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aus: Doris Weißinger, Professor Gerda Matejka-Felden 1901 – 1984, Diplomarbeit am IBK, Mai 1995

 

Die Zulassung von Frauen zum Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien erfolgte im Studienjahr 1920/21 nach einem Diskussionsprozess, der einige Jahrzehnte dauerte. Zwischen der Zulassung zum Studium und der Bestellung der ersten Frau zur Professorin sollten wieder einige Jahrzehnte vergehen.

Gerda Matejka-Felden (1901–1984) war diese erste Frau. Sie stammte aus dem Elsass, studierte an der Kunstgewerbeschule Worpswede, dann an der Akademie der Graphischen Künste in Leipzig und kam 1924 nach Wien.

1932 heiratete sie in zweiter Ehe den überzeugten Linkskatholiken und Antifaschisten Viktor Matejka, der 1938 mit dem „Prominententransport“ nach Dachau gebracht wurde, von wo er 1944 entlassen wurde. Gerda Matejka-Felden selbst wurde mit einem Berufsverbot belegt. 1945, in der Zweiten Republik, wurde Viktor Matejka-Felden Stadtrat für Kultur und Volksbildung in Wien.(1)

Im selben Jahr erhielt Gerda Matejka-Felden einen auf zwei Semester befristeten Lehrauftrag an der (1941 mitten in der NS-Zeit begründeten) Meisterschule für Kunsterziehung (das heutige Institut für das künstlerische Lehramt IKL) an der Akademie der bildenden Künste Wien und übernahm 1946 deren Leitung.(2)

Gerda Matejka-Felden war, wie ihr Ehemann, der Volksbildung verbunden; sie gründete bereits vor dem Krieg die Fachgruppe Zeichnen und Malen im Volksheim Ottakring und, parallel zu ihrer Tätigkeit an der Meisterschule für Kunsterziehung an der Akademie der bildenden Künste Wien, 1945/46 den Verein „Künstlerische Volkshochschule“.

Schriftstück Einrichtung von Volkshochschulkursen an der Akademie der bildenden Künste Wien, Universitätsarchiv der Akademie der bildenden Künste Wien (UAAbKW) Verwaltungsakt (VA) KVHS Zl. 603 ex 1945 

Die Räume wurden von der Akademie zur Verfügung gestellt und befanden sich bis 1963 im Souterrain des Akademiegebäudes am Schillerplatz.(3) Eine wichtige Aufgabe der KVHS war es, jene Studierenden, denen die Prüfungskommission ein Studium an der Akademie verwehrt hatte, aufzunehmen. Matejka-Feldens Meisterschul-Studierende waren umgekehrt – ein neuer, sehr moderner und praxisorientierter Ansatz in der Lehrer_innenbildung – dazu angehalten, an der KVHS zu unterrichten, was, da dies unentgeltlich geschah, zu Unmut in der Studentenschaft führte.

Die KVHS stand in ihrem Ziel, Kunst und Kunstschaffen allgemein zugänglich zu machen und nicht mehr Angelegenheit der Eliten sein zu lassen, im Gegensatz zu den akademischen Ansprüchen. Die oben erwähnte Unterbringung im selben Gebäude bot darüber hinaus einiges Konfliktpotenzial – oft bezeichneten sich Schüler_innen der KVHS auch als Akademieabsolventen, wie sich aus an das Archiv gerichteten Anfragen schließen lässt.

Folder „Kommt zu uns zeichnen und malen“, Folder der Künstlerischen Volkshochschule, UAAbKW VA KVHS, Zl. 820 ex 1948 

Die Akademie war lange Zeit für die Ausbildung von Zeichenlehrern zuständig, so hatte bereits der Direktor der Kupferstecherschule Jakob Schmutzer Ende des 18. Jahrhunderts die Oberaufsicht über die sogenannten Normalschulen.(4) Das 19. und beginnende 20. Jahrhundert sah eine Zeit des Kompetenzengerangels auf dem Gebiet der Ausbildung von Kunsterziehern.(5)

Vor der Einrichtung des Lehrfachs Kunsterziehung/Bildnerische Erziehung war die Akademie für die Prüfung der Lehramtskandidaten und später (ab 1920/21) auch -kandidatinnen zuständig. Diese fand vor einer Kommission, bestehend u.a. aus Professoren der Akademie, statt. Die Akten dieser Prüfungskommission für das Lehramt des Freihandzeichnens an Mittelschulen in Wien bilden einen eigenen Bestand des Universitätsarchivs der Akademie der bildenden Künste Wien.

