutender Bestandszuwachs ist auch dem Architekten Franz Jäger (1781-1839) zu verdanken, der seinen gesamten, ca. 10 000 Stück umfassenden Kunstbesitz der Bibliothek vermachte. Er enthielt auch 277 gotische Baurisse aus der Bauhütte St.Stephan, einen weltweit einzigartigen Schatz. 1844 kam das mehr als 17 000 Kupferstiche und illustrierte Werke enthaltende Legat Vincenz van Eyssens (1760-1844) an die Bibliothek, 1848 die Büchersammlung des Hofbaurates Peter von Nobile. Zu erwähnen sind auch die Bühnenbildentwürfe der Familie Galli-Bibiena.
Bis 1835 wurde die Bibliothek vom jeweiligen Sekretär der Akademie verwaltet, als erster Bibliothekar fungierte der als Professor an der Akademie wirkende Johann Trost (1835-1866). Seinem Nachfolger Carl von Lützow (1866-1897) standen bereits staatliche Finanzmittel zur Verfügung, sodaß von nun an eine planmäßige Erwerbung möglich war. 1873 kam es zum Ankauf der aus ca. 280 Druckgraphiken bestehenden Dürersammlung von H.S. Hüsgen, 1874 konnten das Porträtbuch Schnorrs von Carolsfeld , Studienblätter von Anselm Feuerbach und Aquarelle von Rudolf von Alt erworben werden.
Noch während Lützows Amtszeit übersiedelte die Bibliothek in das von Theophil Hansen neu errichtete Gebäude am Schillerplatz, das Ende 1877 eröffnet wurde.
Ab Herbst 1944 blieb die Akademie geschlossen. Bei Kriegsende lag ein Teil des Gebäudes in Trümmern, die Bibliothek hatte jedoch keinen Schaden erlitten. In der Folgezeit erfuhr der Bestand von Bibliothek und Kupferstichkabinett eine Bereicherung durch Werke zeitgenössischer Künstler wie Unger, Eybl, Manet, Menzel, Klinger, Liebermann, Stuck, Kriehuber. 1984 wurden die Räume großzügig restauriert und wieder in den ursprünglichen Zustand mit der vollständigen Theophil-Hansen-Einrichtung gebracht.
Im Jahr 2003 wurden Bibliothek und Kupferstichkabinett getrennt; seither ist das Kupferstichkabinett eine eigene Organisationseinheit.