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IKW

FWF | PEEK-Projekt
geleitet von Anette Baldauf, Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften

In Städten so verschieden wie Addis Abeba, Istanbul, Mexico City und Berlin bietet derzeit das Konzept „dispossession“ für Aktivist_innen, Wissenschaftler_innen und Künstler_innen eine zentrale Referenz in Hinblick auf die gewaltsame Aneignungen im Kontext von kolonialem Raub, korporativem Landgrabbing, vom Staat geleitete, großflächige Umsiedlung, urbaner Gentrifizierung, etc. Die Realitäten dieser Kämpfe bilden den Ausgangspunkt dieses Projektes – öffentliche Revolten, Aktivismus, aber auch informelle und ephemere Taktiken der Beanspruchung und epistemische Interventionen, die die Basis für subtile Formen der Herausforderung bilden.Das Projekt postuliert, dass eine kunst-basierte Forschung, die Wissen, Tun und Fühlen zu vereinen versucht, die Komplexität von „dis/possession“ erfassen kann, wobei letztere hier als Zustand der gewalttätigen Aneignung von Land, Körpern und Beziehungen ebenso wie als Ergebnis eines immer heiklen Prozesses der Unterwerfung im Kontext von Subjektivierung verstanden wird. Dabei findet das Projekt Inspiration in den Epistemologien des Südens, dekolonialisierenden Methodologien, und Black Aesthetics, welche die Bedingungen von „dis/possession“ ins 18. Jahrhundert auf die Zusammenführung von Sein und Haben zurückführen, die das selbst-beherrschte Subjekt an das notwendigerweise enteignete Objekt in den Kolonien knüpfte.

Mit dem Wissen um dieses Erbe untersucht das Projekt (1) die großflächige Umsiedlung, die aktuell über einen autoritären Entwicklungsdiskurs in Addis Abeba realisiert wird (Berhanu Ashagrie Deribew, visueller Künstler), (2) die Kämpfe der Frauen gegen Staatsgewalt und Zwangsenteignung in Mexico City (Naomi Rincon Gallardo, Performancekünstlerin), (3) Istanbul und dessen radikale Redimensionierung der urbanen Landschaft im Format des Melodramas (Ipek Hamzaoğlu, Multimediakünstlerin), (4) die Vorstellung von Land/schaft in den kolonialen Narrativen und deren Wiedererzählung im heutigen Berlin (Janine Jembere, Soundkünstlerin), (5) das Reenactment einer Kommune des frühen 20. Jahrhunderts im ländlichen Portugal (Sílvia das Fadas, Filmemacherin) und (6), die Gruppe selbst, in ihrer eigenen Verhandlung von dis/possession und dem Anspruch auf Eigentum und Individualität. In Hinblick auf seine Werkzeuge versucht das Projekt von der partizipatorischen Kunst zu lernen und experimentiert mit Methoden der postpartizipatorischen Ästhetik, die ein Zusammenkommen in fortwährender Reibung sucht. Mit Unterstützung von Anette Baldauf (Kulturtheoretikerin) und Epifania Amoo-Adare (Architektin und Bildungswissenschaftlerin) von C3, einem Institut, das sich in Accra, Ghana, mit „spatial literacy“ beschäftigt, wird das Forschungsteam auf Basis seiner Einsichten eine Toolbox für eine „Pedagogy of Land“ entwickeln. Diese Toolbox wird als eine kompakte, leicht zugängliche Sammlung von hands-on Material den Kampf gegen Dispossession unterstützen. Sie wird an die einzelnen Forschungsstätten reisen, im Zuge der Begegnungen kontinuierlich wachsen und letztlich den vom Projekt geleisteten Beitrag zur Zusammenführung von Wissen, Handeln und Tun bilden.


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