Akademie der bildenden Künste Wien
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9.10.2021
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IKW

Ines Kleesattel
Dissertationsstipendiatin an der Akademie | Abschluss-Stipendium des Doktoratszentrums 2014|15

Abstract

Ausgehend von im Kunstfeld prominenten "Kritikalitäts"-Ansprüchen einerseits und Zeitdiagnosen, die das emanzipatorische Potential von Kritik und (ästhetischer) Autonomie mit Blick auf den Neoliberalismus verabschieden, andererseits, fragt mein Dissertationsprojekt: Wie verhalten sich künstlerische Ambiguität und Autonomie zu kritischer Positionierung und emanzipatorischer Veränderung?

Ich setze an bei einer vergleichenden Auseinandersetzung mit Jacques Rancière und Theodor W. Adorno. Jenseits der tradierten Frontstellungen von Autonomie oder Heteronomie sowie von Formalismus oder Inhaltismus verorten diese beiden Denker Kunstautonomie in einer inhärenten Beziehung zu (Gesellschafts-)Kritik und emanzipatorischer Utopie. Beide liefern - mit teils verwandten, teils konträren Argumenten - wertvolle Ansätze, mittels derer sich Kritikalität differenzieren und überprüfen, aber auch weitertreiben lässt. Indem ich die Potentiale und Grenzen von Rancières und Adornos Theorien herausarbeite, liefere ich einen wichtigen Beitrag hinsichtlich der Sackgassen aktueller Debatten um politische Kunstpraktiken sowie für die Verteidigung einer gesellschaftlichen Relevanz von Kunst. Darüber hinaus gebe ich "undisiziplinär" einschneidende Impulse für die Theoriebildung der philosophischen Ästhetik.

Komplementär zu meiner theoretischen Analyse stehen ausführliche Werkbetrachtungen einzelner künstlerischer Arbeiten aus dem Bereich "fiktionaler Dokumentation", die meine Forschungsfrage an konkretem Material untersuchen und die theoretischen Konzeptionen kontextspezifisch weiterdenken, aktualisieren und ergänzen. Dabei wird deutlich, dass Kunstkritik und Kunstvermittlung eine Schlüsselrolle spielen zwischen singulärem Kunstwerk und gesellschaftlichem Kontext.

In der Konfrontation von Rancières Ruf nach emanzipativer Betrachter_innen-Aktivierung und Adornos Insistieren auf die kritische Objektivität des Kunstwerk schlage ich schließlich eine Form der Kunstkritik vor, die sich als streitbare Stellungnahme zwischen konkretem Werk und gesellschaftlicher Welt versteht. Zugleich ist diese daran interessiert, demokratisierend und streitend Zugänge zu eröffnen zu einer radikalen, aber relationalen Autonomie, die sich nicht ohne Weiteres in neoliberale Verwertungslogiken fügt.


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