Skip to content. Skip to navigation.
]a[ xhibit
Eröffnung | 10.03.2016, 19.00 h
Ausstellungsdauer | 11.03.2016 - 16.05.2016
Ort | Akademie der bildenden Künste Wien, Hauptgebäude, Schillerplatz 3, 1010 Wien, xhibit

Ein kuratorisches Ausstellungs-, Recherche- und Vermittlungsprojekt

Öffnungszeiten: Di–So, 10.00–18.00 h, Eintritt frei

Sonderöffnungszeiten: geöffnet am 28.03.2016 (Ostermontag), 01.+05.05.2016 sowie am 16.05.2016 (Pfingstmontag) / 10.00–18.00 h

Kuratorinnen: Elke Krasny und Barbara Mahlknecht

Ausstellungsgrafik: Alexander Ach Schuh

Mit Beiträgen von:
Tal Adler/Friedemann Derschmidt/Elisabeth Samsonow/Karin Schneider/Anna Szöke/Niko Wahl, Anna Artaker, Eva Blimlinger, Ramesch Daha, Zsuzsi Flohr/Benjy Fox-Rosen/Eduard Freudmann/Eva Reinold/Luisa Ziaja, Lena Rosa Händle, Minna L. Henriksson, Belinda Kazeem-Kaminski, Gila Kolb, Martin Krenn, Ina Markova/Rosemarie Burgstaller/Sophie Bitter-Smirnov, Verena Pawlowsky, Sabine Plakolm, Birgit Peter, Dirk Rupnow, Hansel Sato, Sekretariat für Geister, Archivpolitiken und Lücken (Nina Höchtl und Julia Wieger), Anna Schürch, Bernadette Settele, Nora Sternfeld, Suely Rolnik, Wer hat Angst vor dem Museum (Imayna Caceres/Pêdra Costa/Verena Melgarejo Weinandt)

 

Buchinventar Bd. 3, 1947, Universitätsbibliothek der Akademie der bildenden Künste Wien.

 

Eröffnung: Do, 10.03.2016, 19.00 h
Begrüßung: Eva Blimlinger, Rektorin der Akademie der bildenden Künste Wien
Einführung: Elke Krasny und Barbara Mahlknecht, Institut für das künstlerische Lehramt, Fachbereich Kunst und Bildung

Am 9. Juli 1941 erging der Erlass des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin an die Akademie der bildenden Künste in Wien zur Einrichtung der "Meisterschule für Kunsterziehung und Ausbildung der Kunsterzieher an höheren Schulen", das heutige Institut für das künstlerische Lehramt. 75 Jahre später ist dieser Gründungsmoment der Lehrer_innenausbildung für den Kunstunterricht weitgehend unaufgearbeitet. Dies bildet den Ausgangspunkt für das kuratorische Ausstellungs-, Recherche- und Vermittlungsprojekt Unheimliche Materialien. Gründungsmomente der Kunsterziehung.

Die für das Projekt von den Historikerinnen Ina Markova, Rosemarie Burgstaller und Sophie Bitter-Smirnov durchgeführte Rechechen haben ergeben, dass eine Institutionalisierung der Lehrer_innenausbildung für Kunsterziehung an der Akademie der bildenden Künste Wien nach dem Anschluss zunächst nicht vorgesehen war. 1938 betonten Reichserziehungsminister Bernhard Rust und die Mitglieder der Sitzung zur "Vereinheitlichung der Aufgaben der Kunstakademien in Grossdeutschland", die im Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin am 5. Dezember 1938 stattfand, dass keine besondere Ausbildung für Kunsterziehung einzurichten sei. Die Begründung hierfür lautete, dass "das künstlerische Niveau der Anstalt wegen der Zeichenlehreranwärter nicht leide[n]" solle. Am 28. Februar 1940 wurde jedoch, so geht es aus dem Universitätsarchiv der Akademie der bildenden Künste Wien hervor, in einer Sitzung des Professorenkollegiums die Vorbereitung der "Einrichtung eines Hochschulseminars für Kunsterziehung" besprochen.

