20. September - 10. November 2013

Theophil Hansen. Architekt und Designer
Ausstellung anlässlich des 200. Geburtstages

In Kopenhagen geboren und zum Architekten ausgebildet, in Athen künstlerisch gereift und ab 1846 in Wien tätig, avancierte Theophil Hansen innerhalb weniger Jahre zum maßgeblichen Baukünstler der Zweiten Gesellschaft und der gesamten Ringstraßen-Zeit. Als Vertreter des Historismus prägte er mit seinen Stilvorgaben die Architektur der Epoche. Ihm verdankt die Stadt eine Reihe prominenter Monumentalbauten - u. a. den Musikverein, die Akademie der bildenden Künste Wien und die Börse, das Waffenmuseum des Arsenals, die Evangelische Schule am Karlsplatz und das Parlament.

Das Jubiläumsjahr sowie die bevorstehende Generalsanierung der Akademie der bildenden Künste Wien bilden den Anlass, Hansens Planbestand des Akademiegebäudes im Kontext dieser Wiener Bauten in einer - als Kooperationsprojekt des Kupferstichkabinetts der Akademie und der Abteilung Kunstgeschichte der Technischen Universität Wien realisierten - Ausstellung zu präsentieren.

22. November 2013 - 12. Jänner 2014

Ich bin eine andere Welt.
Künstlerische Autor_innenschaft zwischen Desubjektivierung
und Rekanonisierung


Die Gründe, die Künstler_innen veranlassen, als fiktive Personen oder anonym in Kollektiven aufzutreten und zwischen Fiktion und Realität angelegte Narrative zu kreieren, sind mannigfaltig: als Verweis auf blinde Flecken im sonst diskursiv abgesicherten Kanon, als Kritik an institutionellen Strukturen von Urheber_innenschaft und Autor_innenschaft oder deren Repräsentationspolitiken von normativen Geschlechterrollen und Ethnizität, zum Schutz vor politischer Verfolgung und nicht zuletzt zur Entmystifizierung des überhöhten Künstler_innenindividuums. Kollektive Autor_innenschaft befindet sich heute an den Bruchlinien eines dekonstruierten, postmodernen Subjektbegriffs und anarcho-aktivistischer Formen von Widerstand und Kapitalismuskritik, die nicht anders als gemeinschaftlich organisiert werden können (und müssen). Gleichzeitig verweisen diese Formationen auch auf Problemkreise von virtueller Identität und Phantasmen einer diesbezüglichen regulativen Sicherheitspolitik. Sowohl für die Konstruktion alternativer Identitäten als auch für die Verschleierung ihrer Fiktionalität scheinen Narrative und "dokumentarische" Belege nach wie vor eine zentrale Strategie zu sein, um den Wahrheitsanspruch historisierender Diskurse und kunsthistorischer Kanons aufzudecken: Geschichtsschreibung und Erinnerung können so wieder aufgerollt, rekonstruiert und neu bewertet werden.

In diesem Sinn möchte die Ausstellung verschiedenste Fragen aufwerfen: Geht der "Tod des Autors" Hand in Hand mit der Wiedergeburt des Publikums und der Wiederentdeckung künstlerischer Souveränität? Kann der Wunsch, den Authentizitätsbegriff in Frage zu stellen und Kollektive zu kreieren, vor allem als widerständige Praxis gegenüber dem postfordistischen Individualisierungsdruck verstanden werden? Es scheint, als ob das künstlerische Subjekt nur "überleben" kann, indem es sich mithilfe oben genannter Taktiken der Tarnung und Verschleierung aufspaltet, weil es in dieser kapitalistischen Gesellschaft tatsächlich schon so viele Rollen spielen und so viele Lücken füllen muss.

7. März - 18. Mai 2014

Das Neueste Weltgerichtstriptychon

Das Weltgerichtstriptychon von Hieronymus Bosch ist eines der bekanntesten Werke der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien. Es wurde um 1500 gemalt, in einer Zeit des radikalen Umbruches, wo die alten feudalen Strukturen erschüttert wurden und die moderne Welt und ihr kapitalistisches System entstanden. Die Künstler_innen Alice Creischer & Andreas Siekmann, Maruša Sagadin und Ina Wudtke interpretieren das Triptychon für die Gegenwart noch einmal neu und stellen die drei Tafeln in je einem Raum von xhibit dreidimensional dar. Die beiden Außentafeln in Grisaille werden von Herman Asselberghs und Dieter Lesage in zwei Zwischenräumen präsentiert.

Im Neuesten Weltgerichtstriptychon stehen die Stadt und die Welt erneut vor Gericht. Anders als bei Bosch wird die Topografie des Neuesten Weltgerichtstriptychons eine radikal säkulare sein. Die räumlichen Koordinaten der zeitgenössischen Kosmopolit_innen, die durch die Auseinandersetzung mit dem Neuesten Weltgerichtstriptychon zu Sinnen kommen sollen, sind nicht länger die Schöpfung, der Himmel und die Hölle, sondern die Stadt, der Staat und das "Empire" gemäß Negri/Hardt. Das Neueste Weltgerichtstriptychon wird unterschiedliche Formen der Sanierung in Stadt, Staat und "Empire" vorstellen und hinterfragen. Dabei wird die These untersucht, ob ökologische und/oder wirtschaftliche Sanierungen nicht oft nur ein Vorwand sind, um unbequeme Individuen und Gruppen vertreiben zu können. Ist denn die Vertreibung das Schicksal der "Multitude"?