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IKL
Symposium | 19.10.2017 - 20.10.2017
Ort | Institut für das künstlerische Lehramt, Karl-Schweighofer-Gasse 3, 1070 Wien

Das Symposium, organisiert vom Fachbereich Kunst- und Kulturpädagogik in Kooperation mit Karlheinz Valtl vom Zentrum für LehrerInnenbildung der Universität Wien, richtet sich u.a. an (Lehramts-)Studierende, Lehrer_innen, Kunstvermittler_innen, Sexualpädagog_innen, Künstler_innen und Universitätslehrende. Es dient als inhaltliche Auftaktveranstaltung des Sparkling Science-Projekts Imagining Desires, einem partizipativen wissenschaftlich-künstlerischen Forschungsprojekts zu Sexualität, visueller Kultur und Pädagogik: www.imaginingdesires.at

Die Räume des Instituts für das künstlerische Lehramt sind barrierefrei zugänglich.

 

Das Symposium widmet sich Fragen rund um Sexualität und visuelle Kultur aus kunst- und sexualpädagogischer Perspektive. Die zunehmende Medialisierung kindlicher und jugendlicher Alltagswelten gilt als eine unübersehbare Veränderungen der Lebensbedingungen junger Menschen. Kommunikations- und Informationstechnologien transformieren den Zugang und die Produktion von Wissen und Bildern über Sex sowie die Kommunikation rund um intime Beziehungen.

Welche Vorstellungen von sexuell aktiven Personen, von begehrenswerten Körpern, von intimen Beziehungen, lustvollem Sex und problematischen Verhaltensweisen sind in den Bilderwelten präsent, mit denen Kinder und Jugendliche konfrontiert sind? Was bedeutet die Präsenz dieser Bilderwelten für pädagogisches Handeln und emanzipatorisch orientierte Bildungsarbeit?

Programmübersicht

Donnerstag, 19.10.2017, 18.00 Uhr, Raum 3.06

Gastvortrag von Christin Sager
Vom ‚unschuldigen‘ zum ‚aufgeklärten‘ Kind? Kindliche Sexualität zwischen
(Ent-)Tabuisierung und Normierung

Im Fokus des Vortrags stehen deutschsprachige Sexualaufklärungsbücher anhand derer untersucht wird, wie sich Vorstellungen von kindlicher Sexualität, von Familien- und Geschlechternormen und von sexuellem Wissen in den letzten Jahrzehnten verändert haben. Sollte das Kind bis in die 1960er Jahre von allem ‚Sexuellen‘ ferngehalten werden, um seine ‚Unschuld‘ zu sichern, entdeckte die ‚68er‘-Bewegung mit Hilfe der Psychoanalyse das Kind als ‚sexuelles Subjekt‘. Seit etwa 15 Jahren ist eine Gegenbewegung zu verzeichnen, die das Kind erneut als eher ‚asexuelles‘ Wesen beschreibt. Der Vortrag zeichnet anhand der Aufklä­rungsbücher die Veränderungen der Diskurse nach und bezieht dabei sowohl die Text- als auch die Bildebenen mit ein.

Christin Sager hat Erziehungswissenschaft, Medienwissenschaft und Psychologie in Potsdam studiert und ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Erziehungswissenschaft an der Stiftung Unversität Hildesheim tätig. 2014 promovierte sie zum Thema „Das Ende der kindlichen Unschuld!? Zur Geschichte der bundesrepublikanischen Sexualaufklärung (1950-2010).“ Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Erziehungs- und Bildungstheorie, Kindheit und Jugend in der Moderne, Kinder- und Jugendsexualität und bildanalytische Forschungsmethoden.

Freitag, 20.10.2017

9.00–12.30 Uhr

Workshop 1, Raum 3.06

Katharina Debus
,Und dann fangt Ihr an, Euch für das andere Geschlecht zu interessieren…‘ – Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt in der Sexualpädagogik
Sexualpädagogik geht oft vom ‚Normalfall‘ Heterosexualität und Zweigeschlechtlichkeit aus, da in der Schule Vielfalt oft aus Angst vor Diskriminierung unsichtbar wird. Dadurch geraten die vielen Schüler_innen aus dem Blick, die anders leben; und auch der Normdruck auf alle Schüler_innen wächst. Nicht-diskriminierende Sexualpädagogik denkt Vielfalt als Querschnittsthema mit. Im Workshop wird ein Überblick über geschlechtliche und sexuelle Vielfalt und ihre Relevanz für Sexualpädagogik gegeben. Anschließend geht es um die Umsetzung in der Praxis, u.a. durch die Erprobung von Methoden und die Besprechung didaktischer Fragen.
 

