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Brasilia, Caixa Cultural, 22.10.07 - 02.12.07
Rio de Janeiro, Caixa Cultural, 12.12.07 – 20.01.08

Die Ausstellung wurde vom Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste in Kooperation mit der Österreichischen Botschaft in Brasilien und der Caixa Economica Federal veranstaltet. Die Anregung dazu kam vom brasilianischen Außenminister Celso Amorim anlässlich des Staatsbesuches von Präsident Luiz Inázio da Silva in Österreich im Mai 2006.

Kuratorin: Monika Knofler

 
Musik auf der Fregatte Austria, Inv. 13349
Alle Abbildungen © Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien
 

Thomas Ender (1793 - 1875)

Das Leben des Thomas Enders gleicht einer modernen Erfolgsgeschichte. In ärmlichen Verhältnissen als Sohn eines Altwarenhändlers in Wien geboren, wurde er schon mit 13 Jahren gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder an der k.k. Akademie der bildenden Künste aufgenommen. Schon bald konnte er dort die wichtigsten Preise und ein Reisestipendium erreichen. Das 1816 mit dem "Großen Hofpreis" ausgezeichnete Bild wurde vom damaligen Kurator der Akademie, dem Staatskanzler Fürst Metternich angekauft, der von da an sein Förderer war. Dieser war es auch, der Ender als Teilnehmer an der Brasilien Expedition vorschlug und auch später den Ankauf der Aquarelle für die Akademie betrieb.

Thomas Ender schuf in 18 Monaten insgesamt 763 Zeichnungen und Aquarelle. Die für das Kaiserhaus bestimmten 763 Stücke befinden sich heute im Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien, das für seinen Förderer Metternich gemacht Album, eine "Miniaturausgabe" der wichtigsten Brasilien-Aquarelle, befindet sich seit 1937 in der Nationalbibliothek in Rio de Janeiro.

Nach der Rückkehr aus Brasilien häuften sich die Aufträge des Hofes. 1829 wurde Ender Kammermaler des Bruders von Kaiser Franz I., Erzherzog Johann, mit dem er 1837 eine Reise auf die Krim unternahm. 1836 wurde er Professor für Landschaftsmalerei an der Akademie, wo er bis 1850 lehrte.

Die Brasilianische Expedition

© BildunterschriftWirtshaus 1 1/2 Meilen von S. José nach Thaubaté, Inv. 13.282 

Anlässlich der Hochzeit der Tochter des Österreichischen Kaisers Franz I., Erzherzogin Leopoldine mit dem portugiesischen Thronfolger Dom Pedro, 1817, wurde eine begleitende naturwissenschaftliche Expedition ausgerichtet, um exotische Pflanzen, Tiere, Mineralien und ethnographische Gegenstände für die kaiserlichen Gärten und Sammlungen nach Wien zu bringen.

Unter der wissenschaftliche Leitung von Dr. Johann Christian Mikan und dem Zoologen und Ethnographen Johann Natterer nahmen folgende Personen teil: der Botaniker Heinrich Wilhelm Schott, der Präparator Dominik Sochor, Dr. Johann Emanuel Pohl zuständig für Botanik und Mineralogie, der Kustos des Naturalienkabinetts Josef Schücht, der Mineraloge und Lehrer Erzherzogin Leopoldines Rochus Schüch und die Maler Johann Buchberger, Thomas Ender, G.K. Frick und Franz Frühbeck. Als ausländische Forscher schlossen sich Giuseppe Raddi auf Wunsch des Großherzogs der Toskana und Johannes von Spix und Carl Friedrich Martius aus Bayern an.

Der Referent der k.k. Botschafts Expedition nach Brasilien, Carl Ritter von Schreiber, erstellte eine genaue Dienstvorschrift. Somit unterstanden alle Teilnehmer direkt dem österreichischen Botschafter, Graf von Elz, welchem sie ihre Reisepläne vorlegen mussten. Zudem wurden genaue Tagebuchaufzeichnungen verlangt, in denen sie auf alle Handelsartikel wie Edelhölzer, Tiere und Pflanzen aufmerksam machen sollten, die in Europa akklimatisiert werden können.

