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Eröffnung: Dienstag, 06.05.2003, 19.00 h
Zur Ausstellung spricht: Stephan Schmidt-Wulffen, Rektor der Akademie der bildenden Künste Wien
Ausstellungsdauer: 07.05. - 18.05.2003
Öffnungszeiten: täglich 11.00 - 18.00 h
Eintritt frei
Ausstellungsräume der Akademie der bildenden Künste Wien, Schillerplatz 3, 1010 Wien

Das Drei-Schluchten-Staudammprojekt ist wohl Chinas ambitioniertestes Bauprojekt seit der Großen Mauer. Der Lauf des Jangtsekiang soll in der Nähe von Itschang um 600 Kilometer bis Tschungking zurück gestaut werden, und das Kraftwerk soll Chinas bevölkerungsreichste Provinz Szetschuan und die Millionenmetropolen am Jangtsekiang bis nach Schanghai mit Strom versorgen. Etwa 2 Millionen Menschen müssen dem Wasser weichen, 17 Städte werden geflutet.

Das Bauprojekt umfaßt somit nicht nur die gigantische Staumauer, sondern erstreckt sich auf eine ganze Region, in der Städte, Straßen und Brücken mitsamt der notwendigen modernen Infrastruktur (Flughäfen, Spitäler, Schulen, etc.) neu errichtet werden müssen. Am Jangtsekiang soll somit als Prestigeprojekt der Volksrepublik China eine wirtschaftlich starke Region mit Freihandelszonen entstehen.

© Markus Krottendorfer   © Markus Krottendorfer  

Bei der Arbeit an der Photoserie, die sich weniger auf die Großbaustelle des Staudamms als auf die am Reißbrett geplanten neuen Siedlungen und auf die Städte und Stadtviertel konzentriert, die abgerissen werden sollen, bereiste Markus Krottendorfer den Jangtsekiang stromabwärts von Tschungking bis Schanghai. Auf insgesamt etwa 50 großformatigen Schwarz-weiß- und Farbphotographien macht er die planerische und soziopolitische Ambivalenz des Drei-Schluchten-Staudamms sichtbar.

Im Zentrum der Arbeiten steht die Dokumentation der gigantischen Ausmaße des Staudammprojekts. Fragen der Symbolhaftigkeit von Architektur im Rahmen nationaler Repräsentanz und eines geplanten rasanten wirtschaftlichen Aufschwungs werden auf den Photographien genauso thematisiert wie der Aufeinanderprall einer Mixtur westlicher Baustile und einer zugunsten einer "sozialistischen Marktwirtschaft" der Zerstörung preisgegebenen chinesischen Tradition.

Markus Krottendorfer
geboren 1976 in Wien | 1997-1998 Schule für künstlerische Photographie Wien | seit 1998 Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Prof. Eva Schlegel | lebt und arbeitet in Wien.

© Felix Friedmann|Markus Krottendorfer   Markus Krottendorfer
© Felix Friedmann
 

Ausstellungen und Ausstellungsteilnahmen (Auswahl)
1998 subatomar, Projektraum WUK, Wien | 1999 Galerie Charim-Klocker Wien | 2000 99/00, Jahresausstellung der Akademie der bildenden Künste Wien (Kuratoren: Kasper König, Martin Fritz) | Museum moderner Kunst Castello di Rivoli, Turin | 2001 dichroscopic gloss, Klassenausstellung, Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste Wien | Galerie Zovno, Belgrad | 2002 Galerie Veriste, Belgrad | endlich 26, Galerie Westlicht, Wien | facing 1, Stadtgalerie Wels (Kuratorin Karin Handlbauer) | 2003 Galerie 422, Gmunden

Programm in den Ausstellungsräumen

Podiumsdiskussion
Dienstag, 13.05.2003, 19.00 h
Der Drei-Schluchten-Staudamm - Schattenseiten eines Jahrhundertprojekts
Mit Christian Seethaler (Architekt, Mascha & Seethaler), Richard Trappl (Ao.Univ.Prof. am Institut für Ostasienwissenschaften der Universität Wien, Abtlg. Sinologie), Helmut Markus Knoflacher (Ökologe, Austrian Research Centers)
Moderation: Helmut Opletal (ORF)

Im Rahmen der Ausstellung "Das Drei Schluchten-Projekt. Photographien von Markus Krottendorfer", die sich in erster Linie mit den architektonischen Aspekten von Abriß und Neubau im Kontext des Drei-Schluchten-Staudamms beschäftigt, werden die kulturhistorischen, ökologischen und städteplanerischen Hintergründe des Jahrhundertprojekts diskutiert. Die ökologischen Konsequenzen für die gesamte Region sind unabsehbar, das Ausmaß der Zerstörung traditioneller Wohn- und Lebensstrukturen zugunsten einer "sozialistischen Marktwirtschaft" nach westlichem Stilvorbild kann derzeit kaum ermessen werden. Ein Expertenpodium versucht, sich differenziert den "Schattenseiten" und unterschiedlichen Aspekten dieses tief in die Realität Chinas eingreifenden Projekts zu nähern.

Markus Knoflacher
Bauingenieur (HTL) und Studium der Biologe (Ökologie) an der Universität Wien | Planung und Bewertung von Infrastrukturprojekten, einschließlich von Wasserkraftanlagen zur Energiegewinnung in der Privatwirtschaft und in Forschungseinrichtungen | Arbeitsschwerpunkte: Systemanalyse der Interaktionen zwischen physischen und psychischen Systemen, integrierte Bewertung von Programmen und Projekten, Entwicklung von Strategien zur nachhaltigen Entwicklung | Markus Knoflacher arbeitet derzeit an einem EU-Forschungsprojekt zu Aspekten der nachhaltigen Entwicklung im ländlichen Raum Chinas.

Helmut Opletal
ORF-Journalist und Chinawissenschafter | Studium (Publizistik, Politikwissenschaft, Chinesisch) an den Universitäten Wien und Peking, Promotion | In den 80er Jahren China-Korrespondent mehrerer deutschsprachiger Zeitungen | Seither regelmäßig Reportagen aus China und Südostasien für den ORF und andere Medien.

Christian Seethaler
1978-1984 Studium der Architektur an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien | 1984 Gründung von 6B Architekten | 1987-1989 Postgraduales Studium an der Cornell University, N.Y. | 1995 6B wird zu Mascha & Seethaler | 1997-2002 Assistent am Institut für Städtebau der Akademie der bildenden Künste Wien | Lehr- und Vortragstätigkeit in Österreich, Amerika, China, Deutschland und Island.

Richard Trappl
Studium der Germanistik und Sinologie an der Universität Wien, Promotion 1978 | Seit 1979 am Institut für Ostasienwissenschaft, Abteilung Sinologie, der Universität Wien | Forschungsschwerpunkte: Chinesische Literaturgeschichte, chinesische Literaturtheorie, Übersetzungs- und Rezeptionstheorie, Terminologie- und Quellenforschung zu Ökologie und Nachhaltigkeit (sustainability) in China | Inhaltliche Betreuung des China Forums des Clubs der Universität Wien.

© Markus Krottendorfer   © Markus Krottendorfer