Akademie der bildenden Künste Wien
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IKW

Lisa Stuckey
Dissertationsstipendiatin an der Akademie der bildenden Künste Wien | Abschluss-Stipendium des Doktoratszentrums 2019|20

Abstract

In ihrer Dissertation setzt sich Lisa Stuckey kritisch mit der Verknüpfung von zeitgenössischer Kunst und Rechtsprechung auseinander. Ausgangspunkt ist die „Investigative Ästhetik“ (MACBA 2017) der in London basierten Forschungsagentur Forensic Architecture, die aktuelle ökologische Krisen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit untersucht und sie in den Ausstellungs- wie Gerichtssaal bringt. Eine umfassende kunst- und kulturwissenschaftliche Aufarbeitung dieser Untersuchungsästhetik lenkt den Blick auf die veränderte Rolle von Museen und Gerichten und macht einen transformierten Mediengebrauch sichtbar: Vom „artist-as-ethnographer“ (Foster 1995) und „artist-as-analyst“ (Carson 2007) zum „artist-as-detective” wechselnd, setzen Künstler_innen Techniken der Forensik und der Spionage ein. Das in Modellbildung, Architektursimulation, filmischer Montage, Videoanalyse, Rauminstallation und kartografischem Kreuzverhör entstehende prozessuale Produkt ist ein Beweis, der sowohl in rechtlichen wie ausstellungsbezogenen Kontexten distribuiert wird. Dennoch stellt die Agentur keinen Anspruch auf Kunst; Referenzsystem sind das Recht und seine medialen Bedingungen. Dieses Selbstverständnis wird einer „‚symptomatische[n]‘ Lektüre“ (Althusser 1972) unterzogen.

Gegliedert ist diese Dissertation – in der Begriffsarbeit, Werk-, Ausstellungs- und Diskursanalysen zum Einsatz kommen – in drei Schwerpunkte: Teil I, TAT_ORTE, untersucht die institutionellen und infrastrukturellen Bedingungen der zur Analyse stehenden investigativen Praxis unter kunst- und rechtskritischen Gesichtspunkten. Da eng mit dem Mediengebrauch zusammenhängend, widmet sich Teil II, ZUR SACHE!, (medien-)reflexiven Verfahren und den von ihnen ausgehenden Bedeutungsverschiebungen. Schließlich stellt Teil III, AN_KLAGE, daraus zu extrahierende Denkfiguren vor, die sich um Modi des Detektivischen und des Spionierens organisieren, um festzustellen, welche Register (Affekt, Körperlichkeit, Ich-Rede) aus den Investigationen ausgespart werden. Zudem wird in punktuellen Exkursen eine vergleichende Montage konkreter Fallstudien und Stratageme von Forensic Architecture mit zwei künstlerischen Positionen vorgenommen – der Filmemacherin Constanze Ruhm und der Poetin M. NourbeSe Philip.

Wieso es ausgerechnet ästhetische und poetische Verfahren sind, denen – im Sinne einer „response-ability“ (Haraway 2008) – eine radikale Befragung sozialer Gerechtigkeit überantwortet wird, nimmt diese Arbeit von unterschiedlichen Plateaus und in historischer Tiefe in den Blick. Den Problemhorizont, in dessen Rahmen die Fragestellung nach der Verschaltung von Kunst und Recht im Modus der kriminalistischen Forschung diskutiert wird, findet dieses Forschungsprojekt insbesondere in den medienphilosophischen Schriften zu Gericht und Tribunal von Cornelia Vismann, in den kunstphilosophischen Texten zu Installation und Ästhetisierung von Juliane Rebentisch, in den Ästhetikkonzeptionen von Gilbert Simondon zu „Transduktivität“ und „ästhetischer Intention“ sowie in Begriffsdifferenzierungen von Evidenz, Leak, Medienökologie, Simulation, Sophismus und Wirksamkeit.

Nachdem das Recht im 18. Jahrhundert zum „Modellfall für Wissenssysteme“ (Vismann/Weitin 2006) geworden ist, steht das heutige buchstäbliche auf-die-Probe-Stellen von Recht und Gesetz im Zusammenhang mit einer neuen Dimension der Aufdeckung, die an die Institutionskritik der 1990er Jahre anschließt und zu einem Funktionswandel der Kunst führt: Lisa Stuckey entwickelt dafür die Denkfigur „Law on Trial”

Kontakt

https://www.lisastuckey.net/


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