Die Reise

Am 28. März 1817 verlies Thomas Ender Wien in Richtung Triest, wo er am 7. April ankam und bereits drei Tage später auf der österreichischen Fregatte "Austria" in See stach. Gemeinsam mit der Fregatte "Augusta" bildeten sie die mit einem Teil des Botschaftspersonals, der umfangreichen Ausstattung, aber auch mit dem größeren Teil der österreichischen und bayrischen Expeditionsteilnehmer die Vorhut. Erzherzogin Leopoldine und ihr Gefolge trat erst am 12. August 1817 an Bord der beiden portugiesischen Linienschiffe "Dom João VI" und "S.Sebastião" in Livorno die Reise nach Brasilien an.

Die Reise der "Austria" ging zuerst nach Malta und Gibraltar, wo sie vor schweren Stürmen Schutz suchen mussten. Hier besorgte sich Ender neue englische Papiere, Aquarellfarben und Pinseln und unter dem Einfluss des südlichen Lichtes entwickelte sich sein Aquarellstil zu der späteren meisterhaften Leichtigkeit. Madeira war der letzter Landaufenthalt vor der vom Wetter begünstigten Fahrt über den Atlantik. Nach 92 Reisetagen erreichte die österreichische Fregatte "Austria" am 14. Juli 1817 Rio de Janeiro und die Guanabara-Bucht.

Rio de Janeiro und die Umgebung

13846   Panorama der Stadt Rio de Janeiro, Inv. 13.846  


Bis zur Ankunft der anderen Schiffe mussten Mikan, Spix, Martius und Ender mehrere Monate auf die Ankunft der anderen Forscher und insbesondere auf die Erzherzogin Leopoldine warten. Diese Zeit nützte Ender, der fasziniert von dieser für ihn neuen Welt war, um vor allem die wichtigsten Plätze in Rio, deren Strassen und Häuser, die erst 1750 vollendete Wasserleitung und die Vielfalt der Nationalitäten der Bewohner zu zeichnen.

13201   Ansicht des Klosters Sa. Teresa und der Wasserleitung von Matta Cavallo, Inv. 13.201  

Bei der Entdeckung der Umgebung wurden sie vom russischen Gesandte in Brasilien, Georg Heinrich Freiherr von Langsdorff, begleitet. Mit ihm bestiegen sie mehrere Male den Corcovado, besuchten den französischen Künstler Nicolas Antoine Taunay (1755-1830), der mit dem Aufbau einer Akademie in Rio de Janeiro beauftragt war, in seinem Haus beim Wasserfall "Cascantinha Taunay" im Wald von Floresta da Tijuca und das Landgut Langsdorffs, die Fazenda da Mandioca in der Serra da Estrela. Hier konnte er sich auch von seinen schweren Fieberanfällen im Februar 1818 erholen. Nach der Ankunft und Hochzeit von Erzherzogin Leopoldine und Dom Pedro schilderte Ender deren Fahrt im zweirädrigen Cabriolet in die königliche Sommerresidenz "Quinta Real de Boa Vista" in São Cristóvão. Weitere Zeichnungen schildern die Gegend bei Catete, im Tal von Laranjeiras, in Catumbi und in der Bucht von Botafogo.

Reise nach Sao Paulo

13694   Bayrischen Naturforscher auf dem Weg nach St. Paul, Inv. 13.694  

Die eigentliche naturwissenschaftliche Expedition in das Innere Brasiliens konnte erst nach den Hochzeitsfeierlichkeiten begonnen werden. Im Dezember 1817 schloss sich Thomas Ender einer Reise der österreichischen Botschaftsbeamten an und begleitete diese von Rio de Janeiro nach São Paulo. Auch die bayrischen Wissenschaftler Johann Baptist von Spix und Carl Friedrich Martius nahmen an dieser Reise teil. Die Reise begann am 9. Dezember in Rio de Janeiro, doch erst nach 22 Tagen, am 31. Dezember, kam man in São Paulo an. Die Reise führte über Santa Cruz, Itaguai, São João Marcos, Bananal, Areias und entlang dem Rio Paraíba über Cachoeira, Lorena, Taubaté, São José dos Campos und Magi das Cruzes nach São Paulo.

