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Eröffnung | 17.11.2016, 19.00 h
Ausstellungsdauer | 18.11.2016 - 08.01.2017
Ort | Akademie der bildenden Künste Wien, Hauptgebäude, Schillerplatz 3, 1010 Wien, xhibit

Öffnungszeiten: Di–So, 10.00–18.00 h, Eintritt frei
Sonderöffnungszeiten: geschlossen am 24.12. und 25.12.2016 sowie am 01.01.2017 geöffnet am 26.12. und 31.12.2016 sowie 02.01.2017, 10.00–18.00 h

Mit Werken von: Thomas Ender, Em’kal Eyongakpa, Lorenz Helfer, Clara Ianni & Clara Ianni in Zusammenarbeit mit Débora Maria da Silva, Juliana dos Santos, Nossa Voz, Produzent_innen der Kayapó, Tucano und Karajá, Monira Al Qadiri und Tracey Rose
Kurator_innen: Delal Isci und Thiago de Paula Souza

 

Key Visual: Martin Embacher

 

17.11.2016, 19.00 h, xhibit
Begrüßung: Eva Blimlinger, Rektorin der Akademie der bildenden Künste Wien
Einführung: Delal Isci und Thiago de Paula Souza, Kurator_innen

Für viele Gesellschaften bedeutete das koloniale Projekt der Moderne das Ende der Welt – lange vor den ökologischen Katastrophenszenarien der Gegenwart und der Rede vom „Anthropozän“ als dem Erdzeitalter, das durch den menschlichen Eingriff in die Erde geprägt ist. Die Ausstellung Weiterleben | In anderen Worten über Leben? verbindet postkoloniale, ökologische und ökonomiekritische Diskurse zu einer Befragung von möglichen Ausdrucksformen des Sozialen angesichts der Zerstörung von Lebenswelten und der weitgehenden Verdrängung lokaler Geschichtsauffassungen. Weiterleben bringt zeitgenössische künstlerische Reflexionen des Lebens nach dem Ende der Welt mit indigenen ästhetischen Produktionen der Kayapó, Tucano und Karajá aus Brasilien und Thomas Enders Darstellungen der brasilianischen Landschaft zusammen, die im Kontext einer österreichischen Expedition vor 200 Jahren entstanden sind, als der globale Wettlauf auf die Ressourcen Südamerikas einsetzte.

Raison Tracey Rose, Raison d’Être, 2009
Video (Regie: Didier Schaub, in Zusammenarbeit mit DoaulArt, Douala, Cameroon), 8:50 Min.
Courtesy Dan Gunn, Berlin

Das Ausstellungs- und Rechercheprojekt erprobt in Anlehnung an Jacques Derridas Essay Überleben1 eine intertextuelle Übersetzung von geographisch scheinbar disparaten Narrativen zu Ereignissen nach dem Ende der lokalen Geschichtsschreibung. Landschaftsansichten aus Brasilien, Obermesopotamien, Österreich, Kuwait und der afrikanischen Diaspora veranschaulichen im semiotischen wie architektonischen Raum Strategien und Ökologiebewegungen der lokalen Bevölkerung, die über die liminale Aufhebung von Leben hinaus fortbestehen. Eine lang angekündigte Apokalypse, die nicht einzutreten vermag.

In drei Kapiteln nähert sich die Ausstellung aus der Sicht der kritischen (native, horizontal, anarchist) Anthropology diesem Themenfeld an, aktiviert afrofuturistische, feministische, literarische und medienarchäologische Bilder und betont die ökonomischen, sozialen und historischen Aspekte von Narrativen zum Ende der Welt. Wie leben Erfahrungen, Bilder und Menschen am Ende einer von ihnen als Ende der Zeit empfundenen Geschichte weiter? Gibt es außerhalb der kontrollierten Geschichtsschreibung Möglichkeiten des Ausdrucks, die es erlauben, auch außerhalb solcher historischen Ereignisse und darüber hinaus zu bestehen?

