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IKW
Datum | 15.12.2020, 17.00 h
Ort | Online/Zoom

Vortrag im Rahmen der Vorlesung Gender Studies II, Gender und Religion in der visuellen Kultur von Doris Guth.

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https://akbild-ac-at.zoom.us/j/91776282284

Meeting-ID: 917 7628 2284

Für Menschen, die nicht einer binären Trennung zwischen männlich und weiblich entsprechen, gab es in der islamischen Geschichte mindestens drei Klassifikationen, bei denen das Geschlecht nicht eindeutig bestimmt werden konnte: ‚Eunuchen‘ (khāṣī auf Arabisch), die in der islamischen Welt des Mittelalters auch das Grab des Propheten Muhammad und die heilige Moschee in Mekka bewachten, die mehrdeutige Kategorie der muḫannatūn (arabische Bezeichnung für weibliche Seelen in Männerkörpern), die sich im Laufe der islamischen Geschichte erheblich verändert hat, und die der Hijra, wie Transgender- oder intersexuelle Personen in Indien, Pakistan und Bangladesch oft bezeichnet werdenHinzukommen juristische Kategorien wie ḫuntā oder Hermaphroditen. Die Identitäten dieser sozialen Phänomene haben kein exaktes Gegenstück im modernen westlichen Verständnis von Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung und stellen eine Herausforderung für westliche Vorstellungen dar.

"Mein Vortrag gibt einen Überblick über die religiöse visuelle Kultur dieser Phänomene im Islam von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bemerkenswert ist auch, dass zahlreiche Sufi-Heilige und Derwische sich als Bräute Allahs bezeichnen, woraus sich Genderkonnotationen bei der symbolischen Heirat mit Allah ergeben. Ihr Gebrauch von oft paradoxen visuellen und textlichen Ausdrucksformen ermöglicht eine besondere Fluidität, Rezeptivität und Erfahrungsoffenheit. Viele Sufi-Orte auf dem indischen Subkontinent, insbesondere die Ajmer Sharif Dargāh in Rajasthan, Indien, sind bekannt dafür, dass sie unterschiedslos alle Pilger willkommen heißen. Daher kommen viele Hijras zu den alljährlichen ʿurs Feierlichkeiten des Sufi-Heiligen Khwājā Muʿīn al-Dīn Chishtī (gest. 1238), der von ihnen besonders verehrt wird. Meine ethnographische Feldforschung während des 808. ʿurs im Februar/März 2020 gibt einen Einblick in die Herausbildung einer Trans-Identität und mögliche Wege zur Akzeptanz geschlechtsspezifischer ‚Abweichungen‘ in diesem Kontext. Damit soll ein Überblick über das breite Spektrum des islamischen Denkens und der islamischen Praxis gegeben werden, der ein dynamisches Modell für die Einbeziehung von Geschlechter-Transgression in die muslimischen Tradition bietet."


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