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Eröffnung | 19.01.2012, 19.00 h
Ausstellungsdauer | 20.01.2012 - 26.02.2012
Venue | Akademie der bildenden Künste Wien, Hauptgebäude, Schillerplatz 3, 1010 Wien, xhibit

Di–So, 10.00–18.00 h, Eintritt frei
Sonderöffnungszeiten im Rahmen des Rundgangs 2012
20. und 21.01.2012 10.00–20.00 h

  Norbert Bittner, "Edfu. Der verschüttete Pronaos des Horus-Tempels", Feder in Schwarz, Aquarell, 501 x 723 mm Description Bd. I/Pl. 55, © Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien  

Eröffnung | 19.01.2012, 19.00 h
Begrüßung | Eva Blimlinger, Rektorin der Akademie der bildenden Künste Wien
Einführung | Monika Knofler, Direktorin des Kupferstichkabinetts
Zur Ausstellung | Lisa Schwarzmeier, Kunsthistorische Bearbeitung
Zu den Ägyptenansichten | Ernst Czerny, Österreichische Akademie der Wissenschaften

Projektteam: Ernst Czerny, Monika Knofler, Mario Kramp, Lisa Schwarzmeier
Ausstellungskuratorin: Monika Knofler, Direktorin des Kupferstichkabinetts

Mit der nach 1809 in Europa einsetzenden "Ägyptomanie" schuf der Akademie-Schüler Norbert Bittner eine Serie von Aquarellen einer fingierten Reise von Kairo über Assuan nach Nubien und in die Cyrenaika. Als Vorlage dienten Bittner, der selbst nie im Orient war, die "Description de l'Egypte ..." (Paris 1809-1828) - die monumentale Dokumentation der französischen Expedition von 1798-1801 -, die bereits 1802 erschienene "Voyage dans la basse et haute Egypte ..." von Dominique Vivant Denon sowie die Publikationen der Nubienreise des Kölners Franz Christian Gau von 1818-1820 und der Expedition von Jean Raymond Pacho in das antike Libyen bis zur großen Syrte zwischen 1824 und 1825.
Ergänzt werden die Blätter Bittners durch sich ebenfalls in der Sammlung des Kupferstichkabinetts befindende Zeichnungen bzw. Aquarelle von Gau und Franz Caucig sowie Skizzen des Begründers der Ägyptologie in Österreich, Simon Leo Reinisch, aus dem Institut für Ägyptologie und den erwähnten Publikationen aus der Universitätsbibliothek der Akademie der bildenden Künste Wien.

Bittner_HZ7339   Norbert Bittner: "Architekturcapriccio mit dem Denderah-Tempel" , © Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien  

Die Ausstellung entstand im Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Bearbeitung der sich im Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien aufbewahrten Ägypten-Serie von Norbert Bittner durch die Kunsthistorikerin Lisa Schwarzmeier. Ernst Czerny von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Kommission in Ägypten und die Levante, betreute die Ausstellung und den Katalog hinsichtlich ägyptologischer Fragestellungen. Für die sich ebenfalls im der Sammlung befindenden Blätter von Franz Christian Gau konnte der Autor der Gau-Monographie und Direktor des Kölner Stadtmuseums, Mario Kramp, gewonnen werden. Ausstellungskuratorin: Monika Knofler, Direktorin des Kupferstichkabinetts der Akademie der bildenden Künste Wien.

Ausgelöst von der Ägypten-Expedition Napoleons zwischen 1798 und 1801 und den damit verbundenen Publikationen von Dominique Vivant Denon von 1802 und der monumentalen 22-bändigen Dokumentation "Déscription de l'Egypte", die ab 1809 bis 1828 erschien, wurde Europa von einer wahren "Ägyptomanie" erfasst. In Österreich stellen die heute im Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien aufbewahrten siebenundfünfzig Aquarelle des Norbert Bittner die ersten Zeugen dieser Ägyptenbegeisterung des Biedermeier und einen frühen Beitrag zur Verbreitung der ägyptischen Monumente dar.

Da Bittner selbst nie im Orient war, dienten ihm die Publikationen dreier Expeditionen als Vorlage. Die getroffene Motivauswahl versucht offensichtlich die wichtigen Bau- und Kunstwerke zu erfassen und eine fingierte Reise von Nord nach Süd, von Kairo über Assuan nach Nubien und in die Cyrenaika zu rekonstruieren. Bittner geht in seinen farblich reizvollen Blättern zwar von den Vorlagen aus, ohne sich aber exakt an diese zu halten. Ein freier Gestaltungswille verändert die Vorlage nicht nur in Details, sondern gelegentlich auch in der Hinzufügung neuer Architekturelemente, Staffagefiguren und Vegetationen. Er versucht die Vorlagen ästhetisch und kompositorisch durch eine bühnenartige Gestaltung der Monumente "aufzubessern". Die Blätter erhalten so eine künstlerische Wertigkeit und suchen ein an der ägyptischen Kunst interessiertes Publikum zu erreichen. Die zarten Aquarelle vertiefen gegenüber den schwarz-weißen Kupferstichen das landschaftliche und emotionale Erlebnis der Nil-Expeditionen.

Ergänzt werden Bittners Blätter in der Ausstellung durch einige sich ebenfalls in der Sammlung befindende Zeichnungen bzw. Aquarelle von Franz Christian Gau und Franz Caucig sowie Skizzen des Begründers der Ägyptologie in Österreich, Simon Leo Reinisch, aus dem Institut für Ägyptologie der Universität Wien und den im Folgenden beschriebenen Publikationen aus der Universitätsbibliothek der Akademie der bildenden Künste Wien.

