Skip to content. Skip to navigation.
IKW

Berenice Pahl
Dissertationsstipendiatin an der Akademie der bildenden Künste Wien | Abschluss-Stipendium des Doktoratszentrums 2018|19

Abstract:

Mit Adriana Cavareros Dekonstruktion des Mythos der Thrakischen Magd und ihres Lachens und Mercilee Jenkins Definition eines Humors „der ausgleichenden Gerechtigkeit“ untersuche ich, inwiefern Humor in queer-feministischer, bildender Kunst zum Tragen kommt. Dieser als „typisch weiblich“ verortete Humor entspricht in einigen wesentlichen Punkten einer von mir propagierten Form von Humor, den ich im Zuge dieser Arbeit herausarbeite und Horizontiven Humor nenne. Das Hauptmerkmal dieser Art von Humor ist die kreative Produktion einer Komik, die selbstreflexiv die eigenen Schwächen und Widersprüche ins Visier nimmt, die Perspektivität der subjektiven Position herausfiltert, herkömmliche Dichotomien und vertikale Machtverhältnisse bloßlegt und ein nicht-aggressives, aber transgressives Gelächter hervorruft. Diese Form von Komik kann – so meine Arbeitshypothese – solidarische Gemeinschaften bilden, subversive Handlungsmacht stärken und das schwache Subjekt stärken. Entgegen der feministischen Annahme, dass lediglich ein den Gegner entblößender, aggressiver und erniedrigender Humor Erfolg verspricht, propagiere ich diesen inklusiven und affirmativen Humor als strategisches Mittel einzusetzen.

Dieser Annahme folgend setze ich mich mit verschiedenen Theorien zu Humor, Komik und Lachen im Hinblick auf ihren normativen und strategischen Charakter auseinander. Anhand von und in Abgrenzung zu diesen Theorien arbeite ich das Konzept eines von mir als „horizontiver Humor“ bezeichneten Möglichkeit der Komikerzeugung heraus. Dazu werden diese Theorien mit philosophischen und feministischen Positionen konfrontiert und ergänzt, um sie schließlich mit soziologischen Humortheorien zusammenzuführen – im Hinblick auf ihr Potenzial, soziopolitische Veränderungen herbeiführen zu können. Ich entwickle also eine Definition nicht-aggressiven Humors und dessen mögliche Qualitätsmerkmale, bevor ich mich der Analyse, dem Gebrauch und dem Nutzen dieses Humors im Grenzbereich zwischen Kunst, Leben und feministischem Aktivismus widme.

Im zweiten Teil meiner Arbeit untersuche ich das Werk von Künstler*innen, deren feministische Anliegen aus dem eigenen Leben und Erleben, das heißt aus konkreten Diskriminierungen und Marginalisierungen entspringen. Diese Künstler*innen arbeiten im Bereich der Performancekunst und nutzen Humor als Strategie, um auf feministische Anliegen aufmerksam zu machen. Ziel meiner Forschung ist es herauszufinden, unter welchen Voraussetzungen diese Künstler*innen Komik produzieren, welche Art von Humor sie benutzen, wie sie diesen einsetzen, welche Formen von Komik und Lachen dabei entstehen und ob ihre Arbeiten erfolgreich mit feministischen Bewegungen in Verbindung gebracht werden können. Schließlich überprüfe ich, ob diese Forschungsergebnisse mit meiner Annahme, dass Horizontiver Humor für feministische Zwecke effektiv nutzbar ist, übereinstimmen.

CV:

Berenice Pahl, in München geboren, studierte in Wien Schauspiel, Regie, bildende Kunst und künstlerisches Lehramt an der Akademie der bildenden Kunst Wien. Nach etlichen Jahren als freischaffende Schauspielerin und Regisseurin gründete sie 2004 mit Peter Hirsch die Künstler*innengemeinschaft FREIGEHEGE. 2017/18 ging sie mit dem Marietta-Blau Stipendium nach New York, wo sie ihrer künstlerisch-wissenschaftlichen Forschung nachging. Sie arbeitet als Autorin, Lehrende, Kuratorin und als freischaffende Künstlerin mit Fokus auf Performance-Art in transdisziplinären Feldern.

Kontakt:
Berenice@freigehege.at
http://berenicepahl.blogspot.com/


Permalink