Mit der Gründung der "Meisterschule für Kunsterziehung und Ausbildung der Kunsterzieher an höheren Schulen" 1941 unter dem Rektorat von Alexander Popp, illegaler Nationalsozialist seit 1935, wurde die Lehrer_innenausbildung an der Akademie unter der Leitung von August Ernst Mandelsloh, NSDAP-Mitglied seit 1932, auf den ideologischen Grundlagen des Nationalsozialismus aufgebaut. Philosophie und "Weltanschauung" wurden als verpflichtende Prüfungsgegenstände eingeführt.

Das Studium an der Meisterschule für Kunsterziehung umfasste das "künstlerische Pflichtfach" – "Malerei", "graphische Künste", "Zeichnen und Aquarellieren nach der Natur" – und "wissenschaftliche Pflichtfächer" – "allgemeine Geschichte", "deutsche Literaturgeschichte", "Methodik des Zeichenunterrichts", "Kunstgeschichte und Kunstbetrachtung". Im Seminar "Kunstbetrachtung" fand die von der Bibliothek abonnierte Zeitschrift "Die Kunst im Dritten Reich" – herausgegeben von Alfred Rosenberg im Parteiverlag der NSDAP für die "Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP" – Verwendung. Otto Reich, illegaler Nationalsozialist seit 1933, war als Bibliotheksdirektor der Akademie tätig. Durch das in der Ausstellung gezeigte, handschriftlich geführte Inventarverzeichnis lässt sich nachvollziehen, welche Bücher und Zeitschriften mit dem Erscheinungsjahr 1941 sich in der Bibliothek befinden. Die nationalsozialistische Formierung der Kunsterzieher_innenausbildung wird deutlich durch die Schriften Materialien im Universitätsarchiv der Akademie, die den institutionellen Alltag dokumentieren: "Personenstandesblätter", "Schülerlisten", "Lehrpläne", "Prüfungsordnungen", "Professoren_innenkollegiumssitzungen", "Haushaltspläne", "Meisterschulpreise" und "Werkstoffbeschaffungslisten".

Das Projekt Unheimliche Materialien. Gründungsmomente der Kunsterziehung leistet Beiträge zur Aufarbeitung der Ideologiegeschichte von Bildungsregimen zur Untersuchung der Standortpolitik in Wien während der NS- Zeit, die auf die Gründung von Bildungseinrichtungen setzte und Kunst(raub)politik betrieb.

Gestützt auf Recherchen der Historikerinnen Ina Markova, Rosemarie Burgstaller und Sophie Bitter-Smirnov haben die beiden Kuratorinnen, Elke Krasny und Barbara Mahlknecht, ein offenes Archiv für die Ausstellung entwickelt. Die Installation, die gemeinsam mit dem Ausstellungsgrafiker Alexander Schuh konzipiert wurde, situiert Archivmaterialien im Kontext des Jahres 1941 und setzt diese in Dialog mit zeitgenössischen künstlerischen Auseinandersetzungen.

Folgende Aktivist_innen und Künstler_innen, Anna Artaker, Ramesch Daha, Zsuzsi Flohr/Benjy Fox-Rosen/Eduard Freudmann/Eva Reinold/Luisa Ziaja, Lena Rosa Händle, Minna L. Henriksson, Hansel Sato, Sekretariat für Archivpolitiken, Geister und Lücken (Julia Wieger und Nina Höchtl) und Wer hat Angst vor dem Museum? (Imayna Caceres/Pêdra Costa/Verena Melgarejo Weinandt), viele von ihnen ehemalige Studierende oder heute an der Akademie der bildenden Künste Wien Lehrende, wurden eingeladen, themenbezogene Arbeiten zu zeigen oder Performances zu entwickeln. Diese künstlerischen Positionen artikulieren aktivistische Eingriffe in das Gedächtnis von Institutionen, nehmen Bezug auf Normierung und Disziplinierung von Körpern durch Erziehung und zeigen die frauenpolitische Verflechtung mit dem Nationalsozialismus. Einige der Arbeiten reflektieren aktuelle Veränderungen "multidirektionaler Erinnerung" (Michael Rothberg) sowie die Bedeutung von "migrantisch situiertem Wissen" (Ayse Gülec) für Geschichspolitiken.

