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Datum | 16.01.2013, 17.00 h
Ort | Akademie der bildenden Künste Wien, Hauptgebäude, Schillerplatz 3, 1010 Wien, M13

Workshop mit Soma Ahmad, Petja Dimitrova, Alex Fleischmann und Doris Guth im Rahmen der Ringvorlesung "Kunst - Theorie - Aktivismus | Strategische Verbindungen für antidiskriminatorische Praxen" des Netzwerkes für Frauenförderung und des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen.

 

10. 10., 18-20 Uhr
Einführung
Alex Fleischmann / Doris Guth

17. 10., 18-20 Uhr:
"Hello to you out there in Normal Land"
Aneignungen von "Devianz", "Abnorm", "Krankheit" und "Behinderung"
Eva Egermann

"Hello to you out there in Normal Land. You may not comprehend my tale or understand", lautet eine Zeile des Songs Spasticus Autisticus (1981) von Ian Dury & the Blockheads, der auf Grund seiner Anstössigkeit nicht im Radio gespielt wurde. Das Benennen von Abnorm innerhalb des "Normal Lands", wie es im Liedtext formuliert wird, hat - ähnlich wie das "Fremde", das "Schwache" oder das "Andere" - soziale Ungleichheit begründet und zur Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Hierarchien beigetragen. Die Perspektive auf die
Konflikte zu richten, ermöglicht alternative Lesweisen, Repräsentationen und Bildproduktionen. Der Vortrag diskutiert widerständige Praktiken und Aneignungen entlang der Kategorien Devianz/Abnorm/Krankheit und Behinderung durch verschiedene geschichtliche Räume. Verwiesen wird z.B. auf die "radikale Krüppelbewegung" und die Aneignung der Krücke als Knüppel, das
"Sozialistische Patientenkollektiv" (SPK) welche Krankheit als Protest (bzw. Waffe) gegen den Kapitalismus formulierte oder die Organisierung von anarchistischen "Outcast Nights". Dabei wird auf "Crip Theory" Bezug genommen und versucht, Verbindungen zu Sex/
Gender herzustellen. Inwiefern diese Strategien und die Verunsicherung bestehender normativer Gewissheiten für den institutionellen Rahmen einer Universität relevant ist, bleibt zu diskutieren.

24. 10., 18-20 Uhr:
Von Bildern und Taten - auch gegen die Kapitalisierung von Differenz. Und immer entlang der Konflikte
Fahim Amir / Johanna Schaffer

Gleichheit ist niemals ein Produkt, sondern immer ein Prozess, sagt die Philosophin Birge Krondorfer. Wir wollen über diesen Prozess nachdenken, als einen, der rechtlicher Instrumente bedarf (Affirmative-Action-Programme, z.B.), um die strukturelle Produktion von Ungleichheit zu bekämpfen. Aber genauso braucht es ein Wissen über die Beschränkheit dieser Instrumente, braucht es Verunsicherung, Verunklärung, Dissens und die kontinuierliche Ausstellung der Konflikte, die Grundlage und Bestandteil antidiskriminatorischer
Arbeit sind. No Space is innocent.

7. 11., 18-20 Uhr:
Klassismus und intersektionelles Klassenbewusstsein an Hochschulen
Andreas Kemper

Seit wenigen Jahren organisieren sich Studierende mit einer sogenannten niedrigen sozialen Herkunft gegen den Klassismus im Bildungsbereich. In ihrer Positionierung gegen die konservative Begabungsideologie (zuletzt Sarrazins Beststeller "Deutschland schafft sich ab") überbrücken sie die diskriminierungstheoretische Resistenz abgehobener Klassentheorien ebenso wie die klassenbezogene Resistenz diskriminierungshierarchischer Antidiskriminierungpraxen. Im Vortrag werden die klassenbezogenen Dominanzverhältnisse an Hochschulen skizziert, aktuelle Initiativen der Selbstorganisierung
von "Arbeiter_innenkindern" an Hochschulen (Fikus, Dishwasher, WCPCA) beschrieben und der Begriff "Klassismus" als intersektioneller Begriff einer Klassen- und Diskriminierungstheorie vorgestellt.

14. 11., 18-20 Uhr:
Fighting the Darker Side
Darker Side of the Academy

the darker side of the academy war eine Intervention anlässlich des Rundgangs 2011 die das Ziel hatte das Selbstbild der Akademie als kritische und fortschrittliche Bildungsinstitution anzugreifen und rassistische Realitäten zu bennen. Wir zeigten, dass für Migrant_innen auch diese Institution keine Ausnahme im gesetzlich festgeschriebenen Rassismus bildet. Und dass die Akademie bürokratische Hürden und systematische Diskriminierungen reproduziert, weil sie statt strukturellen Maßnahmen nur die informelle Unterstützung von engagierten Mitarbeiter_innen, Freund_innen und Kolleg_innen entgegenzusetzen versucht. Beim Antirassismus, wie wir ihn verstehen, geht es nicht (nur) darum, solidarisch zu sein, zu helfen, zu unterstützen und "nett" zu sein, sondern vor allem darum, permanent zu verhandeln, aus welcher Position wir jeweils agieren und anhand dieser Auseinandersetzungen gemeinsame Wege der Aktion zu finden.

