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IKR

FWF | PEEK-Projekt
Projektleiterin ]a[: Almut Schilling, Institut für Konservierung und Restaurierung

Der Großteil des heutigen Medienangebots, Audio wie Video, wird in digitaler Form produziert und gespeichert. Digitale Daten sind vom Mythos der verlustfreien Übertragung und Umwandlung umrankt, obwohl die tägliche Erfahrung beweist, dass Daten einem Verfallsprozess unterliegen, und sich letztendlich auf verschiedene Weise zersetzen. Dies betrifft die Physis von Speichermedien und Abspielgeräten wie auch Medienformate und Software im Kontext ihrer technologischen Infrastruktur. Das Projekt beschäftigt sich mit den Ursachen, Mechanismen und Effekten solcher Verfalls­erscheinungen, speziell im Kontext von digitalen Klängen.

Da Degradation prinzipiell nicht verhindert werden kann, ist es unser wesentlichstes Anliegen, der künstlerischen Praxis verborgene Freiheitsgrade im Umgang mit der Allgegenwart des Verderbens zu offenbaren.

Wie können derartige Phänomene innerhalb der Klangkunst verstanden, ausgelöst, reproduziert, gesteuert und genützt werden? Was sind die Mechanismen und Auswirkungen von Obsoleszenz in Hard- und Software? Wie kann man den Prozess des Verfalls in der digitalen Domäne modellieren und was sind seine Produkte und Überreste? Welches sind die Einflüsse der Umgebung und menschlicher Interaktion? Inwieweit sind künstlerische Werke Produkte ihrer Materialquellen oder ihrer Verfallserscheinungen?

Zu Beginn des Projekts werden wir zunächst die Grundlagen und Mechanismen des Datenverfalls erforschen, und fünf thematische Workshops organisieren, um Ideen und Konzepte zu erarbeiten. Wir werden einen grundlegenden Baukasten für digitales Audio entwickeln, der uns als Basis für Experimente an Verfallserscheinungen jeglicher Art dient, betreffend Datenträger, elektronische Schaltkreise, algorithmischer Logik und Sprache, sowie in Bezug auf Ästhetik und Bedeutung in Form musikalischer Inhalte. Ausgewählte experimentelle Prototypen werden als künstlerische Werke ausgearbeitet und der Öffentlichkeit in Form von Performances und Installationen über lange Zeiträume oder in herausfordernden Umgebungen ausgesetzt. Schriftliche Publikationen und ein Symposium werden über die Konzepte, Ergebnisse und Nachwirkungen des Projekts reflektieren.

Wir sehen unser Vorhaben als Leuchtturmprojekt, welches die Aufmerksamkeit gegenüber größtenteils unerforschten Eigenschaften von digitalem Klang als einer Hauptkomponente zeitgenössischer Kunst und weit verbreiteter Technologie verstärkt. Wir hoffen, das generelle Bewusstsein die Materialität, Fragilität und sozio-ökonomischer Kontextualität digitaler Daten betreffend zu heben, indem wir diese Themen in der breiteren künstlerischen und wissenschaftlichen Öffentlichkeit diskutieren und verbreiten. Unser Zugang ist im Grunde invers zu typischen technologischen oder wissenschaftlichen Methoden: Anstatt nach Wegen zur Überwindung eines allgemein so verstandenen Defekts zu suchen, schlagen wir vor diesen Defekt anzuerkennen und einfließen zu lassen, sodass sich sein potentieller Schaden zu einem Nutzen wandelt.

Für Kurzbiographien der beteiligten Forscher_innen siehe Projektseite in Englisch.


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