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IBK
Datum | 16.03.2017 - 18.03.2017
Ort | Akademie der bildenden Künste Wien, Hauptgebäude, Schillerplatz 3, 1010 Wien, Aula, Top Kino, Rahlgasse 1, 1060 Wien

Vorführungen sowie Gastbeiträge über zensurierte Filme und Diskussionen.
Freier Eintritt an allen Tagen.

Veranstaltet vom Fachbereich Konzeptionelle Kunst (Post-Conceptual Art Practices): Marina Gržinić, Betül Küpeli, Cansu Berksan mit Tjaša Kancler, Songül Sönmez, Abidin Ertuğrul, Nathalie Borgers, Reha Refik Taşcı, Cana Bilir-Meier

Gäste: Nathalie Borgers (Wien), Sebestyén Kodolányi (Budapest), Gianfranco Pannone (Rom), belit sağ (Amsterdam /Türkei), Marika Schmiedt (Wien)

 

© Bojana Makavejev, 1969

 

Das Motiv der Zensur findet sich in allen filmischen Genres. Die Begründung liegt meistens in dem angeblichen „Schutz der Gesellschaft“, wobei eigentlich Grundrechte wie Meinungsfreiheit oder Pressefreiheit beeinträchtigt werden. Zensurierte Filme behandeln Thematiken, die Unterdrückung ausgesetzt sind und somit das kollektive Unbewusste der Gesellschaft und die ideologische Intention der Zensur-Instanz widerspiegeln. Diese Filme berühren eine bestimmte Ader im jeweiligen Land, wo ihnen die Begegnung mit den Menschen verboten wird. In manchen Fällen treffen die Filmemacher*innen selbst die Entscheidung für eine Autozensur, um an ein Publikum kommen zu können. Hinter jeder einzelnen Zensurgeschichte findet man politische, gesellschaftliche und persönliche Motive, die eine umfassende Studie und Diskussion wert sind.

Das Ziel der Filmtage ist es, den Filmen eine Stimme zu geben, die aus politischen Gründen zensuriert wurden. Das Programm der 3-tägigen Filmtage beinhaltet eine Auswahl von internationalen Filmen unterschiedlicher Genres. Anhand von Podiumsdiskussionen mit eingeladenen Filmemacher*innen und Aktivist*innen geben die Filmtage den Besucher*innen einen Einblick in verschiedene Facetten der Zensur. Eine Dokumentation und Sammlung der theoretischen Ansätze der Sprecher*innen soll nach dem Evbeent veröffentlicht werden.

PROGRAMM

Do, 16.03.2017
, Aula

16:00 h
Vernissage
Begrüßung: Andrea B. Braidt, Vizerektorin für Kunst und Forschung
Einführende Worte: Marina Gržinić, Professorin für Konzeptionelle Kunst
Präsentation des Projekts: Betül Seyma Küpeli

17:00 h
belit sağ, Ayhan und ich [Ayhan ve ben], 14.12 Min., NL/TR, 2016
(Türkisch mit englischen Untertiteln)
Ayhan Çarkın war in den 1990er Jahren aktiver Polizist in der kurdischen Region der Türkei. Er arbeitete bei Untergrundtruppen, die im Auftrag des Staates Angehörige der kurdischen Bevölkerung töteten. Das schlechte Gewissen plagte ihn jedoch, wodurch er begann davon zu erzählen. Das ursprüngliche Konzept für dieses Video wurde in der Türkei zensuriert. Das Video handelt von der Zensur, der es während seiner Entstehung ausgeliefert war sowie von Bildern der Gewalt.

Belit sag © belit sağ, 2016

17:30 h
Filmexpertenvortrag
Sebestyén Kodolányi, Tragweite und kritische Topologie von Zensur in Osteuropa
Der Vortrag versucht die Funktionsweisen von Zensur in osteuropäischen Ländern von der sozialistischen Modernisierung bis heute auszuloten. Er reflektiert die Anomalien künstlerischen Verhaltens und die Misinterpretation von Zensur sowie Selbstausbeutung und Selbstzensur. Der rechtliche Kontext von aggressiver Kontrolle über die Umverteilung von Subventionen am kulturellen Sektor ist in gegenwärtigen demokratischen Gesellschaften oft effektiver als die „guten alten“ Zensurmethoden. Der Vortrag wird begleitet von Filmausschnitten aus der DDR, Polen, der Ex-Tschechoslowakei, Ungarn und Ex-Jugoslawien. (in englischer Sprache)

