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Kunst und Trans-/Inter-Humane Kommunikation (Jahresthema 16|17)

Die Kunst nimmt in gegenwärtigen Debatten zum posthumanen Zeitalter intensiv Stellung. Wie baut sich aus der Perspektive der Kunst kulturelle Hegemonie ab, nicht nur in Bezug auf interkulturelle Bereiche, sondern auch in Blick auf transhumane oder posthumane Kommunikation? Welche subjektpolitischen und ökonomischen Konsequenzen haben zeitgenössische Bio- bzw. Informationstechnologien? Welche Mittel stehen der Kunst zur Verfügung, in diesem Feld aufzuzeigen, aber auch zu intervenieren und zu verändern? Wie reflektieren Kunst  und Architektur/Urbanismus diese Fragen? Wie reagiert zeitgenössisches künstlerisches Schaffen auf die Anthropozän-These (Paul Crutzen), welche den Menschen im 21. Jahrhundert als geologischen Faktor in den Fokus rückt?

ROAD*REGISTERS.
Aufzeichnungen mobiler Lebenswelten

Eröffnung: Do, 29.09.2016, 19.00 h
Ausstellung: 30.09.–06.11.2016
Lange Nacht der Museen 2016: Sa, 01.10.2016
Kuratoren: Michael Hieslmair & Michael Zinganel
Mit Beiträgen von: Gerd Arntz, Boris Despodow, Thomas Grabka, Martin Grabner, Michael Hieslmair, Kurt Hörbst, Helmut Kandl, Johanna Kandl, Emiliya Karaboeva, Mindaugas Kavaliauskas, Matthias Klos, Las Vegas Studio, Sonia Leimer, Vesselina Nikolaeva, Katarzyna Osiecka, Zara Pfeifer, Tarmo Pikner, Lisl Ponger und Tim Sharp, Maximilian Pramatarov, Ed Ruscha, SOMAT-Archiv, Allan Sekula und Noël Burch, Gabriele Sturm, Tanja Vukosavljevic, Ina Weber, Želimir Žilnik, Michael Zinganel
Eine Ausstellung im Rahmen des WWTF-Forschungsprojektes STOP AND GO. Nodes of Transformation and Transition.
http://stopandgo.weblog.mur.at/publication/roadregisters/

Straßenverkehrskorridore repräsentieren Monumente der Modernisierung von Staaten und Staatenverbänden, gleichzeitig jedoch auch Imaginationsarsenale, an denen sich eine Vielzahl an Träumen (und Alpträumen) festmachen lassen. Sie fungieren wie Magnete, die sowohl Dinge als auch Individuen anziehen, die sich auf ihnen bewegen, an ihnen anlagern und deren Erfahrungen und Erlebnisse in den Statistiken der Kontrollorgane, den News-Clips der Massenmedien, in den Alltags-Geschichten der Straßenbenutzer_innen und Anrainer_innen, in Forschungsberichten und künstlerischen Arbeiten verzeichnet werden.
Insbesondere an Knoten, an denen der Verkehrsfluss angehalten wird – wie Bus-Terminals, Logistik-Zentren, Autobahnraststätten, Märkten oder Grenz-Stationen – lassen sich sowohl die Kontroll-Strategien (supra-)staatlicher Institutionen und großer Unternehmen ablesen, als auch die Motive und Biographien der sie passierenden Akteur_innen. Dabei entsteht ein dynamischeres Modell von Urbanität aus vernetzen Archipelagos, die sich mitunter von Nicht-Orten zu intimen Ankern im Alltag ihrer multilokalen Existenz verwandeln.

Road Registers Mindaugas Kavaliauskas, Kaunas second-hand car market, 2008. Courtesy of the artist


Weiterleben | In anderen Worten über Leben?

Eröffnung: Do, 17.11.2016, 19.00 h (im Rahmen der Vienna Art Week)
Ausstellung: 18.11.2016–08.01.2017
Kurator_innen: Delal Isci und Thiago de Paula Souza
Künstler_innen: Thomas Ender, Em’kal Eyongakpa, Lorenz Helfer, Clara Ianni & Clara Ianni in Zusammenarbeit mit Débora Maria da Silva, Monira Al Qadiri, Juliana dos Santos u. a.

Das Ausstellungs- und Rechercheprojekt Weiterleben | In anderen Worten über Leben? erprobt in Anlehnung an Jacques Derridas Essay Überleben (engl. Living On: Borderlines) eine intertextuelle Übersetzung von geographisch scheinbar disparat gerandeten Narrativen zu Ereignissen nach dem Ende der lokalen Geschichtsschreibung/Zeitgeschichte. Landschaftsansichten aus Brasilien, Obermesopotamien, Österreich, Kuwait und der afrikanischen Diaspora veranschaulichen im semiotischen wie architektonischen Raum Strategien und Ökologiebewegungen der lokalen Bevölkerung, die über die liminale Aufhebung von Leben hinaus fortbesteht. Eine lang angekündigte Apokalypse, die nicht einzutreten vermag. Mit dem Anthropozän wurde ein Begriff für eine neue geochronologische Epoche geprägt, der einen Zeitabschnitt umfassen soll, in dem der Mensch zum wichtigsten Einflussfaktor auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse der Erde geworden ist. In drei Kapiteln nähert sich die Ausstellung aus der Sicht der kritischen (native, horizontal, anarchist) Anthropology diesem Themenfeld an, aktiviert afrofuturistische, feministische, literarische und medienarchäologische Bilder und betont die ökonomischen, sozialen und historischen Aspekte von Narrativen zum Ende der Welt. Wie leben Erfahrungen, Bilder und Menschen am Ende einer von ihnen als Ende der Zeit empfundenen Geschichte weiter? Gibt es außerhalb der kontrollierten Geschichtsschreibung Möglichkeiten des Ausdrucks, die es erlauben, auch außerhalb und über solche historischen Ereignisse hinaus zu bestehen? Die künstlerischen Positionen der Ausstellung behandeln Erinnerung an Genozid, Massaker und Entortung, sowie die damit einhergehende Ökonomisierung und Erfahrung von Landschaft/Natur. Mit Thomas Enders Aquarellen aus Brasilien, sowie indigener materieller Kultur als ästhetische Produktion und den dialogisch ins Gespräch gesetzten Arbeiten der Künstler_innen, werden historische Kontinuitäten zwischen Kolonialismus als Projekt der Moderne und dessen Fortführung im Zuge von Klima- und Umweltpolitik im Globalen Süden, im Sinne von Bruno Latours Konzept der Diplomacy, gezeigt.Weiter leben Gestaltung und © Martin Embacher


