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Eröffnung | 18.10.2007, 19.00 h
Ausstellungsdauer | 19.10.2007 - 02.12.2007
Ort | Akademie der bildenden Künste Wien, Hauptgebäude, Schillerplatz 3, 1010 Wien, Ausstellungsräume

Täglich 11.00 - 18.00 h | Eintritt frei

 

© Archiv Branko Andrić: Konzert im Studio 24, Novi Sad, 1993

 

Begrüßung und Einleitung | 18.10.2007, 19.00 h
Andreas Spiegl, Vizerektor für Lehre und Forschung, Akademie der bildenden Künste Wien
Konzert | Tribute to Imperivm of Jazz

Musiker
Branko Andric Junior | Vocals + Gitarre
Zoran Balé Bulatovic | Gitarre
Maria Petrova | Schlagzeug
Jovan Torbica | Bass
Alexander Wladigeroff | Trompete

Podiumsdiskussion (in englischer Sprache)
20.11.2007, 19.00 h, Aula

TeilnehmerInnen:
Branko Andric | Künstler, Sohn von Branko Andric
Marina Grzinic | Professorin für Konzeptuelle Kunst, Akademie der bildenden Künste Wien
Andjelija Terzic | Künstlerin und Kunsthistorikerin, Frau von Branko Andric
Andreas Spiegl | Vizerektor für Lehre und Forschung, Akademie der bildenden Künste Wien

Andric_1978   Branko Andric: Ohne Titel, 1978, Mischtechnik auf Papier, 50 x 70 cm,
Courtesy Archiv Branko Andric
Foto: Lisa Rastl, 2007
 




Künstlerische Arbeit, die sich dem gesellschaftspolitischen Alltag verpflichtet fühlt, tendiert dazu die widersprüchlichen Perspektiven und Bedingungen auch dementsprechend mehrdimensional ins Auge zu fassen. Branko Andric, der 1942 in Novi Sad geboren wurde, studierte neben seinem künstlerischen Lehramtsstudium auch Politikwissenschaft in Belgrad. Diese Koordinaten aus Kunst, Politik und dem Wunsch nach Vermittlung führten zu einer künstlerischen Praxis, in der die Schriftstellerei gleichermaßen von Belang war wie die Malerei, die Zeichnung, der Film, die Performance und die Musik. Geprägt war diese Integration verschiedener künstlerischer Genres und Medien durch seine frühe Auseinandersetzung mit konzeptueller Kunst, mithin durch den Versuch, der kulturellen und politischen (Un-)Ordnung eine alternative Struktur – wenn man so will: eine Ordnung der Devianz gegenüber zu stellen. Neben seinen Ausstellungen und Lesungen war Andric  u.a. auch aktiv bei der Grüdnung der Wiener Arena und ihrer Umgestaltung in ein Zentrum subkultureller Interessen beteiligt. 1980 gründete er die Band "Imperivm of Jazz", die analog zu seiner Arbeit verschiedene Musikgenres integrierte. Andric entwickelte seine künstlerischen und politischen Aktivitäten immer auf dem Weg zwischen Wien und Novi Sad, d. h. dem ehemaligen Jugoslawien im Umbruch und Krieg und einer Stadt, die sich zumindest geografisch der Ambivalenz aus Ost und West verschrieben hat. Und auf einem dieser Wege eines Pendlers zwischen Wien und Novi Sad ereilte Branko Andric am 20. Oktober 2005 auch der Tod bei einem Verkehrsunfall.

Andric_1995_Plakat   Branko Andric: Plakat für "Imperivum of Jazz", 1995, 34,5 x 49,5 cm,
Courtesy Archiv Branko Andric
Foto: Lisa Rastl, 2007
 


