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Eröffnung | 12.03.2015, 19.00 h
Ausstellungsdauer | 13.03.2015 - 17.05.2015
Ort | Akademie der bildenden Künste Wien, Hauptgebäude, Schillerplatz 3, 1010 Wien, xhibit

Öffnungszeiten: Di - So, 10.00 - 18.00 h, Eintritt frei
Sonderöffnungszeiten: Geöffnet 06.04.2015 (Ostermontag), 01.05.2015 (Staatsfeiertag) sowie 14.05.2015 (Christi Himmelfahrt) / 10.00 - 18.00 h

Eine Ausstellung des gleichnamigen Forschungsprojektes [gefördert vom FWF im Rahmen von PEEK 2012 - 2015]

Künstlerinnen: Anna Artaker und Meike S. Gleim

  Anna Artaker und Meike S. Gleim, Bildmontage für den ATLAS VON ARKADIEN, 2014 li: Wohnanlage Rundling im Leipziger Stadtteil Lößnig, errichtet 1929 - 1930, Architekt Hubert Ritter. Foto: LeipzigInfo.de, 1930 re: Treffen des United Nations Security Council im UN-Hauptquartier in New York, 24.09.2009. Foto: Pete Souza, The Official White House Photostream  

Eröffnung | Donnerstag, 12.03.2015, 19.00 h
Begrüßung | Andrea B. Braidt, Vizerektorin für Kunst | Forschung der Akademie der bildenden Künste Wien
Einführung | Pascale Ehrenfreund, Präsidentin des Wissenschaftsfonds (FWF), Anna Artaker und Meike S. Gleim Künstlerinnen

Der ATLAS VON ARKADIEN präsentiert Fragmente einer Sozialgeschichte in Bildern. Urbane und technologische Entwicklungen des 20. Jahrhunderts werden in Bildmontagen in ihrer gesellschaftlichen Dimension analysiert. Die Bilder selbst fungieren dabei als eigenständige Analyseinstrumente.

Vorbild für dieses Verfahren ist das Passagen-Werk, Walter Benjamins Entwurf einer Geschichte des 19. Jahrhunderts am Beispiel der Stadt Paris. Die Motive der Benjamin'schen Geschichte des industriellen Zeitalters werden in die jüngere Vergangenheit, vor allem die Zeit nach dem Fall der Berliner Mauer übertragen. Das Motiv des Spiegels aus dem Passagen-Werk taucht im ATLAS VON ARKADIEN anhand von digitaler Fotografie oder Social Media wieder auf, die Haussmannisierung in Form zeitgenössischer Technologien zur Kontrolle des öffentlichen Raums wie Videoüberwachung usw.

Benjamins Methode der "literarischen Montage" - das Passagen-Werk ist im Wesentlichen eine Montage von Exzerpten aus Briefen, historischen Werken und anderen Quellen - übersetzt der ATLAS in Bildmontagen. Das Bild spielt nicht nur in unserer Gegenwart eine entscheidende Rolle für Kommunikation und Wissensvermittlung, auch Benjamin selbst hätte wohl gern mit Bildern gearbeitet. Im Passagen-Werk schrieb er "Ich habe nichts zu sagen. Nur zu zeigen." und fordert damit auf, seine Textmontagen wie Bildmaterial zu betrachten.

© BildunterschriftAnna Artaker und Meike S. Gleim, Bildmontage für den ATLAS VON ARKADIEN, 2014
links: Selbstportrait von Francesco Mazzola, genannt Parmigianino (1503 - 1540). Foto: Wikimedia Commons.
rechts: Erste live im Fernsehen übertragene Debatte zwischen den Präsidentschaftskandidaten Nixon und Kennedy, 1960.

Die Begriffe ATLAS und ARKADIEN stehen für Aspekte der verwendeten Methode. Der Ausstellungstitel benennt also ein Arbeitsprinzip. Einen ATLAS zieht man heran, um gezielt nach einer bestimmten Information zu suchen oder man blättert darin ziellos. Dies ermöglicht eine horizontale, assoziative und chaotische Lektüre, in der Zusammenhänge erst durch Imagination gestiftet werden. Auch in der Montage werden Dinge, die aus verschiedenen historischen und geografischen Kontexten stammen und daher wissenschaftlich betrachtet nicht zusammen gehören, assoziativ zusammengefügt. Gerade darin liegt jedoch ein Potenzial, das eine anders geartete Erkenntnis, ein die Grenzen von Wissenschaft und Kunst durchkreuzendes sinnliches und visuelles Wissen ermöglicht und uns Dinge sehen lässt, die sonst ungesehen bleiben. Dieses sinnliche und visuelle Wissen ist das Territorium des ATLAS VON ARKADIEN.

ARKADIEN galt in der Antike als Heimat eines ohne gesellschaftliche Zwänge und im Einklang mit der Natur lebenden Hirtenvolks. Für den ATLAS ist ARKADIEN der Referent einer Sichtweise, die phantasmagorische Elemente unserer Gegenwart entlarvt. Das heißt, sie analysiert, wie und wo sich unsere gebaute Umwelt so präsentiert, als ob der Mensch hier lediglich ein Flaneur wäre, der keinen Einfluss auf ihre Gestaltung habe. Dieses phantasmagorische Element wird beispielsweise im Wiederaufbau historischer Bauten wie dem Berliner Stadtschloss deutlich, das uns eine organische Kontinuität der Historie nur vorspielt. Oder in realisierten Traumlandschaften à la Disneyland, die ihre kommerzielle Existenzgrundlage verschleiern.

© BildunterschriftAnna Artaker und Meike S. Gleim, Bildmontage für den ATLAS VON ARKADIEN, 2014
links: Röntgenaufnahme eines Brustkorbs. Foto: Stock.XCHNG/Royalty Free.
rechts: Symmetrische Rolltreppen in der Station Guillemins in Liège/Belgien, Foto: A. Ypeij, 2011.

Um das nur vermeintlich immer schon Dagewesene als Phantasmagorie zu entlarven plädiert  Benjamin dafür, den historischen Blick, der Gewesenes gewesen sein lässt, gegen einen politischen zu tauschen. Der politische Blick nimmt die von Menschen gemachte und organisierte Umwelt als veränderbare wahr. Mit seiner Sozialgeschichte versucht der ATLAS VON ARKADIEN diesen politischen Blick ins Werk zu setzen.

Publikation

Zu Forschungsprojekt und Ausstellung ist die Publikation ATLAS VON ARDKADIEN in Vorbereitung, die 2016 erscheint.

Programm zur Ausstellung

Sa, 21.03.2015 + 16.05.2015, jeweils 16.00 h
Führung
Roland Fischer-Briand, Kunsthistoriker und Herausgeber von Streulicht, führt durch die Ausstellung.

Fr, 10.04.2015,14.00 - 19.00 h +
Sa, 11.04.2015, 14.00 - 18.30 h
Symposium: DIE WELT LESEN. Was ist visuelle Erkenntnis?
Symposium zur Ausstellung mit Beiträgen von Anna Artaker, Marc Berdet, Anselm Franke, Arno Gisinger, Esther Leslie, Lia Perjovschi, Meike S. Gleim, Antonia von Schöning und Batia Suter. Das Symposium findet in deutscher und englischer Sprache statt

Sa, 11.04.2015, 11.00 h
Künstlerinnenführung
mit Anna Artaker und Meike S. Gleim durch die Ausstellung in englischer Sprache.


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