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]a[ Kupferstichkabinett
Eröffnung | 07.11.2017, 19.00 h
Ausstellungsdauer | 08.11.2017 - 18.02.2018
Ort | Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien zu Gast im Theatermuseum, Lobkowitzplatz 2, 1010 Wien

Zum 200jährigen Jubiläum der österreichischen Brasilien-Expedition zeigt das Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien Thomas Enders Aquarelle von seiner Schiffsreise nach Rio de Janeiro.

 

Thomas Ender (Wien 1793 – 1875 ebda.)
Die Schiffsbande während der Fahrt am Ocean. Fregatte Austria, 1817
Bleistift und Aquarell, Aufschrift mit Eisengallustinte, auf Papier
© Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien

 

Den Anlass für diese Unternehmung bildete die Vermählung von Erzherzogin Leopoldine, einer Tochter von Kaiser Franz I., mit dem portugiesischen Kronprinzen Dom Pedro, dem späteren Kaiser von Brasilien. Fürst Metternich organisierte daher auf Wunsch des Kaisers eine Expedition mit 13 Naturwissenschaftlern und dem 23jährigen Thomas Ender als Landschaftsmaler. Seinen ersten offiziellen Auftrag als Künstler erfüllte Ender äußerst gewissenhaft. Er fertigte während der beinahe eineinhalb Jahre dauernden Reise mehr als 1000 Zeichnungen an, von denen sich 782 Blätter im Kupferstichkabinett befinden.

2 Thomas Ender (Wien 1793–1875 ebda.)
Triest von der Landseite. gezeichnet [sic] über der Wasserleitung auf dem Hundsberge, 1817
Bleistift und Aquarell, Aufschrift mit Eisengallustinte, auf Papier
© Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien
 

Die Jubiläumsausstellung legt erstmals den Fokus auf einen Teilaspekt der Brasilien-Expedition, nämlich auf die Zeichnungen von der 97tägigen Überfahrt nach Brasilien. Am 28. März 1817 brach Ender von Wien nach Triest auf, wo er sich 12 Tage später gemeinsam mit anderen Expeditionsteilnehmern auf den Fregatten Austria und Augusta einschiffte. Die folgende Überfahrt über Pula, die dalmatinische Küste, Korfu, Malta, Spaniens Südküste, Gibraltar und Madeira nach Rio de Janeiro, wo die Reisegesellschaft am 14. Juli 1817 eintraf, hielt Ender in 130 Zeichnungen fest. Das Spektrum reicht dabei von Küstenpanoramen über Darstellungen des Lebens an Bord der Schiffe bis hin zu Ansichten von Städten und deren Umgebung, die bei meist wetterbedingten Landgängen besucht wurden. Dabei nutzte Ender jede Gelegenheit seine Fertigkeiten zu erproben. Zunehmend gelang es ihm dabei die Atmosphäre, das Licht und seine wesentlichsten Eindrücke in oftmals rasch angefertigten Zeichnungen einzufangen.

3 Thomas Ender (Wien 1793 – 1875 ebda.)
Gibraltar von Norden, 1817
Bleistift und Aquarell, Ränderung mit Tusche, auf Papier
© Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien
 

Während Enders Brasilien-Ansichten allgemeine Anerkennung genießen, wurden die Zeichnungen der dreimonatigen Schiffspassage mehr als Studien oder Übungsblätter des jungen Künstlers eingestuft. Doch waren es gerade diese Blätter, in denen Ender die für die Brasilien-Ansichten so typischen Merkmale erarbeitete. Sie belegen nicht nur die physische Überfahrt nach Südamerika, sondern gleichsam auch die künstlerische Entwicklung des Akademieschülers hin zum routinierten, sich seiner Stilmittel sicheren Landschaftsmaler. Die Ausstellung bietet die Möglichkeit, die vor 200 Jahren stattgefundene Überfahrt von Triest nach Rio de Janeiro anhand von äußerst stimmungsvollen Aquarellen nachzuvollziehen.


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