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IKW

WWTF-Projekt am Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften
Michael Zinganel und Michael Hieslmair

 
Foto: Carolin Hirschfeld
 

Wenn sich immer mehr Menschen genötigt sehen immer mehr Zeit ihres Lebens unterwegs zu verbringen, dann kommt den Knotenpunkten, Hubs und Terminals entlang ihrer meistfrequentierten Routen immer größere Bedeutung zu. Denn dort wo der Verkehrsfluss anhält oder angehalten wird startet mitunter auch der Austausch zwischen vereinzelten mobilen Akteuren. Diese Knotenpunkte repräsentieren daher keineswegs nur Nicht-Orte par excellence, ihr Charakter kann sich in intime Räume emotionaler Erfahrung, in Knotenpunkte der Kommunikation oder in Zonen des Handels verwandeln. Sie stellen sich daher als polyrhythmische räumliche Ensembles sozialer Begegnung dar, die sich temporär verdichten und entleeren, entsprechend den täglichen, wöchentlichen oder saisonalen Rhythmen der Verkehrsflüsse die wiederum auf übergeordnete politische und ökonomische Ereignisse reagieren. Wenn wir Henry Lefebvre's These folgen, dass Urbanität nicht über Dichte definiert werden sollte, sondern über das Maß an Differenz das an spezifischen Orten performativ ausverhandelt wird, dann stellen diese Knoten paradigmatisch neue Formen der Urbanität und des öffentlichen Raumes dar, an denen die Routen, Routinen und Rituale der mobilen Akteure, politische Veränderungen und urbane Transformationen, und ihre Abhängigkeit voneinander besonders gut beobachtet werden können.

StopGo2   Foto: Hieslmair I Zinganel  

Dieses Projekt untersucht Knoten transnationaler Mobilität und Migration entlang der bedeutendsten transeuropäischen Verkehrskorridore in dem geographischen Dreieck zwischen Vienna (AT), Rouse (BG) und Tallinn (EST). Ein großer Lieferwagen bzw. Auto-Anhänger dient dabei als mobiles Labor und Display, über das künstlerische Artefakte, Comics und Karten zur Schau gestellt werden, Repräsentationen voran gegangener Forschungen, die als Inspiration für episodische Interviews vor Ort dienen. Die so generierten Wissensformen der Akteure on route werden später in großformatige Installationen übersetzt und an eben diesen Orten (und in nahegelegenen Kunstinstitutionen) ausgestellt werden. Das Zeil des Projektes ist es, eine anwachsende miteinander vernetzte Kartographie von Routen und Hubs zu erstellen, an denen sowohl makro-politische Entwicklungen in dem untersuchten Wirtschaftsraum als auch die mikropolitischen individuellen Erfahrungen der mobilen Akteure reflektiert werden, sowie die Auswirkung beider auf die Transformation des Urbanen an den untersuchten Knoten.