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Eröffnung: 11.09.2003, 19.00 h
Begrüßung: I.E. Patricia Espinosa Cantellano, Botschafterin von Mexiko, und Stephan Schmidt-Wulffen, Rektor der Akademie der bildenden Künste Wien
Ausstellung: 12.09. - 08.10.2003
Öffnungszeiten: täglich 11.00 - 18.00 h
Ausstellungsräume der Akademie der bildenden Künste Wien, Schillerplatz 3, 1010 Wien

José Guadalupe Posada, 1851 in Aguascalientes, Mexiko geboren ist geistiger Mentor der mexikanischen Kunstszene nach der Revolution (z. B. von Diego Rivera, José Clemente Orozco und David Alfaro Siqueiros) und beeinflußt bis heute die mexikanische Kultur.

Posada war in seinem Selbstverständnis Gebrauchsgraphiker und arbeitete von 1889 bis zu seinem Tod 1913 als Illustrator bei der Druckerei Vanegas Arroyo. Er verwirklichte dort unzählige Aufträge, illustrierte Flugzettel, Liederbücher, kommerzielle Anzeigen und Plakate für Stierkämpfe, Theater- und Zikusaufführungen. Seine Darstellungen alltäglicher Szenarien wie Überfälle, Leidenschaftsdelikte, Volksfeste, Unfälle, Naturkatastrophen und politische Ereignisse für die Tagespresse wurden statt der Pressephotografie eingesetzt. Seit 1895 veröffentlichte er auch unzählige politische Karikaturen in diversen Oppositionsblättern.

Zur selben Zeit führte er ein Hochätzungsverfahren ähnlich dem zinkographischen Hochätzungsverfahren nach dem französischen Kupferstecher Firmin Gillot (1820-1872) ein, das ihm die schnelle Reproduktion von Illustrationen erlaubte. Ein Großteil seines auf ca. 20.000 Illustrationen geschätzten Werkes ist in dieser Technik entstanden.

© INBA/SRE|Llegada del cadáver del General Manuel González (Ankunft des Leichnams von General Manuel González)   Llegada del cadáver del General Manuel González (Ankunft des Leichnams von General Manuel González)
© INBA/SRE
 

Posada wollte die mexikanische Bevölkerung - zu dieser Zeit meist Analphabeten - im Sinne der Gerechtigkeit und der Bewußtseinsbildung mit Hilfe seiner Illustrationen über das Tagesgeschehen aufklären. Er skizzierte ein Leben voller politischer und sozialer Mißstände, das zwischen Straßenkindern, anonymen Morden, verlassenen Frauen, Schreien und Verhaftungen allgegenwärtig war. Seine Arbeiten lassen eine starke Auseinandersetzung und eine große Besorgnis für sein Land erkennen, die ihn dazu veranlaßten, unaufhaltsam Situationen darzustellen, die von der damaligen Regierung nicht thematisiert worden sind. Gleichzeitig ist sein vielfältiges Werk ein frühes Zeugnis für die "Gesellschaft des Spektakels" (Guy Debord).

© INBA/SRE|Calavera de Don Quijote (Calavera des Don Quijote)   Calavera de Don Quijote (Calavera des Don Quijote)
© INBA/SRE
 

Die wohl populärsten Arbeiten von Posada sind mit den "Calaveras" entstanden. "Calavera" bedeutet eigentlich "Totenkopf", doch hat Posada ganze Skelette dargestellt und diese in alltäglichen Situationen und Milieus inszeniert. Die Calaveras zeugen von einer starken Auseinandersetzung Posadas mit der mexikanischen Volkskultur, die den Tod als Teil des Lebens begreift. In Mexiko knabbern die Kinder zu Allerseelen und Allerheiligen Süßigkeiten in Form von Totenköpfen. Diese Selbsverständlichkeit im Umgang mit dem Tod hat ebenso vorkolombianische wie spanische Wurzeln. So sehr die Calaveras Demaskierung des Irdischen sind, mit ihnen wird der Satz "mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben" verkehrt: zu "im Zentrum der Tod, und was für ein Leben drumherum!".

© INBA/SRE|Calavera Fifi (Calavera der Fifi)   Calavera Fifi (Calavera der Fifi)
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José Guadalupe Posada
Biographie

1851 | Posada wird als viertes von sechs Kindern am 2. Februar in der Stadt Aguascalientes, Mexiko, geboren.

