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Eröffnung: Dienstag, 04.04.2006, 19.00 h
Dauer der Ausstellung: 05.04. - 21.05.2006
Öffnungszeiten: täglich 11.00 - 18.00 h
Ausstellungsräume der Akademie der bildenden Künste Wien, Schillerplatz 3, 1010 Wien

© Courtesy Meyer Riegger, Karlsruhe|Uwe Henneken: Der letzte Chouan, 2004   Uwe Henneken: Der letzte Chouan, 2004
© Courtesy Meyer Riegger, Karlsruhe
 

Kuratorin: Eva Maria Stadler
KünstlerInnen: Nairy Baghramian, Katja Davar, Uwe Henneken, Kalin Lindena

»A Public Private Mystery Tour« ist eine Bilderreise quer durch Zeiten und Welten. An der Akademie der bildenden Künste Wien werden vier junge KünstlerInnen aus London, Hannover, Berlin und Isfahan vorgestellt, die sich in ihren Arbeiten mit dem Potential kunsthistorischer Referenzen in Bezug auf zeitgenössische Bildproduktionen auseinandersetzen.

»A Public Private Mystery Tour« versucht den Grat zwischen privater subjektiver Wahrnehmung und einer öffentlich objektivierten Lesart von Bildern auszuloten. Soferne in diesem Kontext eine Dichotomie von subjektiv und objektiv, von innen und außen noch aufrechtzuerhalten ist, stellt sich die Frage nach den Motiven für die Zusammenschau einer vorwiegend westlichen Kunstgeschichte mit einem undefinierbaren Bildreservoir einer ebenfalls westlich geprägten Alltagskultur. Die Ikonographie von Horror-, Krimi- und Fantasykultur bildet hierbei einen wesentlichen Ansatzpunkt für die Auseinandersetzung mit einem Bildprogramm, das grundlegende Themen unserer Vorstellungswelten berührt.

Nairy Baghramian, Katja Davar, Uwe Henneken und Kalin Lindena beschäftigen sich in ihren Zeichnungen, Gemälden und Skulpturen mit Bildern vor den Bildern. Sie gehen der Frage nach, wie sich Bilder entwickeln. Dabei handelt es sich zum einen um Bildtraditionen, die künstlerisch um- und fortgeschrieben werden, zugleich geht es aber um Transformationen der Bilder durch das Betrachten. Ein englisches Landschaftsbild aus dem 18. Jahrhundert, das zu seiner Zeit mit einer idealisierenden Repräsentation gebrochen hat, um nach neuen subtileren Formen der Darstellung zu suchen, wird seinerseits zum »idealen« Bild. Diese Transformationen von Bildern, Geschichten, und Erzählungen finden auf unterschiedlichsten Ebenen statt. Ein »Zigeunermädchen« vom Flohmarkt, ein Gemälde von Eugène Delacroix, eine Luftpinselarbeit von Frazetta, ein Playboy-Kalender, sie alle und viele mehr machen den Bildspeicher aus, der spezifischen Ikonographien unterliegt. Essentiell für künstlerische Reflexionen dieser Speicher ist das Potential der Kritik, eröffnet es doch zugleich ein Produktionsfeld für neue Formen der Darstellung.

Es scheint kein Zufall zu sein, dass hier das Medium Malerei verstärkt zum Einsatz kommt. Entgegen dokumentarischen oder realitätsbezogenen Ansätzen vermag die Malerei deutlicher ein Feld der Vorstellung und der Imagination zu eröffnen. Oft sind nur wenige Pinselstriche vonnöten um im Betrachter ein Reservoir an bereits bestehenden Bildern zu aktivieren. Anders als bei Filmschnitt und establishing shot, die über ein ähnliches Potential verfügen, verläuft der Zugriff auf den jeweils subjektiven Bildspeicher aber nicht linear, als eine Aneinanderreihung von gesehenen Bildern, sondern vielmehr wird das Schauen selbst zum gestaltenden Akt. Bruchstücke ikonographischer oder stilistischer Natur zeichnen formale oder materialspezifische Merkmale eine Spur.

