Am Anfang geht es darum, das bestehende Bild von filmischer Arbeit, vor allem gesichert scheinende Routinen von Arbeitsweisen infrage zu stellen und zu überprüfen. Erfahrung mit bislang Unbekanntem zu ermöglichen, aber auch zu fordern. Der Filmarbeit eine Grundlage zu geben, wie Naturstudien und Aktzeichnen es für die Malerei sind. Das heißt für die Studierenden sich im Regelfall mit anderen als eigenen Lebensverhältnissen auseinanderzusetzen, fremdes Gelände zu betreten. Wie nähere ich mich meinem Gegenstand? Aufmerksamkeit, Beobachtung, Annäherung, wache Bescheidenheit. Und bei aller damit verbundenen Emotionalität heißt es, um mit Brecht zu sprechen, dabei kalt zu denken, scharf. Film heißt zuallererst Sehen lernen. Das verlangt soziale Genauigkeit, Neugier, Annäherung und Offenheit. Und ein Absehen von sich selbst und eigener Befindlichkeit, wenn sie nicht Gegenstand der Untersuchung sind. Film und vor allem Dokumentarfilm, wenn er etwas zu zeigen hat, hält länger als jede Redaktion, die ihn in Auftrag gibt und länger als der Staat, in dem er entsteht. Ein Spektrum, das vom Zeugnis-Geben, vom Menschen und seinem Dasein in der Geschichte, bis zum spielerischen Umgang mit den Realitäten selbst und zu Formen bildender Kunst reicht. Doch immer ist guter Film ein Kenntlich-Machen. Von Menschen, von Verhältnissen, von Zusammenhängen. Wie diese Verhältnisse beschaffen sind, ist wesentlich geprägt durch Geschichte, die diese Verhältnisse hervorgebracht hat. Durch die Menschen, die diese Geschichte gemacht haben oder ihr unterworfen waren. Ein Bewusstsein für die Dimension der Sache zu entwickeln ist dabei eine wesentliche Aufgabe des Fachbereichs Kunst und Film.

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