Der Begründung der Meisterschule für Kunsterziehung 1941 war die Festschreibung des „Kunsterzieherunterrichts“ im Statutenentwurf von 1940(6) vorangegangen. Leiter der Meisterschule („Fachmeisterschule“) wurde August Ernst Mandelsloh, dem bereits 1942 Christian Ludwig Martin nachfolgte.(7) Assistentin war von 1942 bis 1945 Margarete (Poch-)Kalous,(8) die spätere Leiterin der Gemäldegalerie.

Im Juli 1945 wurde in der Sitzung des Professorenkollegiums die Berufung Gerda Matejka-Feldens verhandelt:(9)

„Den einzigen Gegenstand der Sitzung betrifft die Ergänzung der Berufung der Frau Gerda Matejka-Felden an die Akademie. […]
Über die Modalitäten wurde unter der Voraussetzung der Zustimmung des akademischen Professoren-Kollegiums beraten, wie der Antrag gestellt werden müsste, um Aussicht auf schnelle Genehmigung zu erhalten. Dieser Vorschlag hätte ungefähr zu lauten:
1.) Zur künstlerischen Vorbereitung talentierter junger Maler für die Aufnahmsprüfung an der Akademie wird ein zweisemestriger Vorbereitungskurs an der Akademie eingerichtet.
2.) Für die Leitung des zeichnerischen und malerischen, zusätzlichen Unterrichtes an der Meisterschule für Kunsterziehung wird vorgesorgt.
3.) Für die Betreuung mit diesen unter 1 und 2 genannten Unterrichtsaufgaben soll Frau Gerda Matejka-Felden einen für das Sommersemester 1945 und für das Wintersemester 1945/46 befristeten Lehrauftrag bei lehramtlicher Vollbeschäftigung erhalten. […]“

Der Studienplan von 1946(10) zeigt, welche Schwerpunkte an der Meisterschule für Kunsterziehung unterrichtet wurden: beispielsweise Atelierzeichnen, Modellierübung sowie Kunstbetrachtung und handwerkliche Fächer wie Papparbeiten für männliche, Nadelarbeiten für weibliche Anwärter.

Schriftstück Studienplan von 1940, UAAbKW Lehramtsakten (LA) 2/Mappe I 

1947 wurde Gerda Matejka-Felden als erste Frau zur außerordentlichen Professorin ernannt, die ordentliche Professur erhielt sie 1967.(11)

Gerda Matejka-Felden selbst war eine durchaus polarisierende Persönlichkeit, die als linke Frau der konservativen männlichen Professorenschaft, die zudem mit einigen Entnazifizierungsprozessen beschäftigt war, gegenüberstand.(12) Ein Disziplinarverfahren, das, nachdem sich Vorwürfe gegen sie häuften, schließlich auf ihren eigenen Wunsch gegen sie angestrengt wurde, unterbrach von 1949 bis 1951 ihre Tätigkeit an der Meisterschule für Kunsterziehung. 1951 schließlich konnte sie wieder die Leitung der Meisterschule übernehmen.(13)

Einladungen zu Kongressen und die Teilnahme an Ausstellungen (Abb. 4) zeigen, dass Gerda Matejka-Felden auch international für ihr Wirken bekannt war. Im selben Jahr wie das Ordinariat bekam sie das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen.

