Akademie der bildenden Künste Wien

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IKW

Bernd Haberl
Dissertationsstipendiat an der Akademie der bildenden Künste Wien | Abschluss-Stipendium des Doktoratszentrums 2020|21

Abstract

Alexander Gottlieb Baumgartens Metaphysik markiert den Höhepunkt und gleichzeitig Endpunkt einer Tendenz im philosophischen Rationalismus, die Sinnlichkeit gegen die descartsche Skepsis als Quelle möglicher Erkenntnis aufzuwerten. Während Descartes in der Sinnlichkeit hauptsächlich eine Quelle für Täuschungen und Irrtümer sieht, betont schon Leibniz die epistemologische Relevanz der "undeutlichen Vorstellungen" und eröffnet damit einen Art innerrationalistischen Empirismus, den Baumgarten in seiner Metaphysik an die Spitze treibt. Die sinnlichen Vorstellungen bilden bei Baumgarten nicht nur das "Material" der Erkenntnis, sie sind an sich schon Erkenntnis. Sinnestäuschungen und Irrtümer sind für ihn lediglich falsche Schlüsse aus "wahren" Sinnesleistungen.

In diesem Punkt unterscheidet sich Baumgarten von der nachfolgenden erkenntniskritischen Philosophie, die sich im Gefolge Kants weigert, in den ästhetischen Vermögen überhaupt eine Erkenntnisquelle eigenen Rechts zu sehen. Die Frage ist, ob der philosophischen Epistemologie damit nicht etwas Wesentliches entgeht? Ein spezifisches Sensorium für das unhintergehbare Einmalige in der sinnlichen Erfahrung.

Aber lässt sich eine solche Epistemologie außerhalb des Rationalismus überhaupt konsistent denken? Ich werde zeigen, dass dies funktioniert, wenn man Baumgartens von ihm selbst sogenannte Ontologie als Modallogik im modernen Sinn liest, die an sich noch gar keine Existenzaussagen trifft.

Das hat methodische Konsequenzen: Denn was als wirklich – und nicht nur als möglich – erkannt wird, lässt sich im System Baumgartens nicht erschließen, das ästhetisch Erfahrbare kann nur durch Zeigen, Darstellen und Herstellen vermittelt werden. Im sinnlichen Erkennen verschwimmt die Wesensdifferenz zwischen Erleben und Handeln, Wahrnehmen und künstlerischem Tun. Eine der großen Stärken von Baumgartens Ästhetik liegt darin, hier gerade keine Wesensdifferenzen zu sehen.


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