Die Akademie der bildenden Künste Wien widmet diese Ausstellung einem Künstler, der repräsentativ ist für eine künstlerische Positionierung zwischen Subkultur und institutioneller Kunst, Politik, Alltag und Aufbegehren. Gezeigt wird ein Spektrum seiner Arbeiten aus den verschiedenen Genres und Entstehungszeiten. Ein zentrales Motiv dabei ist der Rahmen, den Andrić als durchgängige Grundform verwendet und damit Räume, Architekturen, symbolische Formationen oder Landschaften entwirft. Der Rahmen repräsentiert darin eine Welt der Bedingungen und Umgebungen, die selbst zum Gegenstand der Rahmung werden. Der Rahmen rahmt in seinem Fall die Rahmenbedingungen. Was als Motiv erscheint, ist letztlich nur das Produkt seiner Bedingungen. Die Leerstellen, die von den Rahmen eingefasst und evoziert werden, liefern nur wieder neue Einblicke in die nächste Dimension von Rahmen und Bedingungen. Was dann am Ende erscheint, erinnert an einen obsessiven Versuch, die Leerstellen zu schließen, um damit nur noch mehr neue Rahmen zu eröffnen. Dieser Horror Vacui hat einen symptomatischen Kern, der politische und kulturelle Aspekte genauso mit einschließt wie eine subjektive Befindlichkeit zwischen Angst, Verschwörungstheorie und Flucht. Die Durchgängigkeit des Rahmens folgt dem Prinzip der Wiederholung: Was aussieht wie Repetition ist nur ein Ausdruck fürs Insistieren auf die scheinbar endlose Wiederkehr. Von der gleichen Repetition zeugen auch seine literarischen Werke, die zwischen konkreter Poesie und tragikomischen Variationen von Bedeutungskonstruktionen pendeln.

Andric_1995_01   Branko Andric: Ohne Titel, 1995, Tusche auf Karton, 24 x 30 cm, Courtesy Archiv Branko Andric
Foto: Lisa Rastl, 2007
 


Was die künstlerische Praxis hier von der alltagskulturellen Realität unterscheidet, ist die Möglichkeit, sich im Rahmen der Kunst als Subjekt zu exponieren, d.h. sich etwas herauszunehmen – die Stimme zu erheben für die Differenz zwischen subjektiven und politischen Ansprüchen. Branko Andrić hat diese Stimme im Kontext seiner Band

"Imperivm of Jazz" mehrfach erhoben. Die Ausstellung liefert Einblicke in dieses konzertante Vorgehen als kulturelles Aufbegehren. Begleitet werden diese Beispiele einer künstlerischen Praxis von Dokumenten, die nicht nur die Rezeption von Andrićs Arbeiten belegen, sondern auch die Möglichkeit aufzeigen, gleichsam vom Rande der Politik her in den öffentlichen Diskurs über diese zu intervenieren. Zur Eröffnung wird »Imperivm of Jazz« ein Konzert geben, das dem verstorbenen Bandgründer und Freund gewidmet ist und in memoriam nochmals seine Stimme erhebt.

Text: Andreas Spiegl

Andric_1990   Branko Andrić: Ohne Titel, 1990, Tusche auf Papier, 21,5 x 30,5 cm,
Courtesy Archiv Branko Andrić
Foto: Lisa Rastl, 2007
 

Branko Andric

Geboren 1942 in Novi Sad, Serbien. 1967 Diplom der Höheren pädagogischen Schule (Abteilung Bildende Kunst), 1969 Diplom für Politikwissenschaft, Beograd. Lebte und arbeitete seit 1972 in Wien. Zahlreiche Veröffentlichungen in verschiedenen Kultur-zeitschriften Ex-Jugoslawiens, 1971 Veröffentlichung des ersten Gedichtbandes in Jugoslawien, 1972 Aufnahme in die Schriftstellervereinigung. Mitarbeit bei Filmen von Dusan Makavejev, Zelimir Zilnik und Karpo Acimovic-Godina. 1969 Spezialpreis beim Jugoslawischen Filmfestival der Filmamateure, 1970 Preis für Erzählung "Der goldene Schlüssel von Novi Sad", der Kurzfilm "Litanei für heile Leute" von Karpo Acimovic-Godina mit Texten und musikalischen Mitarbeit von Branko Andrić erhielt den ersten Preis beim Kurzfilmfestival in Beograd und den Journalistenpreis in Oberhausen. Zahlreiche Ausstellungen u. a. in der Neuen Galerie, Linz (1984), Kleine Galerie, Wien (1992), 1980 Gründung der Band "Imperivm of Jazz", 1981 Teilnahme an den Wiener Festwochen

Kurator: Andreas Spiegl, Vizerektor für Lehre und Forschung, Akademie der bildenden Künste Wien

Leihgeber:
Archiv Branko Andric
Sammlung der Kulturabteilung der Stadt Wien


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