4 Mitteilung an das Rektorat, Abwesenheit wegen einer Dienstreise nach Berlin, XI. Internationaler Kongress für Kunsterziehung UAAbKW VA Zl. 4940 ex 1962, im Personalakt 

Gerda Matejka-Felden lehrte an der Meisterschule für Kunsterziehung bis zu ihrer Emeritierung 1971, widmete sich danach ihrer Volksbildungstätigkeit und starb am 27. Dezember 1984. Sie erhielt ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof.(14)

Anmerkungen

(1) Biografie nach Karin Nusko, http://www.univie.ac.at/biografiA/daten/text/bio/matejka-felden.htm; http://www.dasrotewien.at/seite/matejka-viktor; Literatur zu Gerda Matejka-Felden: Doris Weißinger, Professor Gerda Matejka-Felden 1901–1984, Dipl.-arb. Wien 1995; Anna-Maria Karner, Kunstvermittlung in der Volksbildung respektive der Erwachsenenbildung in Wien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unter Gerda Matejka-Felden und Viktor Matejka im historisch sozialpädagogischen Kontext, Dipl.-arb. Wien 2006; Agnes Peschta, Das Disziplinarverfahren der Gerda Matejka-Felden, 1949–1951 Lücken in Nachlass und Archiv: Spurensuche, Diskursanalyse und geschichtsvermittelnder Walk, Dipl.-arb. Wien 2017.

(2) Universitätsarchiv der Akademie der bildenden Künste Wien (UAAbKW) VA Zl. 317 ex 1946, im Personalakt (PA).

(3) Über die hier (UAAbKW VA KVHS Zl. 603 ex 1945) erwähnten Volkshochschulkurse für „das Zeichnen und Malen von Kopf sowie von Akt, für Stilleben oder Landschaftsmalerei, für das Bühnenbild des Laienspieles und für Bildhauerei“ hinaus gab es auch Kinder- und Kosmetikkurse, Handarbeiten und sogar eine Mannequinschule. Diese Kurse wurden 1954 unterbunden.

(4) vgl. Walter Wagner, Geschichte der Akademie der bildenden Künste Wien, Wien 1967, S. 49.

(5) Nähere Ausführungen dazu in den einschlägigen Abschnitten bei Wagner, Geschichte, S. 478 (Stichwortindex).

(6) UAAbKW VA Zl. 581 ex VA 1940. Eintrittsbedingungen: Reifeprüfung einer höheren Schule und vier Semester einer allgemeinen oder Fachmeisterschule für Malerei oder graphische Künste an der Akademie; Studiendauer: zwei Semester; ebda., S. 9f.

(7) Wagner, Geschichte, S. 340. Vgl. Unheimliche Materialien. Ein Projekt der Lehrveranstaltung „Unheimliche Materialien. Geschichte (nicht) weitererzählen lernen“, Studierende der Akademie der bildenden Künste Wien unter der Leitung von Barbara Mahlknecht und Anna Pritz, Booklet zur gleichnamigen Ausstellung, Wien 2015. Hier auch zu den Verstrickungen von Professorenschaft und Rektorat mit dem NS-Regime.

(8) Wagner, Geschichte, S. 385.

(9) UAAbKW SProt 1945, Zl. 546, 16.7.1945.

(10) UAAbKW LA 2/Mappe I; unter den Lehrbeauftragten, vor allem im Bereich der „weiblichen Handarbeit und Nadelarbeit“, waren einige Frauen, Wagner, Geschichte, S. 397.

(11) Weißinger, Professor Gerda Matejka-Felden, S. 4.

(12) Näheres dazu und eine genaue Untersuchung des Disziplinarverfahrens bei Peschta, Disziplinarverfahren; dazu: Wer hat Angst vor Gerda Matejka-Felden, in: Wiener Zeitung, 18.9.2019, https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/chronik/wien/2029843-Wer-hat-Angst-vor-Gerda-Matejka-Felden.html, und das Radiofeature, https://cba.fro.at/424305; vgl. auch Weißinger, Professor Gerda Matejka-Felden.

(13) bis 1954; danach Professorin bis zur Emeritierung, Wagner, Geschichte, S. 390.

(14) Gräbersuche der Friedhöfe Wien, https://www.friedhoefewien.at/grabsuche_de, suchen nach Matejka, Zentralfriedhof.


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