13311   Ansicht von Sao Paulo von der Strasse von Rio de Janeiro, Inv. 13.311.  

Enders kehrte Ende Januar 1818 wieder nach Rio de Janeiro zurück, wo er neuerlich schwer erkrankte. Am 1. Juni trat er deshalb gemeinsam mit Professor Mikan, dessen Frau, Giuseppe Raddi und dem verletzten Johann Buchberger seine vorzeitige Rückreise nach Österreich an.

Minas Gerais und Goiás

13826   Serra das Figuras, Inv. 13.826  

Thomas Ender war selbst nie in Minas Geraisoder in Goiás. Die hier entstandenen Blätter wurden von dem Naturforscher Dr. Johann Emanuel Pohl mit Hilfe einer Wollastonschen Camera, auch Camera Lucida genannt, angefertigt. Diese wurde von dem englischen Physiker William Hyde Wollaston (1766-1828) zum Abzeichnen von Gegenständen erfunden. Durch ein System von Prismen und Spiegeln wird der Gegenstand auf der Zeichenebene sichtbar und kann in seinen Konturen leicht nachgezeichnet werden. Die so entstandenen Skizzen wurden von Pohl in einfacher Weise mit Wasserfarben ausgemalt und dann in Wien von Thomas Ender ergänzt und korrigiert. Einzelne dieser Skizzen wurden dann als Illustrationen für Johann Emanuel Pohls Buch "Reise im Innern von Brasilien", Wien 1832, ausgewählt. Als Vorlagen für die Kupferstiche von Johann Passini und Joseph Axmann für Pohls Reisewerk stellte Ender jedoch eigene Arbeiten mit reicher Staffage an Personen und Pflanzen zur Verfügung.

Die Bezahlung der Aquarelle

Einen Einblick in die Zahlungsgepflogenheiten des Kaiserhauses gibt uns die Bezahlung von Ender. Ursprünglich wurden ihm 2000 fl. pro Jahr zugesagt, dies hätte für die gesamte Reise von insgesamt 18 Monaten einen Betrag von 3000 fl. bedeutet. 1000 fl. soll Ender in Rio erhalten haben, doch den Rest blieb ihm sein Auftraggeber, Kaiser Franz I., bis zu dessen Tod schuldig. In der Zwischenzeit wurde Ender 1829 Kammermaler im Dienste des Erzherzogs Johann, 1836 Professor der Landschaftsklasse an der Akademie und einer der bekanntesten Landschaftsmaler.

Im Zusammenhang mit der Auflösung des Brasilianischen Kabinetts 1836 übernahm wiederum Metternich die Initiative, indem er anordnete die "brasilianischen Zeichnungen- und Malereyen durch Kunstverständige zu besichtigen und zu bewerten." Bis zu diesem Zeitpunkt - 19 Jahre nach seiner Rückkehr aus Brasilien - hat Ender von dem ihm zugesagten Honorar von 3000 Gulden, welches kurz nach Abschluss des Studium einen ansehnlichen Betrag darstellte, lediglich einen Vorschuss von 1000 Gulden bei seiner Ankunft in Rio de Janeiro erhalten. Der Rest wurde ihm jedoch nie ausbezahlt. In der Zwischenzeit wurde Ender 1829 Kammermaler im Dienste des Erzherzogs Johann, 1836 Professor der Landschaftsklasse an der Akademie und einer der bekanntesten Landschaftsmaler, wodurch auch der Wert seiner Werke enorm gestiegen war.

Das Ankaufskomitee setzte sich aus den Akademie-Professoren Peter Krafft, Anton Petter, Joseph Mössmer und Ferdinand Georg Waldmüller zusammen. Ender verfasste selbst den Katalog mit der für ihn typischen bescheidenen Klassifizierungen: sehr fleißig, sehr fertig, wenig ausgeführt und flüchtig und den daneben angeführten Preisen: 20, 15, 18 und 3 fl. pro Blatt. Dabei handelt es sich die bezauberndsten Landschaftsschilderungen mit vor Hitze schwirrenden Hintergrund, kühn hingeschmissenen Skizzen von einer teilweise unwahrscheinlichen Modernität und Augenblicksaufnahmen der verschiedenartigen Bevölkerung, von Pflanzen und Objekten.