Eva Blimlinger, DER STANDARD, 16.12.2013

Die Wissenschaften, zwischen Stütze und Krückstock

"Geht es der Wirtschaft gut, geht es den Menschen gut", verkündete 2007 der damalige Abgeordnete und zukünftige Wissenschafts-, Forschungs- und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner im Nationalrat angesichts der Erfolge der Exportwirtschaft und bezeichnete Österreich als "Europameister im Export".

Das Ziel der neuen Regierung ist: "Wissenschaft und Forschung werden als elementare Stützen der gesamtstaatlichen Entwicklung Österreichs und seiner Potentiale langfristig abgesichert." Wirft man einen Blick in das Arbeitsprogramm für die Jahre 2013-2018, so ist dort von Vorhaben für die Universitäten, die Wissenschaft und Forschung zu lesen, die bereits in der letzten Legislaturperiode hätten erledigt werden sollen und trotz eigenen Ministeriums nicht wurden.

Zur Sicherheit werden selbstverständlich keine Summen genannt, die in Zukunft für die Universitäten, die Forschung zur Verfügung stehen sollen. Versprochen wird, dass bis 2018 "unter Maßgabe budgetärer Möglichkeiten" Bundesmittel zur Anhebung der Forschungsquote verfügbar gemacht werden sollen. Und wenn nicht, was dann? Dann steht es einfach im nächsten Regierungsprogramm erneut drinnen. Macht ja nichts, wird schon werden - irgendwann. Wenn die Regierung wirklich Wissenschaft und Forschung zur "elementaren Stütze" machen will, dann wird es ohne Geld, Ideen, Konzepte und ohne eigenes Ministerium wohl nichts mit der Stütze. Aber vielleicht ist ohnehin nur ein Krückstock gemeint. Ist die Stütze nicht ausreichend "elementar", wird es auch nichts mit der gesamtstaatlichen Entwicklung, hatschert halt.

Es ist ein bisschen wie mit den Bauern (Landwirtschaft) und den Bienen (Umweltschutz), das ist auch nicht gutgegangen, bestehen doch zwischen Wissenschaft, Forschung und Entwicklung sowie Erschließung der Künste und der Wirtschaft im Sinne einer Gewinnmaximierung auf der anderen Seite Interessengegensätze, die sich wohl schwer unter einen Ministerhut bringen lassen.

Geht es den Unis gut, geht es den Menschen gut. Geht es Wissenschaft, Forschung, Künsten gut, geht es Menschen gut. Wird es die Freiheit der Wissenschaft, Kunst und Lehre ohne Ökonomisierung geben, wird es den Österreichern besser gehen - hoffentlich, dann werden wir Europa-, vielleicht gar Weltmeister.