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Eröffnung: 03.10.2005, 19.00 h
Dauer der Ausstellung: 04. - 09.10.2005
Aula der Akademie der bildenden Künste Wien, Schillerplatz 3, 1010 Wien

© Otto Antonia Graf|Zur Geometrie der Stahlkathedrale, 2004   Zur Geometrie der Stahlkathedrale, 2004
© Otto Antonia Graf
 

Die Akademie der bildenden Künste Wien und das ehemalige Institut für Kunstgeschichte laden ein zur Ausstellung von Otto Antonia Graf 1960-2005 anläßlich der Emeritierung von Professor Graf am 3. Oktober 2005, 19.00 Uhr, in der Aula der Akademie.

© Otto Antonia Graf|Zur Geometrie der Stahlkathedrale, 2004   Zur Geometrie der Stahlkathedrale, 2004
© Otto Antonia Graf
 

Historiker sind meist eigenartige Menschen. Kunsthistoriker sind noch ein paar Grade eigenartiger. Gemeint ist die Neigung in ihren Arbeiten sich ausschließlich mit der Vergangenheit zu beschäftigen, ohne auf Gegenwart oder gar auf Zukunft Rücksicht zu nehmen.In dieser Spezies gibt es beachtenswerte Ausnahmen. Eine besondere Ausnahme, weil nicht nur eigenartig, sondern auch eigenartig-skurril und sehr weise, ist der Kunst- und Geschichtswissenschaftler Otto Antonia Graf.

Im Jahre 1962 begann er mit einer neuen Ordnung und Veröffentlichung des bis dahin nicht ausgiebig, beachteten Werks Otto Wagners. Sein Studienaufenthalt in den Vereinigten Staaten katapultierte Otto Antonia Graf in die Sphären geschichtlicher internationaler Architektenpersönlichkeiten. Otto Antonia Graf machte Inhalte großer Künstler sichtbar, insbesondere das Konvergenzpotential zwischen Kunst-Werk und Kunst-Prozeß ist ihm ein Anliegen.
Jahrzehnte lehrte Otto Antonia Graf an der Akademie der bildenden Künste in Wien und brachte mehreren Generationen von Studenten das Wesen und die Arbeit großer Meister nahe. Von Vitruv über Michelangelo, M.Voilett le Duc bis Fischer von Erlach, Le Corbusier und Otto Wagner gelingt es Otto Antonia Graf die Fachwelt mit Inhalten phänomenal zu überzeugen. Otto Antonia Graf ist ein Endecker.
Der dreiteilige Band "Die Kunst des Quadrats" und weitere für die Kunstgeschichte wesentliche Standardwerke haben Otto Antonia Graf als Grenzüberschreiter international bedeutend gemacht.
Es war der große österreichische Publizist und Kulturkritiker Friedrich Heer, der bereits in den Achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bescheinigte, daß Otto Antonia Graf ein "Grenzüberschreiter im Raum der Kunstwissenschaften, der Kunstphilosophie, der Spiritualität, der Geisteswissenschaften" ist: Nicht aber nur als Kunsthistoriker und Kunstdenker, sondern auch "als Tischgenosse von Pascal, Lichtenberg oder Lessing hat er seinen Platz".
Otto Antonia Graf ist Überraschungstäter.
Nun legt er eigene architektonische Entwürfe zu verschiedenen Bauvorhaben in blendenden Zeichnungen mit einer beneidenswerten ars formulandi vor. Der Phantasiereichtum und der philosophische Hintergrund dieser Entwürfe sei allen, sich mit Architektur Beschäftigenden zur Mahnung und zum Studium nahe gelegt.

Text: Gustav Peichl