Im Rahmen eines internationalen Symposiums werden am 20. und 21. April 2016 in Vorträgen und Gesprächen unter anderem die Zeithistoriker_innen Verena Pawlowsky und Dirk Rupnow, die Künstler_innen Zsuzsi Flohr/Benjy Fox-Rosen/Eduard Freudmann/Eva Reinold/Luisa Ziaja, die Kuratorin und Kunstvermittlerin Nora Sternfeld sowie die Psychoanalytikerin, Kulturkritikerin und Kuratorin Suely Rolnik Fragen des institutionellen Gedächtnisses, nationalsozialistischer Bildungspolitik, die Verbindung von Erinnerungspolitiken und künstlerischen Praxen sowie das Archiv und seine Materialien in kritischer historischer Forschung und Kunst erörtern. Am zweiten Tag des Symposiums finden Workshops mit der Arbeitsgruppe »Kunst, Pädagogik, Geschichte« (Gila Kolb, Barbara Mahlknecht, Anna Schürch, Bernadette Settele, Nora Sternfeld) statt, die sich einer kritischen Auseinandersetzung mit historischen Materialien und hegemonialen Traditionslinien der Kunsterziehung widmen.

Die Ausstellung wurde unterstützt durch den Zukunftsfonds der Republik Österreich. Das Symposium wird unterstützt durch MA 7 Kulturabteilung der Stadt Wien.


PROGRAMM: UNHEIMLICHE MATERIALIEN

Mi, 16.03.2016, 16.00 h, xhibit
A Look back into the Museum
Performance-Lecture mit Wer hat Angst vor dem Museum? (Imayna Caceres, Pêdra Costa und Verena Melgarejo Weinandt) (Englisch)

Di, 05.04.2016, 13.30 bis 17.30 h, xhibit
In heimgesuchten Archiven: (post)-nationalsozialistische Zeiten, dekoloniale Zukünfte

Sekretariat für Geister, Archivpolitiken und Lücken (Nina Höchtl und Julia Wieger)
Workshop (Englisch)

Mi, 20.04.2016, 9.30–21.00 h, Mehrzwecksaal (Atelierhaus)
Do, 21.04.2016, 10.00–16.00 h, Mehrzwecksaal (Atelierhaus)
Sa, 23.04.2016, 15.00-19.00 h, Aktsaal (Hauptgebäude)
Vom Archiv ausgehend. Institutionelle Geschichte(n), Regime der Bildung,
Künstlerische Praxen und Erinnerungspolitiken
Vorträge, Diskussionen und Workshops mit:
Tal Adler/Friedemann Derschmidt/Elisabeth Samsonow/Karin Schneider/Anna Szöke/Niko Wahl, Eva Blimlinger, Zsuzsi Flohr/Benjy Fox-Rosen/ Eduard Freudmann/Eva Reinold/Luisa Ziaja, Minna L. Henriksson, Gila Kolb, Elke Krasny, Martin Krenn, Barbara Mahlknecht, Verena Pawlowsky, Birgit Peter, Sabine Plakolm-Forsthuber, Suely Rolnik, Dirk Rupnow, Anna Schürch, Bernadette Settele, Nora Sternfeld

Di, 03.05.2016, 15.00 bis 17.30 h, xhibit
Die Lehrveranstaltung Kunst, Öffentlichkeit und Geschichtspolitik besucht die Ausstellung
Belinda Kazeem-Kaminiski (Deutsch)

Di, 10.05.2016, 17.00 h, Treffpunkt: xhibit
1941: Ein geschichtspolitischer Walk in Wien

Mit Studierenden der von Elke Krasny geleiteten Lehrveranstaltung Kunst und Öffentlichkeit (Deutsch)

Mi, 11.05.2016, 11.00 h, xhibit
The Missing Monument - Commemoration in Progress

Workshop im Kontext der Lehrveranstaltung Arts-based Research and Commemoration in
Progress
von Zsusi Flohr (Englisch)

Fr, 13.05.2016, 16.00 h, xhibit
Kuratorinnenführung
(Deutsch/Englisch)

Stand: 06.04.2016


Permalink