19:00 h
Anschließend Talk  mit belit sağ und Sebestyén Kodolányi


Fr, 17.03.2017, Aula

12:00 h
SEMINAR 1
René Vautier, Afrique 50, 17 Min., FR, 1950
(Französisch mit englischen Untertiteln)
Alain Resnais, Nacht und Nebel [Nuit et Brouillard], 32 Min., FR, 1956
(Französisch mit englischen Untertiteln)
Talk über die Filme

14:00 h
SEMINAR 2
Gillo Pontecorvo, Die Schlacht von Algiers [La Bataille D'Alger], 121 Min., IT/Algerien, 1966
(Französisch mit englischen Untertiteln)
Talk über den Film mit Gianfranco Pannone

17:00 h
Sebestyén Kodolányi – Independent Theater Budapest, Lager [Tábor], 25 Min., HU, 2014‒16 (Ungarisch mit englischen Untertiteln)
Sozialarbeiter_innen verrichten heute Archivarbeit für die Digitalisierung des nationalen Erbes in einer korrumpierten Institution.
Anschließend Talk mit Sebestyén Kodolányi

Sebestyen © Sebestyén Kodolányi, 2014-16

18:00 h
Nathalie Borgers, Kronenzeitung: Tag für Tag ein Boulevardstück, 58 Min., AT/FR/BE, 2002
(Deutsch mit englischen Untertiteln)
Die filmische Dokumentation Kronenzeitung: Tag für Tag ein Boulevardstück der Belgierin Nathalie Borgers aus dem Jahr 2002 zeigt Hans Dichand (Gründer und Herausgeber der Kronen Zeitung) mit dem damaligen österreichischen Bundespräsidenten Thomas Klestil in der Wiener Hofburg beim gemeinsamen Kuchenessen – einem Gugelhupf. Danach führt Klestil Dichand stolz durch seine Arbeitsräume in der Hofburg. Dies wurde oft als Kniefall Klestils vor Dichand interpretiert und bestätigte nach Ansicht von Beobachter*innen den Machtstatus Dichands. Dichand selbst beschrieb seine Rolle, mit dem von ihm 1996 so betitelten Buch, als im Vorhof der Macht stehend und relativierte sie kokett. Diese Filmdokumentation wurde noch nie vom öffentlich-rechtlichen österreichischen Rundfunk gesendet – offiziell aufgrund journalistischer Defizite, da Borgers in einer kurzen Filmpassage unautorisiertes, offenbar nur durch Zufall aufgezeichnetes Tonmaterial der Hofburg-Visite verwendete.

Anschließend Talk mit Nathalie Borgers

Borges Nathalie Borgers, 2002. Foto © Deinhardstein, 2001


Sa, 18.03.2017, Top Kino

13:00 h
Brunch

14:00 h
Marika Schmiedt, Warum die Wunde offen bleibt, 80 Min., AT, 2016
Wie die Mechanismen der unbewussten und bewussten Verdrängung von historischen Ereignissen und ihres Gegenwartsbezugs funktionieren und immer noch greifen, erörtert Schmiedt in Gesprächen mit drei Interviewpartnerinnen, in denen die Diskriminierung von Roma, Sinti und Jenischen aus historischer, biografischer, psychoanalytischer und (sprach-)diskursiver Sicht verhandelt wird.
Anschließend Talk mit Marika Schmiedt

Marika Schmiedt © Marika Schmiedt, 2016

16:00 h
Gianfranco Pannone, Red Sonnenaufgang [Il Sol dell'avvenire], 77 Min., IT, 2008
(Italienisch mit englischen Untertiteln)
Reggio Emilia, Italien, 1969. Dreißig junge militante Kommunisten verlassen die kommunistische Partei und beschuldigen sie, die Ideale der Resistenza verraten zu haben. Gemeinsam mit anderen jungen Leuten aus anarchischen, sozialistischen und katholischen Kreisen gründen sie „The Apartment“, eine Kommune, die revolutionäre Träume verbreitet und aus der die gefährlichsten Terrorist*innen  der künftigen Roten Brigaden kommen werden. 2007 treffen sich fünf ehemalige militante Kommunisten der Roten Brigaden aus 1969 wieder in einem Restaurant. Dies ist der Beginn einer Erforschung der ideologischen und politischen Wurzeln eines linksextremen Terrorismus.

