FWF-Projekt, Leitung: O.Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Manfred Schreiner (INTK)

In den letzten 50 - 70 Jahren wurde ein enormes Angebot von neuen Materialien, insbesondere Pigmenten und Bindemitteln entwickelt, welche auch in der zeitgenössischen Kunst verwendet werden. Heute stehen uns hunderte von Farbmitteln - sowohl anorganischer als auch besonders organischer Natur - zur Verfügung, welche auch z. T. für den "Hausgebrauch" und weniger für die bildenden Kunst hergestellt werden. Dabei sind es gerade die filmbildenden transparenten Bindemittel, welche als Naturprodukte aber auch als synthetische organische Materialien eine große Vielfalt erzielt haben. Da aber jedes dieser synthetischen Materialien seine spezifischen optischen und auch chemischen Eigenschaften aufweist, ist es für den in der Kunst tätigen Naturwissenschafter oft schwierig, diese eindeutig zu identifizieren und deren Langzeitverhalten (Beständigkeit gegenüber Licht, Umweltschadstoffen, Verträglichkeit mit Pigmenten und Zusatzstoffen etc.) zu definieren oder im Zuge von restauratorischen oder konservatorischen Maßnahmen einzuschätzen.

In dem geplanten Projekt soll eine praxisorientierte Analysenprozedur für die Identifizierung von synthetischen Materialien in der zeitgenössischen Kunst entwickelt und eine Datenbank mit den repräsentativsten Verbindungen zusammengestellt werden. Dieses Verfahren soll dann zur Analyse von Proben aus zeitgenössischen Kunstobjekten sowie zur Identifizierung von Materialien früherer Restaurierungen an Kunstwerken eingesetzt werden. Das Probenmaterial wird uns von den Projektpartnern, dem Franz-West-Archiv, dem Museum für Moderne Kunst (MUMOK) Stiftung Ludwig, sowie dem Naturwissenschaftlichen Labor des Kunsthistorischen Museums in Wien als auch der Chinesischen Akademie der Denkmalpflege (CACH - Chinese Academy of Cultural Heritage) zur Verfügung gestellt. Ein weiteres Projektziel ist die Beschreibung des Alterungsverhaltens moderner synthetischer Materialien, insbesondere von Polymeren, welche als Bindemittel aber auch als Firnis- und Festigungsmaterialien in der Kunst sowie im Bereich der Denkmalpflege verwendet werden. Dazu werden selbst hergestellte Probeaufstriche aus den repräsentativsten Acryl-, Alkyd- und Polyvinylacetat-Emulsionen - vermischt mit den am häufigsten verwendeten Pigmenten - in einem Lichtalterungsschrank bei definierter UV-Strahlenbelastung im Zeitrafferverfahren gealtert und anschließend mit Hilfe der entwickelten Analysenprozedur untersucht.
Für die Materialanalyse stehen Geräte der Pyrolyse-Gaschromatography-Massenspektrometrie (Py/GC/MS), Infrarot (FTIR) und Raman Spektrometrie sowie die Farbmessung zur Verfügung, welche im Rahmen des Infrastruktur-3-Programms des BM.WF am Institut für Naturwissenschaften und Technologie in der Kunst der Akademie der bildenden Künste angeschafft werden konnten. Diese Analysen werden ergänzt durch rasterelektronen- und rasterkraft-mikroskopische Untersuchungen, welche am Institut für Chemische Technologie und Analytik der Technischen Universität Wien im Rahmen des Projektes zur Verfügung stehen.