Abschlussarbeiten 16–17

im Rahmen des Rundgangs 2017
Ausstellung: 19.–22.01.2017


Pro(s)thesis & Posthuman Complicities

Eröffnung: Do, 09.03.2017, 19.00 h
Ausstellung: 10.03.–14.05.2017

Pro(s)thesis
Kuratorinnen: Berenice Pahl, Felicitas Thun-Hohenstein
Künstler_innen: Renate Bertelmann (AUT), Lisa Bufano (USA), Virginia Chihota (ZIM), Chitka (Anetta Mona Chisa & Lucia Tkacova) (CZE/SVK), Erik-a Fransson (SWE), Kerstin von Gabain (USA/AUT), Judith Hopf (GER), Rebecca Horn (GER), Anne Imhoff (GER), Birgit Jürgenssen (AUT), Mari Katayama (JPN), Brigitte Lang (AUT), Roberta Lima (BRA/AUT) Kumi Machida (JPN), Iris L. Moore (CAN), Nadine Rennert (GER), Barbis Ruder (AUT), Toni Schmale (AUT), Anne Schneider (AUT), Evelin Stermitz (AUT), Angela Su (HKG), Victoria Tremmel (AUT), Anna Vasof (GRC/AUT)

Posthuman Complicities
Kuratorinnen: Lisa Stuckey, Andrea Popelka
Künstler_innen: Viltė Bražiūnaitė, Joey Holder, Paul Maheke , Jennifer Mattes, The Otolith Group, M. NourbeSe Philip, Stefanie Schwarzwimmer, Tomas Sinkevičius, Wolfgang Tillmans

Unsere Gegenwart ist gekennzeichnet von einem Technologieversprechen, das versucht Körper und Natur zum Zweck der kapitalistischen Indienstnahme zu durchdringen. Mit Hilfe medientechnologischer Apparate potenzieren wir unsere Weltaneignung und werden dabei  zu Komplizen einer globalisierten Technogegenwart.
Die Ausstellung Pro(s)thesis zeigt den Besucher_innen künstlerische Praktiken, die unsere Mitbeteiligung an machtstrukturellen Ordnungen kritisch hinterfragen und konstruktiv umdeuten. Dabei kommt die Prothese als Metapher für den Körper in der Enhancementgesellschaft zwischen den Polen der Technologisierung des Humanen und der Humanisierung der Technologie zu Wort. Ein besonderer Fokus wird auf feministische künstlerische Arbeiten gerichtet, die mit Ironie und Humor Normierungsansprüchen des Herrschaftsdiskurses zuwider laufen. Individuell zum künstlerischen Artefakt wird die hochstilisierte Prothese so zum wirkungsvollen Zeichen von Selbst-Entwurf und Selbst-Ermächtigung.
In Kooperation mit der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien öffnet Pro(s)thesis einen Parcours, der die Betrachter_innen einlädt zwischen historischen und gegenwärtigen Körperbildern zu oszillieren.

Posthuman Complicities zeigt künstlerische Auseinandersetzungen mit dem Atlantik, der Tiefsee und der Fluidität. Der Ozean tritt als Ort der Gewalt sowie des Widerstandes hervor. Die künstlerischen Beiträge wenden die gegebene Sprache, Archive und visuelle Repräsentationen gegen sich selbst. Sie entziehen sich dem Zugriff, fragmentiert und dislozieren Wörter und Bilder, um so von der Geothschichtsschreibung hervorgerufene Leerstellen sichtbar zu machen.
Die Ausstellung behauptet, dass anti-diskriminatorisches Denken sowie damit einhergehende Poesie, Literatur, Musik sowie performative und visuelle Künste die vorherrschende Kategorie des Menschen radikal herausgefordert haben. Diese meist von Queer-Feminist_innen und People of Color entwickelten Ideen haben den Posthumanismus grundlegend vorbereitet und stehen darum im konzeptuellen Zentrum der Schau.
Diese Ansätze thematisieren die Komplizenschaft, complicity, an der ungleichen Verteilung von Mensch-Sein und an Geschichten des othering, die unsere Gegenwart heimsuchen. Nach diesem Verständnis hört Posthumanismus hier auf ein Denkmodell zu sein und wir zum modus operandi, zum Aktionsmodus, von innen heraus.

Abschlussarbeiten 16–17
Ausstellung: Mitte bis Ende Juni 2017

Stand: 23.01.2017


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