Date | 17.06.2008, 7.00 p.m.
Venue | Institut für das künstlerische Lehramt, Karl-Schweighofergasse 3, 1070 Wien, Hörsaal 3. Stock

Nora Sternfeld | Kunstvermittlerin und Kuratorin, Lehrbeauftragte am Institut für das künstlerische Lehramt, Teilhaberin von trafo.K. und schnittpunkt, Schwerpunkte: zeitgenössische Kunst, Vermittlung, Geschichtspolitik und Antirassismus.
Im Rahmen der Vortragsreihe Kollektives Widerstandslernen organisieren! Konzipiert von Petja Dimitrova, Eva Egermann und Nora Sternfeld (als Kooperation des Instituts für das Künstlerische Lehramt und dem Ordinariat für Konzeptuelle Kunst an der Akademie der bildenden Künste Wien)

Drei Tätigkeiten bezeichnet Sigmund Freud als unmögliche Aufgaben: das Erziehen, das Regieren und das Psychoanalysieren. Alle drei Aufgaben implizieren ein Verhältnis. Sie können nicht am Reißbrett entworfen werden, sind niemals unabhängig von ihren AdressatInnen und somit nicht vollends planbar. Diese AdressatInnen sind dabei also keineswegs passiv – sondern tragen wesentlich zum Erfolg, zum Misserfolg ebenso wie zur Unmöglichkeit des Erfolges bei. Mit seiner Bemerkung macht Freud auf die Unmöglichkeit aufmerksam, nicht von dem Verhältnis, das für Politik, Pädagogik und Psychoanalyse konstitutiv ist, affiziert zu werden. Der Vortrag geht der Frage nach, ob in dieser Unmöglichkeit nicht gerade die Möglichkeit einer emanzipatorischen Pädagogik liegt. Er verfolgt die Spur nach dem pädagogischen Verhältnis in in der politischen Theorie von Jacques Rancière, Antonio Gramsci und Michel Foucault.

Die Veranstaltungsreihe Kollektives Widerstandslernen  beschäftigt sich mit dem Themenkomplex der »education« als verändernde Praxis. Die Diskussionen reichen von alternativer Wissensproduktion und politischer Selbstermächtigung über die Auseinandersetzung mit universitären Strukturen bis zu radikaldemokratischen Ansätzen für die Schule. Was können künstlerische Praktiken leisten, die sich in diesem Spannungsfeld bewegen? Eine Analyse von pädagogischen und reformistischen Diskursen als Herrschaftstechnik bildet dabei die Voraussetzung. Aber nicht als Selbstzweck: Die Vorträge fokussieren die Entwicklung von Strategien des Verlernens, der Kritik, der Gegenmodelle oder der Subversion vor dem Hintergrund gegenwärtiger gesellschaftlicher Realitäten und im Hinblick auf eine Veränderung der Definitionsmachtverhältnisse.