1863 | Während seiner Schulzeit fertigt er Zeichnungen und Kopien von Gottesabbildungen für seinem älteren Bruder an. Später unterstützt er seinen Onkel beim Dekorieren von Tonobjekten in dessen Töpferwerkstatt, und schließlich wird er von der Akademie der Künste und Handwerke in Auguascalientes aufgenommen.

1867 | Bei der Volkszählung in Aguascalientes wird Posada als Maler registriert.

1868 | Posada arbeitet als Lehrling in der Druckerei Trinidad Pedroza, wo er bald große Anerkennung für seine Lithographien und Radierungen satirischer Illustrationen in der Zeitung "El Jicote" erfährt.

© INBA/SRE|Los siete pecados capitales (Die sieben Todsünden)   Los siete pecados capitales (Die sieben Todsünden)
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1871 | Am 20. August gewinnt der konservative Lokalführer, Coronel Jesús Gómez Portugal, die Wahlen in Aguascalientes. Der Besitzer der Druckerei Trinidad Pedroza und Posada sehen sich aufgrund ihrer liberalen Einstellung gezwungen, die Stadt zu verlassen.

1872 | Posada zieht in die Stadt León de los Aldamas im Bundesstaat Guanajuato und arbeitet in einer Werkstatt für Buchdruck und Lithographie.

1875 | Am 20. September heiratet Posada María de Jesús Vela.

1876 | Posada gestaltet u. a. Lithographien für Zündholzschachteln mit Ansichten der Stadt León und illustriert Glückwunschkarten, Buchbände und Urkunden.

© INBA/SRE|José Guadalupe Posada und sein Sohn   José Guadalupe Posada und sein Sohn
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1883 | Posada unterrichtet bis 1888 als Lehrer für Lithographie in einer öffentlichen Volksschule von León. Neben vielen anderen Publikationen illustriert er die Schüler- und Lehrerzeitung "La Educación".

1888 | Posada gibt seine Tätigkeit als Lehrer auf und verliert im Juli desselben Jahres aufgrund einer schweren Überschwemmung in der Stadt León sein ganzes Hab und Gut. Er beschließt nach Mexiko-Stadt zu gehen.

1889 | Posada beginnt seine Tätigkeit als Zeichner bei der Druckerei Vanegas Arroyo, bei der er bis zu seinem Lebensende bleiben wird. Posada verwirklicht dort unzählige Aufträge, illustriert Flugzettel, Liederbücher und Volkslieder-Broschüren und dokumentiert alltägliche Szenarien wie Überfälle, Leidenschaftsdelikte, Volksfeste, Unfälle, Naturkatastrophen und politische Ereignisse.

© INBA/SRE|En el Puente Blanco (Auf dem Puente Blanco)   En el Puente Blanco (Auf dem Puente Blanco)
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1895 | Neben seiner Tätigkeit bei der Druckerei Vanegas Arroyo verwirklicht Posada für diverse Oppositionsblätter unzählige politische Karikaturen.
In diesem Jahr führt Posada in Mexiko ein Hochätzungsverfahren ähnlich dem zinkographischen Hochätzungsverfahren nach dem französischen Kupferstecher Firmin Gillot (1820-1872) ein. Diese Technik ermöglicht ihm die schnelle Reproduktion von Illustrationen. So entsteht ein Großteil seines auf 20.000 Illustrationen geschätzten Werkes.

1901 | Bis zu seinem Tode erfaßt und dokumentiert Posada unermüdlich die turbulenten und spannungsgeladenen Ereignisse seiner Zeit, die schließlich 1910 zum Ausbruch der mexikanischen Revolution führen.

1913 | Alleine und verarmt stirbt Posada am 20. Jänner alleine und in Armut an einer akuten Darmentzündung und wird im Pantheon von Dolores in einem Grab der sechsten Klasse beigesetzt.

1920 | Hinweisen zu Folge werden die Überreste des Leichnams exhumiert und in ein gewöhnliches Grab überstellt.

Weitere Auskünfte erteilt:
Botschaft von Mexiko | Operngasse 21 | 1040 Wien
Rafael Donnadío | tel: 310 73 83 oder 0676-77 83 381 | rdonadio@embamex.or.at

© INBA/SRE|El vendedor de juguetes (Der Spielzeugverkäufer)   El vendedor de juguetes (Der Spielzeugverkäufer)
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