Katharina Debus ist Projektleiterin, (Fort-)Bildnerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Dissens – Institut für Bildung und Forschung in Berlin (www.dissens.de). Ihre Arbeitsschwerpunkte bei Dissens und freiberuflich sind Sexualpädagogik, geschlechtliche und sexuelle Vielfalt, geschlechterreflektierte Pädagogik, Mädchenarbeit, Anti-Diskriminierungs-Pädagogik und Intersektionalität.

Workshop 2, Raum 2.11

Karlheinz Valtl
Sexualpädagogik und Achtsamkeit
Der Workshop befasst sich mit den Zusammenhängen von Sexualpädagogik und Pädagogik der Achtsamkeit. Diese beiden Bereichspädagogiken haben überraschende Überschnei­dungsbereiche, welche aber bisher noch nicht theoretisch analysiert wurden. Der Schwerpunkt des Workshops liegt neben der kritischen Betrachtung aktueller sexualpädagogischer Programme v.a. auf praktischen Übungen aus beiden Bereichen, die wir durchführen und reflektieren werden. Vielleicht gelingt es uns dabei, ein erstes Verständnis von „achtsamer Sexualpädagogik“ zu entwickeln.

Karlheinz Valtl ist Bildungswissenschaftler und lehrt am Zentrum für LehrerInnenbildung der Universität Wien. Er war am Institut für Sexualpädagogik in Dortmund tätig und hat zahlreiche sexualpädagogische Publikationen veröffentlicht. Gegenwärtig leitet er u.a. das Projekt Achtsamkeit und Mitgefühl an der Uni Wien sowie den 2018 beginnenden Masterstudiengang Achtsamkeit in Bildung, Beratung und Gesundheitswesen an der KPH Wien/Krems.

Workshop 3, Raum 3.12/3

Lilly Axster und Maria Dalhoff
Sexuelle Ausbeutung von Kindern thematisieren. Perspektiven der Präventionsarbeit auf Kunst und Ausstellungen

Der Workshop widmet sich aus der Perspektive der Präventionsarbeit Fragen des öffentlichen Zeigens von sexualisierten Kinderdarstellungen in Kunst-Ausstellungen. Personen, die Kinder sexuell ausbeuten (wollen), bedienen sich unterschiedlicher Strategien, um ihr Umfeld bzgl. sexueller Grenzverschiebungen und -verletzungen zu desensibilisieren und zu manipulieren. Der Workshop problematisiert die Reproduktion solcher Täter-Strategien im Feld ‚künstlerischer Freiheit’. Ziel des Workshops ist es, auf die Normalisierung sexualisierter Gewalt im Kontext von Kunst und Ausstellungen aufmerksam zu machen und Handlungsmöglichkeiten für die Kunstvermittlung auszuloten.

Lilly Axster hat Theaterwissenschaft und Frauenforschung in München und Wien studiert. Sie arbeitet seit 1995 als Mitarbeiterin im Verein Selbstlaut – gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Zudem ist sie freischaffende Autorin und Regisseurin und hat mit Christine Aebi das sexualpädagogische Kinderbuch „DAS machen? “ veröffentlicht.

Maria Dalhoff hat internationale Entwicklung studiert und arbeitet selbstständig als Mediatorin, Erwachsenenbildnerin, Sexualpädagogin und Trainerin für transformatorische Theatermethoden in Wien. Sie ist Mitarbeiterin im Verein Selbstlaut – gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen.