© Courtesy Meyer Riegger, Karlsruhe|Uwe Henneken: With cold heart and bloody hand they rule the european land, 2004   Uwe Henneken: With cold heart and bloody hand they rule the european land, 2004
© Courtesy Meyer Riegger, Karlsruhe
 

Uwe Henneken (geb. 1974) beruft sich in seiner Arbeit auf mehrere solcher Bildquellen, um neue Bilder entstehen zu lassen. Auffallend ist eine oft brüchige Malweise, die auf Veränderungen und Verschiebungen in der Rezeptionsgeschichte verweisen. Der Künstler porträtiert sich etwa selbst in greller übersteigerter Farbigkeit in der Pose des »Homme blessè« von Courbet. Bei Henneken hat das Bild den Titel »Der letzte Chouan«, was in Anspielung auf die Konterrevolution bretonischer Bauern am Ende des 18. Jahrhunderts soviel heißt wie der letzte Aufständische. Henneken spielt nicht nur im Titel mit der Widersprüchlichkeit von Geschichtsschreibungen, die Widersprüchlichkeit manifestiert sich auch in der Malweise. Mit einem nahezu comichaft übersteigerten Stil zitiert er das weltberühmte Gemälde Courbets, transformiert durch unzählige Reproduktionen in Form von Katalogabbildungen, Postkarten, Plakaten, malt es als Produkt seiner Mediatisierung.

© Courtesy Galerie Christian Nagel, Köln/Berlin|Nairy Baghramian, Klappen mit goldenen Zähnen, 2005   Nairy Baghramian, Klappen mit goldenen Zähnen, 2005
© Courtesy Galerie Christian Nagel, Köln/Berlin
 

Die Skulpturen von Nairy Baghramian (geb. 1971) sind situative Raumanordnungen. Ein amorphes Gebilde aus metallener Gaze, gehalten von einer zarten Kunststoffhand, eine rätselhafte Form, die, verborgen hinter einer Wand, nur über einen Spiegel zu sehen ist, oder ein verschachteltes Gefüge von Wandelementen, das sich seinen Weg durch den Raum bahnt. Entgegen einem minimalistischen Verständnis von Präsenz, bei dem das Objekt entleert, die Aufmerksamkeit auf die Bewegung des Betrachters im Raum lenkt, arbeitet Nairy Baghramian mit einer sehr spezifischen Formen- und Materialsprache, die gleichsam einer Regieanweisung in Szene gesetzt wird. Materialien wie Porzellan, Messing, bedruckte Stoffe oder glitzernde Gaze sowie die bildhaften Begriffe von Titeln wie »Teestube« oder »Die vierte Wand. Zwei Protagonistinnen« sind reiche, durch ihre jeweilige Geschichte aufgeladene Entitäten ausgewählter Bezugssysteme.

© Courtesy Meyer Riegger, Karlsruhe|Kalin Lindena: Weilen, 2003   Kalin Lindena: Weilen, 2003
© Courtesy Meyer Riegger, Karlsruhe
 

»Renato Belli. Oh könnte ich ewiglich weilen - schier - wo aus dem Nichts die Sterne sich gebären« ist eine Widmung an den Rummelboxer Renato Belli, den Kalin Lindena (geb. 1977) sehr verehrt. In feiner Auszeichnung überlagern sich die einzelnen Lettern der Textzeile, als würden sie immer wieder neu geschrieben. Verbrämt von einem Regenbogen versteht sich die Zeichnung als Hommage. Der unfertige Zustand hält alles offen. Nicht das Bild als Ikon ist von Bedeutung, sondern das Machen, das Herstellen der Zeichnung rückt in den Mittelpunkt. Kalin Lindena greift in ihren Arbeiten häufig auf Techniken zurück, die mit kunstgewerblichem Gestalten konnotiert sind. Bleichen oder Beizen, Frottage und Collage verbinden sich mit einer Bildsprache, die zwischen japanischer Holzschnittkunst und dekorativer Luftpinselmalerei angesiedelt ist. Malerische Effekte wie symmetrische rohrschachartige Farbschichtungen erzeugen Bilder von allzu Vertrautem. Geflügelte Wesen, Flammen, florale Formelemente und organisch ornamentales Flechtwerk - sie sind Teile einer Ikonographie, die Anspruch auf Universalität auf etwas ewig gültiges, Überzeitliches erheben.

© Courtesy Galerie Iris Kadel, Karlsruhe|Katja Davar: Majorities can always be won for the belief in miracles, 2005   Katja Davar: Majorities can always be won for the belief in miracles, 2005
© Courtesy Galerie Iris Kadel, Karlsruhe
 