Anschließend Talk mit Gianfranco Pannone

Pannone © Gianfranco Pannone, 2008

18:00 h
Retten Sie ihr Leben -‒ Schützen Sie die Arbeiterklasse
Filmprogramm kuratiert von Sebestyén Kodolányi

Archaischer Torso [Archaikus torzó], Reg .:Dobai Péter, orig. Format: 35 mm, s/w, 31 Min., HU, 1971

Frisch verheiratete (Nachrichtenrolle) [Ifjú házasok (Híradó)], Reg.:Gödrös Frigyes –  Pintér György, orig. Format: 35 mm, s/w, 7 Min., HU, 1974

Frohe Arbeiterklasse [Vesela radna klasa], Reg .:Bojana Makavejev,  orig. Format: 35 mm, s/w, 13 Min., Jugoslawien, 1969

Zentaur [Kentaur], Reg .:Szentjóby Tamás, orig. Format: 35 mm, s/w, 37 Min., HU, 1975

Mäzen [Mecénások], Reg .:László Vitézy, orig. Format: 35 mm, s/w & F, 24 Min., HU, 1976

Anschließend Talk mit Sebestyén Kodolányi

Finissage

Gäste:

Nathalie Borgers, geboren in Brüssel, Belgien. B.A. in Journalismus. Danach Studium von Radio, Film und Fernsehen in San Francisco. Realisierung mehrerer kurzer Dokumentarfilme mit der Firma ATRIOM Productions als Regisseurin und Produzentin. Der Dokumentarfilm Truth Under Siege, gedreht 1994 während des Jugoslawien-Kriegs, wird ihr erster großer Erfolg und erhält zahlreiche internationale Auszeichnungen, wie den Special Jury Prize des San Francisco International Film Festivals.  Seit dann realisiert sie TV sowie Kino Dokumentarfilme, die in zahlreichen Festivals anerkannt wurden. Borgers arbeitet in Wien, Paris und Brüssel.
https://nathalieborgers.com/biography/

Sebestyén Kodolányi, Cineast, Kurator, Archivar und Filmprogrammgestalter, ehemaliger Archivdirektor des Béla Balázs Studio (BBS) in Budapest.

Gianfranco Pannone ist italienischer Film- und Fernsehregisseur. Nach dem Studium der Filmgeschichte und –kritik an der La Sapienza Universität in Rom studierte er Regie an der CSC (Nationale Filmsakademie). Zwischen 1990 und 1998 drehte und produzierte er mehrere Dokumentarfilme. Er unterrichtet Dokumentarfilmemachen am CSC –  dem experimentellen Zentrum für Kinematografie in Rom und Palermo und ist Studienkoordinator an der Universität Suor Orsola Benincasa in Neapel und leitet das Dokumentarfilmlabor an der Universität Dams in Rom.
https://en.wikipedia.org/wiki/Gianfranco_Pannone

belit sağ ist Videokünstlerin aus der Türkei und lebt in Amsterdam. Sie beendete kürzlich die Teilnahme im International Studio & Curatorial Program (ISCP) in New York. 2014‒2015 hatte sie eine Residency an der Rijksakademie van beeldende kunsten. In der Türkei studierte sie Mathematik sowie Kunst in den Niederlanden. Ihre Beschäftigung mit Video begann während der Beteiligung an Videoaktivist*innen- und Künstler*innengruppen in Ankara und Istanbul, wo sie Gruppen wie VideA, Karahaber und Videoccupy initiierte.
http://bit.contrast.org/?page_id=3106
https://vimeo.com/belit

Marika Schmiedt ist  Künstlerin und Aktivistin. In Oberösterreich geboren, beschäftigt sich die Künstlerin, selbst Romni, seit 1999 in ihrer Arbeit mit der Geschichte und Gegenwart der Verfolgung von Roma und Sinti.
https://marikaschmiedt.wordpress.com/


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