Corcovado Thomas Ender, Ansicht vom Corcovado nach Catumbi, 1817-1818, Aquarell und Bleistift, 323 x 472 mm, HZ 13201
© Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien

Die künstlerischen Positionen der Ausstellung behandeln Erinnerungen an Genozid, Massaker und Entortung sowie die damit einhergehende Ökonomisierung und Erfahrung von Landschaft/Natur – eine erfahrbare Welt, die unablässig und lebendig von kolonialen Geistern heimgesucht wird. Die kulturhistorischen Bezüge untersuchen im Dialog mit den zeitgenössischen Positionen historische Kontinuitäten zwischen Kolonialismus und dessen Fortführung im Zuge von Klima- und Umweltpolitik im Globalen Süden im Sinn von Bruno Latours Konzept der „Diplomatie“2.

1 Jacques Derrida, „Überleben“, in: ders., Gestade, Wien: Passagen 1994 (1985), S. 119–217; Erstveröffentlichung engl. als „Living On. Borderlines“, in: Harold Bloom, Paul de Man, J. Derrida, Geoffrey H. Hartman und J. Hillis Miller, Deconstruction and Criticism, New York, NY: Continuum 1979, S. 75–176; frz.: „Survivre“, in: J. Derrida, Parages, Paris: Galilée 1986, S. 119–218.

2 Bruno Latour, „Guerre et paix des cultures“ (2000), in: Ethnopsy. Les mondes contemporains de la guérison, Nr. 4, Sonderheft: Propositions de paix. Colloque de Cerisy, Paris 2002, S. 61–80; dt.: B. Latour, „Krieg der Welten – wie wäre es mit Frieden?“, Berlin: Merve Verlag 2004.

Monira Monira Al Qadiri, Behind the Sun, 2013
Video, 10:00 Min.
Courtesy die Künstlerin

PROGRAMM

Details zum Progamm

Fr, 11.11.2016 + Sa, 12.11. 2016, 16.00-19.00 h
Akademie der bildenden Künste Wien, Schillerplatz 3, Raum M20
Makropolitik und Mikroprothetik
Zweitägiges Seminar mit Max Jorge Hinderer Cruz zu Felix Guattaris Konzept des „Integrierten Weltkapitalismus“, fragmentierten Körpern, Ökologie, Mikropolitik und der erweiterten Ökonomie des Sinnlichen (Deutsch/Englisch)

Do, 24.11.2016, 15.00 -19.00 h
Institut für das künstlerische Lehramt/ Karl-Schweighofer-Gasse 3 / Raum 312
Qual é o pente? Diálogos de "um" cabelo político / What is the comb? Dialogues of „a“ political hair
Workshop an der Schnittstelle von Kunstvermittlung und künstlerischer Produktion mit Juliana dos Santos, Studierenden der Lehrveranstaltung Künstlerischer Unterricht von Lena Rosa Händle, Fachbereich Kunst und Bildung (Deutsch/ Englisch/Portugiesisch)

Fr, 25.11.2016, 16.00 h
Akademie der bildenden Künste Wien, Schillerplatz 3, xhibit
Colonial ghosts or why are we still talking about this?
Kurator_innenführung mit Thiago de Paula Souza (Englisch)

Do, 01.12.2016, 18.30 h  
VBKÖ, Maysedergasse 2/4. Stock (Lift), 1010 Wien
The city and its displaced imaginary
Talk mit Berhanu Ashagrie Deribew und Juliana dos Santos (Englisch/Portugiesisch)

Fr, 16.12.2016, 16.00 h
Akademie der bildenden Künste Wien, Schillerplatz 3, xhibit
Konzepte der Landschaft und Erinnerung
Kurator_innenführung mit Delal Isci (Deutsch)

Ianni Clara Ianni in Zusammenarbeit mit Débora Maria da Silva, Apelo/Plea, 2014, Video, 12:57 Min.
Courtesy die Künstlerin und Galeria Vermelho São Paulo

Für die Unterstützung danken wir
Sonja Huber, Ruth Lackner, Claudia Kaiser, Gilbert Marx, dem Kupferstichkabinett und René Schober, Diedrich Diederichsen, Jorge Sallum, Sandra Adam, Dorukhan Sakar, Deniz Önengüt, Oliver de Luccia, Gabi Ngcobo, Eren Ileri und Lena Rosa Händle

Stand: 27.10.2016


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