»Die Erde bebt und schwankt, das Meer braust auf, die Schiffe schlagen zusammen, die Häuser stürzen ein, Kirchen und Thürme darüber her, der königliche Palast zum Theil wird vom Meere verschlungen, die geborstene Erde scheint Flammen zu speien: denn überall meldet sich Rauch und Brand in den Ruinen.« Goethes Schilderung des Erdbebens von Lissabon vermittelt ein eindringliches Bild dieser Naturkatastrophe im Jahr 1755. Mehr noch als um einen Tatsachenbericht handelt es sich aber um eine literarisch verdichtete Darstellung eines Unglücks über Zeiten und Katastrophen hinweg. Katja Davar (geb. 1968) greift für ihre Bilder von Bohrinselbränden ebenso auf Darstellungskonventionen zurück, die mit der Ikonographie von Katastrophengemälden einhergehen. Zeitungsfotografien von Bränden in der schottischen Nordsee, im Irak oder von einer Explosion eines Bohrturmes während des Golfkriegs im Jahr 1991 überarbeitet Katja Davar malerisch in einem Tondo. Das Rundbild umrahmt die Szene logogrammartig. Das aktuelle Ereignis dramatisiert Katja Davar im Sinne der Darstellungen eines William Turner oder John Martin. Die Rauchschwaden türmen sich auf, verlieren sich in den Wolken. Eine surreal anmutende Szenerie entwirft Davar wenn sie monströse Insekten auf einem Spielfeld kämpfen lässt, ein Machtspiel um das schwarze Gold.

Nairy Baghramian
geboren 1971 in Isfahan, Iran, lebt und arbeitet in Berlin, Deutschland.
Einzelausstellungen (Auswahl): 2006 "Es ist ausser Haus", Kunsthalle Basel, Schweiz | 2005 "Die Geister mögen das Flanieren", Galerie Christian Nagel, Köln, Deutschland | 2004 "voluptuous panic", Galerie Christian Nagel, Berlin, Deutschland.
Gruppenausstellungen (Auswahl): 2006 "Bonanza", Jack Tilton Gallery, New York, USA | 2005/2006 "Time Lines", Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf, Deutschland | 2004 "Splendor Geometrik", Galerie Gisela Capitain, Köln, Deutschland. "Villa Romana 2003", Museum Morsbroich, Leverkusen, Deutschland. "Here and Now", Büro Friedrich, Berlin, Deutschland | 2003 "Hausordnungen", kuratiert von Katharina Menzel, Stadthaus Ulm, Deutschland | 2002 "Here and Now"«, Büro Friedrich, Berlin, Deutschland | 1999 "How is your work going?", kuratiert von Anke Kempkes, Galerie Christian Nagel, Köln, Deutschland.
Projekte (Auswahl): 2004 Gestaltung des Foyers der Kunsthalle Basel, Schweiz, mit Julian Göthe.
Texte von Nairy Baghramian: "The Memorial to the Murdered Jews of Europe", von Diedrich Diederichsen, Nairy Baghramian, Adrian Piper, Thomas Demand, Frieze, Heft 91, Mai 2005, S. 110 | "Was machen wir hier?", Roundtable-Gespräch mit Nairy Baghramian, Henning Bohl, Christian Flamm, Tine Furler und Thomas Groetz, moderiert von Isabelle Graw, Texte zur Kunst, Heft 57, März 2005, S. 43-59 | "Der Wahlkippschalter", Spex 01, 1999.

Katja Davar
geboren 1968 in London, England, lebt und arbeitet in Köln, Deutschland.
Studium an der Central Saint Martins School of Art, London, England, der Kunstakademie Düsseldorf und der Kunsthochschule für Medien, Köln, Deutschland.
Lehrtätigkeit: 2002-2006 div. Vertretungsprofessuren an der Städelschule, Frankfurt, Deutschland.
Einzelausstellungen (Auswahl): 2006 The Drawing Room, London, England. Galerie Otto Schweins, Köln, Deutschland | 2005 "Dinner with a Hostage", Galerie Iris Kadel, Karlsruhe, Deutschland | 2001 "remote host", Städtische Galerie Nordhorn, Deutschland. "Stars & Stripes", Bonner Kunstverein am August-Macke-Platz, Deutschland | 1999 "Fuzzy Box (1)", Galerie Marion + Roswitha Fricke, Berlin, Deutschland.
Gruppenausstellungen (Auswahl): 2006 "mima Offsite: Animated Drawing", Middlesbrough Institute of Modern Art, Großritannien | 2005 "Harvest Festival", Parkhaus, Düsseldorf, Deutschland. "Offshore Splinter", Kunsthaus Essen, Schloss Pluschow, Deutschland. "Videonale 10", Kunstmuseum Bonn, Deutschland | 2004 "Doku/fiction", Kunsthalle Düsseldorf, Deutschland. "Art in the Hinge", Collection of the European Patent Office, Den Haag, Niederlande | 2002 "Seven Pieces for One Space", Sammlung DaimlerChrysler, Berlin, Deutschland | 2001 "Post Production", Galleria Continua, San Gimignano, Italien.
Preise (Auswahl): 2002 Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für Medienkunst

