FWF-Projekt, Leitung: Elke Zobl (IKW)

Frauen haben immer schon eine wichtige Rolle in sozialen Bewegungen gespielt. Feministinnen haben die Wichtigkeit alternativer Medien schon lange erkannt, um Inhalte zu transportieren, die soziale Ordnung aufzubrechen und neue gesellschaftliche Prozesse anzutreiben. In den letzten zwei Jahrzehnten hat eine wachsende Zahl an Frauen die Werkzeuge der Medienproduktion in ihre Hände genommen; ein Phänomen, das von der Öffentlichkeit, der Forschung und manchmal sogar von der feministischen Bewegung großteils unbeachtet geblieben worden ist. In der Folge dieser Unsichtbarkeit wurden unabhängige (oder basis-demokratische 'grassroots') Medien von Frauen - speziell in Bezug auf Europa und gegenwärtige virtuelle Entwicklungen - nur kaum dokumentiert und erforscht.

Um dieser Lücke zu schließen und um Prozesse, Wirkungen, Potenziale und Limitationen weiblicher Medienproduktion im heutigen Europa zu untersuchen, fokusiert diese Studie auf unabhängig produzierte feministische Medien in gedruckten und digitalen Formaten. Aufbauend auf unsere bisherigen Studien über feministische Zines in dem deutschsprachigen Gebiet, England, Schweden und im internationalen Kontext, nehmen wir 'grassroots' Magazine, Blogs (Web-logs) und E-Zines (elektronische Magazine) als Objekte unserer Studie.

Die drei Hauptziele des Projektes sind:

1.) gegenwärtig produzierte, unabhängige feministische Medien in Europa zu dokumentieren und zu beschreiben um ein "Archiv der Zeitgeschichte" zu etablieren,

2.) die Inhalte und diskursiven Logiken feministischer Magazine, E-Zines und Blogs zu analysieren um so die Agenda und Techniken dieser zu evaluieren und

3.) die Bedeutung und Schwachstellen feministischer Medien als Produzentinnen neuer und hybrider Formen feministischer 'Communitas' zu fassen.

Archivdokumentation, Diskursanalyse und eine virtuelle Ethnographie mit Interviews werden uns mit den Materialien versorgen, um feministische Medienproduktion in Europa anhand "dichter Beschreibungen" (Geertz 1997) zu interpretieren und zu kontextualisieren. Der theoretische Hintergrund dieser Studie basiert auf Theorien des Third Wave Feminismus, Alternativer Medien, Cyberfeminismus, Poststrukturalismus und Sozialen Wandels.