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1. Oktober 2004

Das Studienjahr 03|04 war geprägt von der internen Auseinandersetzung mit den traditionellen Strukturen der Akademie. Nicht nur der Übertritt in die Vollrechtsfähigkeit, sondern auch die gesellschaftlichen Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten haben Überlegungen die künstlerische Ausbildung betreffend notwendig gemacht. Die Akademie der bildenden Künste Wien hat das letzte Jahr dafür verwendet, das Studienangebot in allen Studienrichtungen strukturell wie inhaltlich auf die entsprechenden zeitgenössischen Bedingungen und Diskurse hin zu orientieren, um den Studierenden ein selektives und attraktives Angebot für ihre Interessen zu bieten.

In der Studienrichtung für Bildende Kunst wurde das alte Meisterklassenprinzip aufgelöst. Dafür ist eine an der zeitgenössischen Kunstpraxis ausgerichtete, flexible Struktur installiert worden, die den Studierenden ermöglicht, sich nicht für eine Gattung entscheiden zu müssen, sondern je nach individuellem Bedarf und Semester zwischen den verschiedenen künstlerischen Medien und den entsprechenden Professuren und Klassen wählen zu können.

Im Rahmen der Studienrichtung Bildende Kunst wird seit dem letzten Studienjahr ein Studienzweig für kunst- und kulturwissenschaftliche Studien angeboten, den die Studierenden ab dem 2. Studienabschnitt wählen können. Damit wird einer Vertiefung der theoretischen Implikationen in der künstlerischen Praxis Rechnung getragen, die sich weniger an einer Verdoppelung klassischer universitärer Disziplinen orientiert, sondern sich einem transdisziplinären Zugriff auf Subjekt-, Raum-, Zeit-, Medien- und Öffentlichkeitskonstruktionen widmet.

Zusätzlich neu aufgenommen in das Spektrum der Bildenden Kunst wurde ein Bereich für Film und Fernsehen, der seit dem Sommersemester 2004 von Harun Farocki betreut wird.
Mit dem neuem Studienjahr 04|05 konnte für den Bereich der Objekt-Bildhauerei Manfred Pernice mit einem 3 Jahresvertrag als Nachfolge für Bruno Gironcoli verpflichtet werden. Die endgültige Nachbesetzung Carl Pruschas in der Architektur - Entwurf, Habitat, Environment & Conservation - wird sich bis zur Verabschiedung des Entwicklungsplanes durch den Universitätsrat noch verzögern. Eyal Weizman wird bis dahin mit einem einjährigem Vertrag diese Funktion übernehmen.

Mit Sabeth Buchmann wurde der Bereich der kunst- und kulturwissenschaftlichen Studien nicht nur um eine junge und kritische Stimme bereichert, sondern auch die für die Agenden der Akademie essentielle Auseinandersetzung mit der Moderne und Nachmoderne vertieft.

In der Studienrichtung Konservierung und Restaurierung wird im nächsten Studienjahr zusätzlich eine Professur für die Konservierung und Restaurierung zeitgenössischer und moderner Kunst und der impliziten Fragestellung präventiver Maßnahmen eingerichtet. Damit verbunden ist eine fächerübergreifende Verknüpfung der aktuellen Kunstpraxis mit der theoretischen Diskussion über Fragen der Archivbildung, der Dokumentation und Erhaltung kultureller Artefakte vor dem Hintergrund einer sich herausbildenden Mediengesellschaft.

Außerdem wird ab dem Wintersemester 04|05 Martin Beck den Bereich der Werkerziehung in den künstlerischen Lehramtsfächern mitgestalten und auch hier Fragen der Alltagskultur im Kontext einer künstlerisch-wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den institutionellen Rahmenbedingungen - von der Schule bis zum Museum - beleuchten.

Im kommenden Studienjahr werden des Weiteren zwei Forschungsprojekte starten:

1)
Unter der Leitung von Chantal Mouffe wird eine Vortrags- und Programmstruktur eingerichtet, die sich der Verschiebung und Konstruktion von Öffentlichkeitsbegriffen widmet - genauer: den prekären Verhältnissen zwischen Produktion und Rezeption oder Publikum und Akteuren in der Debatte kulturpolitischer Themenstellungen.

2)
Durch UNIFRASTRUKTUR II-Mittel konnte das Projekt Kunst und Fernsehen gestartet werden, das sich der Vermittlung künstlerischer und wissenschaftlicher Fragestellungen über mediale Kanäle wie das Fernsehen widmet und eine Erweiterung der klassischen institutionellen Apparaturen darstellt. Damit wendet sich die Akademie einer zeitgenössischen Infrastruktur für die Vermittlung und Aufbereitung von kultur- und sozialpolitisch relevanten Themen zu, um auch hier auf eine telematische Vorstellung von Subjekt und Gesellschaft Bezug zu nehmen.