Preisverleihung: 07.04.2006, 18.00 h
Präsentation der Arbeiten des Birgit-Jürgenssen-Preisträgers 2006:
08. und 09.04.2006, Aula der Akademie der bildenden Künste Wien, Schillerplatz 3, 1010 Wien
11.00 - 18.00 h, Eintritt frei!

© Andreas Duscha|Andreas Duscha: aus der Serie  Andreas Duscha: aus der Serie "Twister", Nitrofrottage, 2006
© Andreas Duscha

Preisverleihung
07.04.2006, 18.00 h, Aula der Akademie der bildenden Künste Wien

Begrüßung: Stephan Schmidt-Wulffen, Rektor der Akademie der bildenden Künste Wien
Festrede: Peter Noever, C.E.O. und künstlerischer Leiter MAK Wien
Laudatio Preisträger: Brigitte Felderer, Kuratorin, Kulturwissenschaftlerin, Universität für angewandte Kunst Wien
Verleihung der Auszeichnung: Franz Morak, Staatssekretär für Kunst und Medien

Als Lehrende und als Mitglied diverser akademischer Gremien war Birgit Jürgenssen der Akademie der bildenden Künste Wien in besonderer Weise verbunden und bestimmte die Entwicklung des Hauses über Jahrzehnte entscheidend mit. Seit den frühen 80er Jahren war sie am Aufbau einer spartenübergreifenden Arbeitsplattform (Zwischenbereich Malerei/Fotografie) im Rahmen der Meisterschule Arnulf Rainer und später der Klasse Peter Kogler beteiligt, wobei ihr bis zu ihrem frühen Tod der Umgang und der Kontakt mit den Studierenden im Rahmen ihrer Lehre ein zentrales Anliegen blieb.

© Andreas Duscha|mahony: Fenster zum Hof, Installation, 2005 mahony: Fenster zum Hof, Installation, 2005
© Andreas Duscha

Kurz bevor sie verstarb, erhielt Birgit Jürgenssen für ihre künstlerische Arbeit, deren Ansatz - weit über die Grenzen eines Mediums hinaus - so verschiedene Ausdrucksformen wie Zeichnung, Performance, Fotografie, Video und Objekte beinhaltet, den Würdigungspreis für Fotografie des Bundeskanzleramts zuerkannt. Der Preisverleihung konnte sie persönlich nicht mehr beiwohnen und es ist dem Wunsch ihres Lebensgefährten Hubert Winter zu verdanken, dass der ihr zugesprochene Geldbetrag von EUR 11.000 als Preis für Studierende der Akademie der bildenden Künste Wien gestiftet wurde.

Laut einer Vereinbarung zwischen dem Bundeskanzleramt, der Akademie der bildenden Künste Wien und Herrn Hubert Winter wird somit heuer zum dritten Mal der Birgit-Jürgenssen-Preis im Gedenken an die Künstlerin in der Höhe von EUR 2.000 vergeben. Der Preis wird jährlich an eine Studentin oder einen Studenten der Akademie der bildenden Künste Wien für ihre/seine Arbeit im medialen Bereich verliehen, insbesondere unter Bedachtnahme auf Werke der künstlerischen Fotografie, der Video- oder (digitalen) Medienkunst.

© Andreas Duscha|mahony: Nach dem Regen, Installation, 2005 mahony: Nach dem Regen, Installation, 2005
© Andreas Duscha

Die Jury, bestehend aus Brigitte Felderer, Peter Noever und Peter Kogler, hat den diesjährigen Birgit-Jürgenssen-Preis einstimmig Andreas Duscha zuerkannt. Ausschlaggebend für die Entscheidung waren Duschas variantenreich eingesetzte Methoden, Realitäts-Vorstellungen gleichermaßen kritisch wie humorvoll zu hinterfragen. So stellt er beispielsweise in einer Serie von Nitrofrottagen gefährliche Windhosen dar. Durch die angewandte Technik verstärkt sich noch der ästhetische Effekt eines gerasterten Pressefotos. Und es verstärkt sich zugleich der Widerspruch zwischen den katastrophalen Auswirkungen solcher Unwetter und der Zartheit ihrer Abbilder. Andreas Duscha stellt mit seinen artifiziellen Zeitungsbildern etablierte Verweissysteme in Frage: Warum lesen wir solche Himmelsfiguren ausgerechnet als Katastrophenbilder? Der Künstler möchte herausfinden, wie mediatisierte Bilder die Wahrnehmung nicht nur beeinflussen, sondern regelrecht an deren Stelle treten. So konstruierte er, als Teil der 2002 gegründeten Künstlergruppe "mahony", einen großen Swimmingpool aus Pappkarton, eine künstliche Badelandschaft, die sich selbstverständlich beim ersten Kontakt mit der Realität, sprich: dem ersten Regen, aufzulösen begann. Und wenn Duscha in einer - wie er es nennt - "Installation" schließlich beginnt, eine Waldlichtung systematisch aufzuräumen, die Wiese von Steinen und Ästen zu "säubern", dann bleibt in respektloser Abwandlung einer satirischen Bemerkung Heinrich Heines nur noch festzuhalten: "Die Natur wollte wissen, wie sie aussieht. Und sie erschuf Duscha." (Text Brigitte Felderer)

© Andreas Duscha|Andreas Duscha: Â Andreas Duscha: "2min 23 sec/ 3 min 38 sec/ 4 min 12 sec", 2004
© Andreas Duscha

Andreas Duscha

geboren 1976 in Heidenheim a. d. Brenz, Deutschland. Studium der Politikwissenschaften, Geschichte und Soziologie an der Universität Münster, der Psychologie an der Universität Wien und ab 2000 an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Marina Grzinic - Konzeptuelle Kunst. Ab 2002 gemeinsam mit Stephan Kobatsch, Clemens Leuschner und Jenny Wolka in der Künstlergruppe "mahony" tätig.