Bittner_HZ7351   Norbert Bittner: "Theben. Ansicht des Luxortempels
von Norden", © Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien
 

Norbert Bittner studierte seit 1806 an der Akademie der bildenden Künste, wo bereits sein älterer Bruder Johann seit sechs Jahren eingeschrieben war. Anfangs Schüler der Landschaftsmalerei bei Laurenz Janscha und Christoph Anton Dies, wechselte er jedoch bald in die Architekturklasse zu Ferdinand Hetzendorf zu Hohenberg und Johann Martin Fischer. Aufgrund seiner hervorragenden Leistungen erhielt er bereits ab 1808 ein Stipendium, zu dessen Aufbesserung er Musikunterricht erteilte. Wahrscheinlich verließ er 1811 die Akademie, da das Protokoll von 1812 die "Nichtabholung" des Stipendiums erwähnt. Von 1812 bis 1816 war Bittner im k. k. Konvikt als Zeichenlehrer tätig, wo er auch Franz Schubert unterrichtete, der dort von 1808 bis1813 Stipendiat war. Bekannt wurde Bittner vor allem durch seine Radierungen von sämtlichen Bühnenentwürfen von Joseph Platzer (1751-1806) und Antonio de Pian (1784-1851). 1822 wurde er von dem Geologen und Mineralogen Gregor Graf Rasumofsky beauftragt, sein Werk "Observations Minéralogiques sur les Environs de Vienne" zu illustrieren. In dem 1836 ebenfalls von Rasumofsky beauftragten "Collection d'idées architectoniques puisées dans l'antiquité tant grecque que romaine" finden sich bereits Zitate aus der Ägypten-Serie. Es ist daher anzunehmen, dass die Aquarelle, die aus folgenden Publikationen dreier Orient-Expeditionen schöpften, ebenfalls ein Auftragswerk Rasumofsky 's waren:

1 / Die Napoleon-Expedition von der Landung in Alexandria bis zum ersten Nil-Katarakt von 1798-1801 und deren zweiundzwanzig Bände umfassende Dokumentation "Description de l'Egypte" (Paris 1809-1828) sowie die schon 1802 erschienenen zwei Foliobände der "Voyage dans la basse et haute Egypte pendant les campagnes du général Bonaparte" von Dominique Vivant Denon. Denon war eine äußerst schillernde Persönlichkeit - selbst Künstler und Sammler, nahm er 1798/99 an dem Ägyptenfeldzug Napoleons Teil, war seit 1804 Generaldirektor der Museen in Frankreich und Direktor des Musée Napoléon, für welches er Kunstwerke aus allen besiegten Ländern aussuchte. In dieser Funktion war er auch 1809 als Stadtkommandant in Wien und man kann sich gut vorstellen, dass sowohl die Persönlichkeit Denons, als auch sein Druckwerk damals einen großen Einfluss auf junge Künstler gehabt hat. Bittner zitiert Denons Buch nicht direkt, man kann aber annehmen, dass er dieses kannte.

2 / Die Nubienreise von 1818-1820 des Kölners Franz Christian Gau, der die Baudenkmäler zwischen dem ersten und zweiten Nil-Katarakt bis Abu Simbel zeichnete. Diese wurden 1821-1827 in Paris gedruckt und bei Cotta in Stuttgart in einer deutschen und französischen Fassung unter den Titeln "Neu entdekte Denkmäler von Nubien an den Ufern des Nils, von der ersten bis zur zweiten Katarakte, gezeichnet und vermessen im Jahr 1819, und als Fortsetzung des französischen Werkes über Ägypten" und "Antiquité de la Nubie, ou Monuments inédits des bords du Nil, situés entre la première et la seconde cataracte" veröffentlicht.

3 / Die Expedition des Jean Raymond Pacho, der die Illustrationen seiner Expedition in das antike Libyen bis zur großen Syrte von 1824-1825 zwischen 1827 und 1829 in Paris unter dem Titel "Relation d'un Voyage dans la Marmarique, la Cyrénaïque et les Oasis d'Audjelah et de Maradèh" veröffentlichte.

Im Frühjahr 1840 kamen Bittners Ägypten-Aquarelle durch das Legat Franz II. Jäger an das Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien. Diese waren jedoch bereits im Übergabeinventar der Sammlung Jäger 1837 verzeichnet.

Bittner_HZ7352   Norbert Bittner: "Edfu. Ansicht des Horustempels"
© Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden
Künste Wien
 

Leihgeber_innen
Institut für Ägyptologie der Universität Wien, Kupferstichkabinett sowie Universitätsbibliothek der Akademie der bildenden Künste Wien

Publikation
"Ägypten, Nubien und die Cyrenaika | Die imaginäre Reise des Norbert Bittner (1786-1851)"
Mit Beiträgen von Ernst Czerny, Monika Knofler, Mario Kramp, Lisa Schwarzmeier
144 Seiten, 173 meist Farbabb., EUR 20,--
Verlag Franz Philipp Rutzen

Ausstellungstournee
04.05.-01.07.2012: Residenzgalerie Salzburg
17.07. -16.10.2012: Winckelmann-Museum, Stendal
Frühjahr 2013: Kölnisches Stadtmuseum