21. 11., 18-20 Uhr:
Love Attack - Über den (performativen) Gebrauch von Gefühlen in queer-aktivistischen Kontexten
Marty Huber

Eine Lecture/Performance über den Gebrauch der Gefühle führt uns mit postkolonialen und queeren Theorien zu den "erotischen Battlefields" queer aktivistischer Kontexte. Das Augenmerk liegt dabei auf Interventionen im öffentlichen Raum und den komplexen Verstrickungen von Wut, Liebe, Stolz sowie die Überwindung von Angst. Ausgehend von der "Befreiung der Christopher Street", dem Aufstand US-amerikanischer LGBT, 1969 in New York und ihren frivolen Taktiken wendet sich die Lecture/Performance den (ambivalenten) Schauplätzen europäischer Gay Pride Paraden zu. Die Beispiele führen
dabei z.B. von nationalen Anrufungen, zu Verwebungen von Stolz und Kommerz und zu Versuchen mit "Liebesattacken vom anderen Ufer" die normativen Grenzlinien des öffentlichen Raumes zu verwischen. Love Attack ist eine weitere Übersetzung eines Teilaspektes meiner
Dissertation "Queere Kollektivität und performative Praxen" und eine Fortsetzung der Lecture/Performance "Gender\===/Bending The Wall or Rain On Our Parade".

28. 11., 18-20 Uhr:
Religion/Ethnizität/Gender - Aktivismen gegen Ausgrenzung
Katrin Wladasch

Die Verknüpfung stereotyper Charakteristika und Verhaltensweisen mit unterschiedlichen Religionszugehörigkeiten führen zu ausgrenzenden
Diskursen und zu Diskriminierungen im täglichen Leben von Glaubensausübenden. Genderspezifische Zuschreibungen sind dabei von besonderer Relevanz. Im Rahmen der Vorlesung sollen die Bandbreite der Diskriminierungsthematik aus Gründen der Religionszugehörigkeit mit besonderem Fokus auf dem Thema von Mehrfachdiskriminierungen und die Schwierigkeiten einer Abgrenzung von Diskriminierungen aus Gründen der ethnischen Herkunft aufgezeigt und eine Diskussion über die Notwendigkeiten und Möglichkeiten dagegen aktiv zu werden geführt werden.

5. 12., 18-20 Uhr:
Über strukturelle Grenzen (hinweg)
Zur Theorie des Zusammenhangs von Kunstproduktion und sozialen Bewegungen
Jens Kastner

Von der Öffnung des Louvre (1793) im Rahmen der Französischen Revolution bis hin zur Globalisierungskritik der Gegenwart scheint der Zusammenhang von sozialen Bewegung und künstlerischer Produktion
eine Selbstverständlichkeit zu sein. Fachdisziplinär bildet sich diese Evidenz aber nicht ab. Innerhalb der Kunstgeschichte wird das Wechselverhältnis zwischen sozialen Bewegungen und künstlerischer Produktion kaum rezipiert, geschweige denn systematisch theoretisiert.
In der sozialwissenschaftlichen Bewegungsforschung kommt die Kunst(produktion) überhaupt nicht vor. Das liegt mitunter an den strukturellen Gräben zwischen den Disziplinen, aber letztlich doch auch an jenen zwischen den Gegenstandsbereichen. Der Vortrag
skizziert, wann und wie sie dennoch überwunden wurden und werden: anhand von Beispielen künstlerischer Praktiken und theoretischer Konzeptionen.

12. 12., 18-20 Uhr:
"The Revolution will not be lectured"
Transatlantische Perspektiven zu Universitäten als umkämpfte Orte der (Neo)kolonisierung und Dekolonisierung
Araba-Evelyn Johnston Arthur

Eingebettet in historische Perspektiven auf transatlantische Gegenwarten untersucht der Vortrag die Universität im Spannungsfeld zwischen (neo)kolonialer, patriarchaler Institution und Ort vielschichtiger
Widerstände. Die marginalisierte globale Dimension der Kämpfe und Kritiken schwarzer Menschen dient dabei als zentrale Ausgangslage. Kritisch durchleuchtet werden unter anderen Institutionalisierungsprozesse aktivistischer Positionen. Dabei werden Fragen nach den Unsichtbarkeiten und Wirkweisen (neo)kolonialer, rassistisch-sexistischer Machtverhältnisse innerhalb von vorgeblich kritischen Programmen wie die der Critical Whiteness Studies und Postkolonial Studies und ihrer Rezeption im deutschsprachigen Raum gestellt.

9. 1., 18-20 Uhr:
ABGESAGT!
Antirassistischer Aktivismus und migrantische Repräsentationspolitiken
Christian Kravagna

Der Vortrag behandelt Beziehungen zwischen künstlerischen Praktiken, der politischen Selbstorganisation von Migrant_innen und institutionellen Politiken der Antidiskriminierung. Den Kern der Fragestellung bildet die Doppelbedeutung des Begriffs "Repräsentation" im Sinne von Darstellung und Vertretung. In welchem Verhältnis steht das kritische Arbeiten an dominanten Bildern als Ausdruck gesellschaftlicher Machtverhältnisse zu den politischen Bestrebungen diese zu verändern? Wie verhalten sich die "symbolischen" bzw. "realpolitischen" Manöver des künstlerischen und des im engeren
Sinne politischen Agierens zueinander? Produktive "Symbiosen" und die Frage, wie künstlerische und politische Praktiken im Kontext von Migrationspolitiken und Antirassismus voneinander profitieren
können, auch im Hinblick auf Strukturen der höheren Bildungseinrichtungen, sollen in dem Vortrag an jüngeren Beispielen aus Österreich und Deutschland diskutiert werden. Dabei muss das naturalistische Bild der Symbiosen notwendigerweise durch das politische der minoritären Allianzen entlang der Kategorien von Race,
Gender, Klasse, Behinderung etc. diskriminierten Gruppen konterkariert werden.

16. 1., 17-20 Uhr:
Kunst-Theorie-Aktivismus. Strategische Verbindungen für antidiskriminatorische Praxen. Workshop
Soma Ahmad / Petja Dimitrova / Alex Fleischmann / Doris Guth

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