Workshop 4, Raum 3.12/1

Rafaela Siegenthaler und Timo Müller
Visuelle Un/Sichtbarkeiten in der Bildungsarbeit zu Safer Sex und Sexually Transmitted
Infections (STIs). Intersektionale Kritik und Strategien der Transformation
Der Workshop problematisiert die visuellen Repräsentationsformen in Diskursen zu Safer Sex und Sexually Transmitted Infections (STIs). Dabei wird eine intersektionale Perspektive verfolgt, die mögliche Strategien rassismuskritischer und queerfeministischer Zugänge in der Präventionsarbeit anbietet. Anhand von konkreten Beispielen aus Safer Sex und STIs-Informationsbroschüren soll ferner eine praxisnahe sowie auch selbstreflexive Auseinander­setzung mit der Thematik ermöglicht werden.

Rafaela Siegenthaler ist Kultur- und Sozialanthropologin und Sozialarbeiterin. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf dekolonialen-feministischen Theorien sowie anti-rassistischer Arbeit. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt imagining desires am Fachbereich Kunst- und Kulturpädagogik an der Akademie der bildenden Künste Wien.

Timo Müller studierte Kultur- und Sozialanthropologie in Wien und Berlin. Seit 2016 ist er bei dem aktivistischen Projekt LOVELAZERS (Berlin, Leipzig, Zürich) tätig, das über neue Safer-Sex Formen aufklären. Außerdem arbeitet er mit homosexuellen Männern im Berliner Strafvollzug sowie mit Menschen mit psychischer Erkrankung.

14.00–17.30 Uhr

Workshop 5, Raum 3.06

Katharina Debus
‚Und dann fangt Ihr an, Euch für das andere Geschlecht zu interessieren…‘ – Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt in der Sexualpädagogik
siehe oben

Workshop 6, Raum 2.11

Karlheinz Valtl
Sexualpädagogik und Achtsamkeit
siehe oben

Workshop 7, Raum 3.12/3

Christin Sager
Kinder- und Jugendsexualität: aktuelle Debatten und empirische Befunde

Insbesondere in medialen Diskursen wird seit 2010 eine ‚sexuelle Verwahrlosung‘ der Jugendlichen und eine angebliche ‚Frühsexualisierung‘ der Kinder prognostiziert, die die Sexualpädagogik vor neue Herausforderungen stellt. Ziel dieses Workshops ist es zum einen, diesen Diskursen nachzugehen, ihre Motive und Begründungen zu diskutieren und sie zum anderen mit aktuellen empirischen Befunden zur Sexualität von Kindern und Jugendlichen zu konfrontieren.

Eine Teilnahme beim Gastvortrag am 19.10. ist erwünscht, aber nicht Voraussetzung für die Teilnahme am Workshop.

Workshop 8, Raum 3.12/1

Karla Schmutzer
Körper_Zeichnen im Unterricht: Reflexionsanlässe und -werkzeuge für (Kunst-)pädagog_innen

Der Workshop geht von der Beobachtung aus, dass Schüler_innen ihr Anliegen, menschliche Körper ,richtig’ zeichnen zu können mit idealisierten Normvorstellungen von ,richtigen’ Körpern verbinden. Der Workshop geht der Frage nach, welche Strategien und Methoden Kunstpädagog_innen entwickeln oder nutzen, mit denen eigene Vorstellungen von ,richtig’ und ,falsch’ verschoben werden können – sowohl in Bezug auf das Zeichnen ebenso wie auf Körper.
Der Workshop bietet keine fertigen Konzepte an. Die Workshopteilnehmer_innen tauschen in unterschiedlichen Gruppenkonstellationen Erfahrungen und Ideen aus und erproben dabei unterschiedliche Formate sich mit eigenen Körperbildern und Zeichnung auseinanderzusetzen. Zur Teilnahme braucht es keinerlei zeichnerische Vorkenntnisse – Pädaog_innen aller Fachrichtungen sind herzlich eingeladen teilzunehmen.

Karla Schmutzer hat Bildnerische Erziehung und Werkerziehung an der Akademie der bildenden Künste Wien studiert. Sie unterrichtet Visual Arts in der Sekundarstufe II am Montessori Campus Wien West. Mit Möglichkeiten der Reflexion der eigenen kunstpädagogischen Unterrichtspraxis hat sie sich aus einer feministisch und postkolonial informierten Perspektive in ihrer Diplomarbeit sowie in mehreren wissenschaftlichen Artikeln befasst


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