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25. September 2000

Das Budget der Österreichischen Universitäten wurde erst heuer im Bereich der Investitionsmittel um eine Milliarde Schilling gekürzt. Vor dem Sommer hieß es, das sei nur eine einmalige Maßnahme. Von der versprochenen Rückkehr zumindest zum Budgetniveau von 1999 im Jahr 2001 ist nun keine Rede mehr. Jene Politiker, die jetzt auf ausländische Beispiele für Studiengebühren hinweisen, und die mangelnde Qualität unserer Universitäten beklagen, ignorieren seit Jahren vorsätzlich, dass vergleichbaren ausländischen Universitäten (unabhängig von allfälligen Studiengebühren) meist ein Vielfaches der budgetären Dotierung unserer Universitäten zur Verfügung steht.

Wenn man bedenkt,

- dass Österreich eine der niedrigsten Akademikerquoten aller Industrieländer (noch nach der Türkei) hat,
- dass schon derzeit die soziale Situation der meisten Studierenden auch und gerade an den Kunstuniversitäten äußerst schlecht ist,
- dass man den vielen Studierenden aus Entwicklungsländern bzw. aus Osteuropa allgemeine Studiengebühren aus Gleichheitsgründen gar nicht mehr erlassen könnte wodurch sie de facto vom Studium in Österreich ausgeschlossen wären und
- dass der - auch volkswirtschaftlich wirksame - Ruf Österreichs als Kulturnation nicht zuletzt auf den Leistungen unserer ohne finanzielle Barrieren zugänglichen Kunstuniversitäten basiert,

dann ist die jetzt von der Regierung beschlossene Einführung von Studiengebühren sowohl bildungspolitisch als auch ökonomisch als absolut unsinnige und unprofessionelle Maßnahme zu beurteilen.

Obwohl versprochen wurde, keine allgemeinen Studiengebühren einzuführen, will die Regierung ab Herbst 2001 mit Studiengebühren das Budget sanieren: Laut Regierungs-schätzung sollen 2 Mrd. Schilling an Studiengebühren eingenommen werden. Die Hälfte davon soll der Finanzminister bekommen, die andere Hälfte der Einnahmen sollen sich nach den bisher bekannten Plänen die Studierenden und die Universitäten (denen man das Geld zuerst weggenommen hat) teilen. Die derzeit beobachtbare Mischung aus Konzeptlosigkeit, politischer Demagogie (seit Jahrzehnten bekannte Zahlen über Karteileichen, die keine Kosten verursachen, und autofahrende Studenten als Argumente für Studiengebühren) und schwindender Glaubwürdigkeit als Fundament und Umfeld für schwerwiegende bildungs-politische Entscheidungen ist eine reale Gefahr - nicht nur für unsere Universitäten.

Die Rektoren der österreichischen Kunstuniversitäten fordern daher die Bundesregierung auf, die Entscheidung zur Einführung von Studiengebühren zurückzunehmen und stattdessen mit der professionellen Erarbeitung eines bildungspolitischen Konzepts zu beginnen.

Wien, am 25. September 2000

Rektor Univ.Prof. Dr. Otto KOLLERITSCH (Universität für Musik und darstellende Kunst Graz)
Rektor Dr. Gerald BAST (Universität für angewandte Kunst Wien)
Rektor Dr. Roland HAAS (Mozarteum Salzburg)
Rektor design. Univ.Prof. Dr. Reinhard KANNONIER (Kunstuniversität Linz)
Rektor Univ.Prof. Erwin ORTNER (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien)
Rektor Univ.Prof. Arch.Dr. Carl PRUSCHA (Akademie der bildenden Künste Wien)