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Date | 12.10.2012 - 13.10.2012
Venue | Akademie der bildenden Künste Wien, Hauptgebäude, Schillerplatz 3, 1010 Wien, M13a

Symposium von Wolfgang Neurath und FAS.Research in Kooperation mit dem Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften.
Teilnahme kostenlos!
Keine Voranmeldung erforderlich

 

Félix Werk bleibt zu entdecken oder wiederzuentdecken.
Das ist eine der schönsten Arten, Félix am Leben zu erhalten.

Gilles Deleuze

Der französische Schizoanalytiker Félix Guattari (1930-1992) ist unbestritten Teil der Philosophiegeschichte des 20. Jahrhunderts. Allerdings hält diese eine undankbare Rolle für ihn bereit: Immer noch fristet er ein Dasein im Schatten seines ungleich berühmteren Kollegen und Freundes Gilles Deleuze. Im Gefolge der politischen, sozialen und intellektuellen Unruhen der späten 1960er-Jahre hat sich das Denken von Deleuze radikalisiert und entakademisiert. Dies verdankt sich nicht zuletzt dem Einfluss Félix Guattaris und dessen praktischen Erfahrungen aus der Bewegung der institutionellen bzw. psychotherapeutischen Analyse, sprich: der beständigen Arbeit an der sozialen Entfremdung, die wir durch Institutionen jeder Art erfahren. Früchte dieser außergewöhnlichen Kooperation sind u. a. die legendären Publikationen "Anti-Ödipus" und "Tausend Plateaus" - eine Revolution des akademischen Diskurses, aber mindestens ebenso wichtig für künstlerische und politische Strömungen und Bewegungen...
 
Aus Anlass des 20. Todestags von Félix Guattari widmet sich die Veranstaltung an der Akademie der bildenden Künste den Spuren des im deutschen Sprachraum zu Unrecht vergessenen Denkers. Teil eins der Wiener Zusammenkunft widmet sich einer theoretischen Auseinandersetzung mit Guattaris Schriften und Konzepten, dargestellt und weiterentwickelt von Denker_innen, die Guattari teils persönlich kannten und mit ihm zusammenarbeiteten oder sich mit seinem Werk seit langem intensiv beschäftigen. Teil zwei der Veranstaltung ist als Workshop-Reihe konzipiert, die das begriffliche Universum Guattaris zum Ausgangspunkt für konkrete Auseinandersetzungen mit Praktiken der Subjektivierung nimmt – eines für Guattari zentralen theoretischen wie praktischen Problems: "Wie lässt sie sich erzeugen", schreibt er, "einfangen, anreichern, permanent neu erfinden, und zwar so, dass sie mit den in Veränderung begriffenen Werte-Universen in Einklang gebracht werden kann? Wie auf ihre Befreiung hin arbeiten, das heißt, in Richtung ihrer Re-Singularisierung? Alle Disziplinen müssen ihre Kreativität zusammenlegen, um die Wunden der Barbarei zu heilen."

Die Workshops entwickeln eine Analytik der Produktionsverhältnisse und des zeitgenössischen Semiokapitalismus, die auf Guattaris Reflexionen fußt. Mit Guattari lassen sich die Zeichen der universalen Barbarisierung neu deuten: Ich-AG, Kognitariat und soziale Netzwerkbildung sind davon genauso berührt wie Fragen der Wissensgenerierung und Wissenszirkulation im Zeitalter des universalen Cyberkapitalismus. Die "Psyche" (Sensibilia) ist zu einem zentralen Produktionsmittel in einem Kapitalismus geworden, der die Netzwerktopologien und Zeichenregime immer wieder neu ordnet und rekombiniert, die Cybertime kapitalisiert und die psychische Energie radikal ausbeutet.

Der konzeptive Geist von Félix Guattari soll uns zwei Tage lang inspirieren, um in verschiedenen Formaten Landschaften zu durchqueren, die Félix Guattari eröffnet bzw. erstmalig beschrieben hat. Neben Vorträgen und Lesungen wird ein Projektraum eingerichtet, der die Philosophie Guattaris mit kreativen Ausdrucksformen verbindet. Jedes Projekt wird eine konkrete Koppelung zwischen Textproduktion/Philosophie und kreativem Milieu herstellen und dadurch eine nicht-akademische Vermittlung der Philosophie entwickeln.

Programm

Freitag, 12.10.12
Lectures

14:30 Uhr
Elisabeth von Samsonow
Francois Tosquelles, Félix Guattari et la politique de la folie
Tosquelles, Guattari und die Politik der Verrücktheit
(Vortrag in Deutsch)

15:30 Uhr
Wolfgang Pircher
Guattari contre l'etat
Kriegsmaschine und Aneignungsmaschine als Medien

Kann ein medientechnischer Materialismus helfen, die Funktionsweise und den Übergangsbereich von Kriegs- und Aneignungsmaschine schärfer zu akzentuieren? Wie lässt sich dieser Materialismus kompatibel denken mit dem Historischen Materialismus und der universalen Geschichte, wie sie Deleuze und Guattari entwerfen? Wie unterscheidet sich in dieser Hinsicht das Nomadische vom Ansässigen?
(Vortrag in Deutsch)

17:00 Uhr  
Anne Querrien und Anne Sauvagnargues
Les machines qui se détraquent
Maschinen, die kaputtwerden

Transversalität, Schreibmaschine und politischer Aktivismus. Der Unterschied zwischen Maschine und Struktur. Semiotiken, insbesondere kapitalistische Semiotiken. Maschinische Heterogenesis. Das ästhetische Paradigma. Chaosmosis.
(Lecture in English)

18:00 Uhr
Franco "Bifo" Berardi
Chaosmic spasm and the re-thinking of desire

In "Chaosmosis", Félix Guattari uses the concept of "chaosmic spasm". By "spasm", he understands an intensification of the rhythm of the desiring organism that leads to panic and is a prelude to depressive blackout. The spasm is a form of vibration, the searching for a new rhythm. But if this search does not lead to a successful end, the organism can enter into a phase of paralysis. Chaosmosis is a mode of alleviating the spasm. By reflecting on the concept of chaosmic spasm, one can rethink desire as a problematic concept.
(Lecture in English)

Samstag, 13.10.
Workshops im Sinne kreativer Milieus zur nicht-akademischen Vermittlung von Philosophie

10:00 Uhr
"Subjektgruppen"
Koordination
Viviana Costabile, Klaus Neundlinger und Sandra Lehmann

13:00 Uhr
"Fluchtlinien"
Koordination
Harald Katzmair und Wolfgang Neurath

15:00 Uhr
"Maschinen"
Koordination
Sandro Barberi, Birgit Mennel, Helmut Neundlinger und Tom Waibel
Licht-, Ton- und Theoriemaschinen mit Gerald Raunig, Stephan Gregory, Michael Kargl, Tom Stüttgen, etc...