Akademie der bildenden Künste Wien

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Dissertant_in: Iris Julia Gütler
Betreuer_in: Sabeth Buchmann, Elke Bippus
Studienrichtung: Dr. phil.
Schlagwörter: Sozialontologie, Choreografie, Ko-Autor_innenschaft, Organisationsstruktur

Abstract

Dieses Dissertationsprojekt untersucht, am Beispiel von Tanzperformances, exemplarische Entwürfe non-hierarchischer Formen künstlerischer Zusammenarbeit. Das zeitliche Raster der in Betracht kommenden Arbeiten umfasst die letzten 20 Jahre – eine Zeitspanne, die von neoliberalen Tendenzen geprägt war. Im Feld der Tanz- und Performancekunst war dies unter anderem durch verstärkte Gründungen von Ich-AGs[1] spürbar.

Der Philosoph Jean-Luc Nancy tritt dieser Entwicklung mit einer Sozialontologie entgegen, die „Sein“ als „Mit-Sein“ begreift: „Ich“ und „Wir“ werden miteinander verschränkt gedacht. Daraus resultiert ein neues Subjektkonzept, das Nancy mit dem Begriff „erste Person Plural“ fasst.[2]

Der Untersuchungsrahmen der Dissertation widmet sich zunächst der theoretischen Ebene: Sie betrifft vor allem die jeweilige Arbeitsstruktur, die unter Bezugnahme auf Nancys Modell als „singulär plurales Wir“ reflektiert wird. Die zweite­ Ebene basiert auf Interviews mit Beteiligten, die mittels qualitativer Netzwerkanalyse erfasst werden. Philosophische und soziologische Methoden aufeinander beziehend, sollen subjektivstische und objektivistische Perspektiven miteinander verschränkt werden.[3]

Diese Zugangsweise, so die Hypothese der Arbeit, erlaubt es, beide Ebenen – das „singulär plurale Ich“ der Interviews und das „singulär plurale Wir“ der Organisationsstruktur – im Sinne einer Praxistheorie zusammenzudenken. Die hieran anknüpfende Frage wird sein, welche Projekte den Anspruch eines gleichberechtigten Miteinanders erfüll(t)en, bzw. an welchen Punkten der Arbeitskette sich andere Dynamiken entwickel(te)n.

[1] Buchmann, Sabeth/van Eikels, Kai „Im Körper von Kuratierten: ›You should always have a product that’s not you‹“ in: Netzwerk Kunst & Arbeit (Hrsg.): „art works. Ästhetik des Postfordismus“, Berlin: 2015, S. 165-203.

[2] Nancy, Jean-Luc „Singulär plural sein“, übers. von Müller-Schöll, Ulrich, Zürich/Berlin: 2004.

[3] Nancys Sozialontologie, in unterschiedlichen Forschungsfeldern produktiv gemacht, siehe: Bippus, Elke/Huber, Jörg/Richter, Dorothee (Hrsg.) „Mit-Sein. Gemeinschaft – ontologische und politische Perspektivierungen“, Zürich: 2010.

Bio

Iris Julia*n Gütler ist mit ihrem, von der Wissenschafts- und Forschungsförderung der Stadt Wien (MA 7) geförderten, Dissertationsprojekt seit 2019 assoziiertes Mitglied der Forschungsgruppe „Mediale Teilhabe“. An der Schnittstelle von Kulturwissenschaft und Choreografie arbeitend, unterrichtete sie Zeitgenössischen Tanz an der Universität Wien, wo sie ihr Diplom im Fach Kunstgeschichte erhielt (2005), nach dem Studium war sie Assistenz der Dramaturgie und Intendanz am Tanzquartier Wien, erhielt Stipendien bei ImPulsTanz (Wien) und vom BKA (Bundeskanzleramt: Kultur), zudem hält sie Gastvorträge, etwa an der Universität für Angewandte Kunst (Wien).

 

Zur DFG-Forschungsgruppe „Mediale Teilhabe“:
Teilprojekt 5: „Teilhabende Kritik als transformierendes transversales Mit“:
https://mediaandparticipation.com/ueber/teilprojekt-5/

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