Uwe Henneken
geboren 1974 in Paderborn, Deutschland, lebt und arbeitet in Berlin, Deutschland.
Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, Deutschland, und an der Universität der Künste Berlin, Deutschland.
Einzelausstellungen (Auswahl): 2006 "in a foreign land, in a foreign town", Andrew Kreps, New York, USA. "schlemihlium", Galerie Giti Nourbakhsch, Berlin, Deutschland. "somewhere in europe they wait", The Breeder, Athen, Griechenland | 2005 "The Still Small Voice", roma roma roma, Rom, Italien | 2004 "Tausend Jahre sind ein Tag", Meyer Riegger Galerie, Karlsruhe, Deutschland. "The Great in the Small", Galerie Gisela Capitain, Köln , Deutschland.
Gruppenausstellungen (Auswahl): 2005 "Wunschwelten. Neue Romantik in der Kunst der Gegenwart", Schirn Kunsthalle, Frankfurt, Deutschland. "Syzygy", Brett Shaheen Modern & Contemporary Art, Cleveland, Ohio, USA | 2004 "I feel mysterious today", Palm Beach Institute of Contemporary Art, Lake Worth, Florida, USA. "Gelegenheit und Reue", Grazer Kunstverein, Graz, Österreich | 2003 "deutschemalereizweitausenddrei", Frankfurter Kunstverein, Frankfurt, Deutschland. "There's no land but the land (up there is just a sea of possibilities)", Meyer Riegger Galerie, Karlsruhe, Deutschland. "Dirty Pictures", The Approach, London, England | 2002 "Friede, Freiheit, Freude", Galerie Maschenmode, Berlin, Deutschland | 2001 "Viva November", Städtische Galerie Wolfsburg, Deutschland.

Kalin Lindena
geboren 1977 in Hannover, Deutschland, lebt und arbeitet in Köln, Deutschland.
Studium an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, Deutschland.
Einzelausstellungen (Auswahl): 2006 Galerie Bleich-Rossi, Wien, Öterreich | 2005 "Beim Namen", Meyer Riegger Galerie, Karlsruhe, Deutschland | 2004 "Find Dich Licht", Galerie Christian Nagel, Köln, Deutschland. "wie donnerhall" (mit Martin Neumaier), Dépendance, Brüssel, Belgien | 2002 "Wir Nennen Einen Berg Nach Dir", Galerie Christian Nagel, Berlin, Deutschland | 2001 "4th Time Around", Kunstverein Braunschweig, Studiogalerie, Deutschland.
Gruppenausstellungen (Auswahl): 2006 "Bonanza", Jack Tilton Gallery, New York, USA | 2005 "Stipendiaten 2005 Kunststiftung NRW", Schloss Ringenberg, Hamminkeln, Deutschland. "gap", Museum voor Moderne Kunst Arnhem, Niederlande | 2004 "Rhinegold: Art from Cologne", Tate Liverpool, England | 2003 "Kontext, Form, Troja", Secession, Wien, Österreich. "Fünf Deutsche Frauen. Paintings by Maja Körner, Svenja Kreh, Kalin Lindena, Bernadette Mittrup, Gunna Schmidt", ausgewählt von Christian Nagel, Jack Tilton/Anna Kustera Gallery, New York, USA. "deutschemalereizweitausenddrei", Frankfurter Kunstverein, Frankfurt, Deutschland | 2002 "Friede, Freiheit, Freude", Galerie Maschenmode, Berlin, Deutschland | 2001 "Montana Sacra", Circles Nr. 5, ZKM Karlsruhe, Deutschland.

Podiumsdiskussion im Rahmen der Ausstellung
Die Geister mögen das Flanieren.
Über Performanz und Präsenz in der zeitgenössischen Malerei
Donnerstag, 04.05.2006, 14.00 h

LeihgeberInnen
Galerie Gisela Capitain, Köln
Uwe Henneken
Galerie Iris Kadel, Karlsruhe, Germany
Sammlung Günter Lorenz, München
Meyer Riegger, Karlsruhe
Galerie Christian Nagel, Köln/Berlin
Kunsthalle Recklinghausen
Gaby und Wilhelm Schürmann, Herzogenrath
Sammlung Stolitzka, Graz

Für die Unterstützung und Zusammenarbeit danken wir:

 

www.ba-ca.com

 

http://derstandard.at

Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien