Das Kupferstichkabinett
Als eine der wenigen Akademiegründungen des ausgehenden 17. Jahrhunderts besitzt die Akademie der bildenden Künste Wien in ihren Sammlungen ein visuelles Gedächtnis, welches in dieser Form bei den meisten anderen Akademien schon längst verloren gegangen ist. Neben der heute nur mehr in Bruchstücken vorhandenen Glyptothek spiegelt besonders das Kupferstichkabinett mit seinem Bestand von ca. 40.000 Zeichnungen, 100.000 Druckgraphiken und an die 20.000 historischer Photographien, die über 300 Jahre dauernde Lehrtätigkeit wider. Die Geschichte der Sammlung ist nicht nur untrennbar mit der Entwicklung der Akademie, sondern auch der Kunst und Kunstpolitik der ehemaligen Donaumonarchie und den Nachfolgestaaten verbunden.
Der Bestand des 18. Jahrhunderts reflektiert die einzelnen Entwicklungsstadien der Akademie, von der Gründung 1692 bis zu der Vereinigung aller Spezialschulen 1772. Den bedeutendsten Wandel und die Änderung des Sammlungsprofils von einer Lehrsammlung zur zweitgrößten graphischen Sammlung der Monarchie brachten große Schenkungen, Nachlässe und Ankäufe in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ab 1850 wurden durch das jeweils zuständige Ministerium regelmäßig sowohl Arbeiten österreichischer Künstler angekauft, als auch eine bedeutende Sammlungen an Zeichnungen und Aquarellen der österreichischen und deutschen Romantik aufgebaut.
Hervorzuheben ist der Bestand an Architekturzeichnungen, der neben dem weltweit größten Konvolut an gotischen Baurissen die Nachlässe von Franz Jäger, Theophil Hansen, Ernst A. Plischke und Ernst W. Heiss umfasst.
Im Kontext der Unterrichtsreformen im 19. Jahrhundert ist vor allem die Sammlung historischer Fotografien von unschätzbarer Bedeutung, die sowohl Inkunabel als auch Beispiele prominenter Fotografen und Reproduktionsfotografien für die Lehre bereitstellte.