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IKA

FWF | PEEK-Projekt
geleitet von Wolfgang Tschapeller, Institut für Kunst und Architektur

Die Geschichte der Architektur, so der Ausgangspunkt dieses Projekts, ist eine Geschichte der Wechselwirkung zwischen menschlicher Figur und Raum und nicht nur eine Geschichte von Gebäuden. Vom Vitruvianischen Menschen (22 B.C.) zu Le Corbusiers Modulor (1948) bis Marcos Novaks Liquid Architecture (1991) haben Architekten diese Verknüpfung als Anlass und Maß genommen, um sowohl Figur als auch Raum neu zu verhandeln. So wie in den Naturwissenschaften der Raum traditionell als träge Kraft aufgefasst wurde, hat auch die Architektur Raum als passive, vom Menschen unbeeinflusste Einheit wiedergegeben. In Anbetracht der aktuellen wissenschaftlichen Re-Konzeptualisierungen (Barad, 2007) und dem Bedürfnis, den sich rasant wandelnden, digital aktivierten Lebensraum zu begreifen, verweisen Philosophen (Massumi, 2002; Sloterdijk, 2009), Architekturtheoretiker (Teyssot, 2004; Kwinter, 2013) und Künstler (Graham, 1979; Gabriel, 1993; Pomassl, 2002; Atlas, 2013; Mitchell, 2014) auf die überholte Betrachtung des Raums als passive und träge Größe. Nun liegt es an der Architektur und den Künsten, das dynamische Verhältnis zwischen menschlicher Aktion und Raum unter den Bedingungen des digitalen Zeitalters als gegenseitige Wechselwirkung neu zu formulieren. Gleichzeitig evozieren aktuelle Entwicklungen in interaktiver Technologie und künstlicher Intelligenz völlig neue Arten der Raumproduktion.

Doch fehlt bis heute eine grundlegende architektonische Auseinandersetzung und Forschung darüber, inwiefern diese Theorien und Technologien eine reziproke Interaktion und sinnstiftende Beschäftigung mit solchen digital aktivierten Räumen ermöglichen könnten. Zeitgenössische architektonische Umsetzungen repräsentieren diese, auch wenn digital entworfen, immer noch als passive Einheit, in deren Geometrie der Körper eingeschrieben wird. Das vorliegende Projekt soll zeigen, dass diese beschränkte Auffassung durch eine neuartige Verknüpfung von künstlerischer und technologischer Forschung überwunden werden kann und der architektonische Raum sich somit aktuellen wissenschaftlichen wie philosophischen Neudefinitionen öffnen und annähern kann. Dabei werden besonders Möglichkeiten einer dialogischen interaktiven Ästhetik (Barker, 2012) basierend auf gegenseitig interagierenden Handlungen von Menschen und digitalen Charakteren innerhalb immersiver Visualisierungssysteme (Scheer, 2011) untersucht. Dialogische interaktive Ästhetik erlaubt Besuchern und intelligenten digitalen Figuren miteinander in Austausch zu treten, sodass sie den Raum aktiv verändern. Immersive Visualisierungssysteme lösen den Besucher aus seiner passiven Rolle des Zusehers und ermöglichen eine dynamische Einbindung in den Raum. Auf diese Weise kann Raum künstlerisch erforscht und  durch die wechselseitige Interaktion zwischen Mensch und digital Agierendem neu formuliert und verhandelt werden.

Diese neuartige dynamische Verknüpfung zwischen Mensch und digitaler Figur ist der Ausgangspunkt für die Erforschung eines aktualisierten, erweiterten Raumbegriffs, intra-space. Dieser wird durch "intra-aktion" aktiv kreiert und durch den Prozess der Interaktion dynamisch modifiziert. Durch das Zusammenschließen dieser zwei Systeme soll das Projekt eine experimentelle Neubetrachtung und Neuformulierung von architektonischem Raum ermöglichen.

 


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