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IKA
Datum | 04.06.2018, 19.00 h
Ort | Akademie der bildenden Künste Wien, Atelierhaus, Lehargasse 6, 1060 Wien, Prospekthof

Antonio Negri, A Subject for Europe

Der Vortrag findet in italienischer Sprache statt und wird simultan ins Deutsche übersetzt.

Chair: Klaus Neundlinger

 

Antonio Negri
Foto: Judith Revel

 

2018 nimmt das Institut für Kunst und Architektur an der Akademie der bildenden Künste Wien die renommierte Otto-Wagner-Lecture wieder auf. Zu Gast ist als erster Redner der italienische Philosoph und Marxist Antonio Negri (1933). Als Protagonist der italienischen Potere Operaio und später, in der intensiven Auseinandersetzung mit dem französischen Poststrukturalismus besonders Michel Foucault, Gilles Deleuze und Felix Guattari, bedeutender Vertreter des Postoperaismus sowie Mitglied der Bewegung Demokratie in Europa 2025 wird er über Europas Krisen und Möglichkeiten sprechen. Antonio Negri lehrte an der Universität Padua, sowie an der Universität Paris VIII und an der Ecole Normale Supérieure. Bekannt ist er für seine zusammen mit Michael Hardt verfasste Trilogie Empire, Multitude und Commonwealth, die aktuell durch Assembly. Die neue demokratische Ordnung fortgesetzt wird. Das Buch stellt die Frage, wie heute kapitalismuskritische Ansätze neue Formen der Kollektivität ausprobieren.

Die wieder aufgenommene Otto-Wagner-Lecture wird Persönlichkeiten der Zeitgeschichte zu Wort kommen lassen, die sich zu einer großen Bandbreite von aktuellen Themen äußern, die nicht unmittelbar aus der Architektur selbst stammen müssen, diese aber beeinflussen.

Otto Wagner Lecture 

Otto Wagner war von 1894–1912 Professor an der Akademie und begründete dort eine bedeutende Schule, die die Formen und Ideen moderner Architektur vertrat. Über Wagners „Modernität“ und damit über die Frage, wie sein Werk in politische, philosophische und wissenschaftliche Entwicklungen der modernen Gesellschaft eingebunden war, wird gleichwohl immer noch gerungen. Je nach Standpunkt sieht man in ihm eine Schwellenfigur zwischen Tradition und Moderne, da er sich trotz der Begrüßung von neuen Materialien und einem sachlichen Stil weiterhin einer klassischen Formensprache verpflichtet fühlte. Einige halten ihn aber gerade wegen der klaren Aufteilung der architektonischen Elemente sowohl der Konstruktion als auch der Oberflächen für einen Pionier der Moderne, andere wiederum sehen in diesem „formalen Absolutismus“ den Ausdruck einer „humanistischen“ modernen Architektur, die in erster Linie die Werte und Normen der Bourgeoisie und der aufstrebenden Marktwirtschaft kodiert, aber noch nicht als Teil der Avantgarde des beginnenden 20. Jahrhunderts gelten kann.

Was durch diese kurze Skizze über das Werk eines Architekten an der Schwelle zum 20. Jahrhundert klar wird, dass trotz der von allen hervorgehobenen formalen Klarheit von Wagners Architektursprache eine eindeutige und konsensuale Lesart ausbleiben muss, weil moderne Architektur per definitionem in die gesellschaftspolitischen Umbrüche und Krisen eingebunden ist, die sie spiegelt oder sogar zu überwinden sucht. Jede Deutung muss deshalb zunächst den eigenen gesellschaftspolitischen Standpunkt oder – wie im Fall von Wagner – die eigene Definition von Moderne vorausschicken. Hinter dieses Erbe kann die Architektur, die Architekturtheorie und die Architekturgeschichte nicht mehr zurück.


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