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Kondolenzbuch

 
Julius Mende bei einem Fest am Institut für des künstlerische Lehramt anlässlich seiner Pensionierung, 2004
 

Julius Mende
1944 - 2007

Am 17. April ist Julius Mende aus dem Leben gegangen.

Julius Mende hat von 1964 bis 1968 Malerei bei Max Weiler an der Akademie studiert, er war durch seine provokanten künstlerischen Aktionen während und nach seiner Studienzeit bekannt geworden. Julius Mendes künstlerische und später auch erzieherische Arbeit war durch mehrere Lebensphasen hindurch praktisch wie theoretisch von der Kritik an einer, durch die Warenwelt deformierten Sinnlichkeit geprägt. Er thematisierte, seinen konservativen Salzburger Familienhintergrund reflektierend, traditionelle Moral- und Herrschaftsstrukturen. Die studentische Revolution der 68er und die politischen Brüche und Umbrüche dieser Zeit prägten sein politisches Bewusstsein.

Mende sah in der künstlerischen Provokation ein legitimes und politisches Mittel, um gesellschaftliche Zwänge bewusst zu machen. Trotz oder gerade wegen seiner Nähe zum Wiener Aktionismus und aufgrund seiner Erfahrungen mit dem Kommunenleben wurde für Julius Mende immer deutlicher, dass in unseren gesellschaftlichen Verhältnissen - ungeachtet der stattgefundenen "sexuellen Revolution" und dem Versuch "Befreiung von allen Zwängen" durch ein zwangloses (Sexual)leben zu feiern - eine freie selbstbestimmte Sexualität kaum lebbar ist. Die Beschäftigung damit blieb daher für ihn zeitlebens ein Thema.

Heute, in einer scheinbar ideologiefreien Zeit sind vermehrt Menschen anzutreffen, die sich mit dem Gedankengut der 68er-Revolution interessant machen wollen und es schick finden, diese Ideologie als intellektuelle Attitüde vor sich herzutragen. Julius Mende hingegen war ein sensibler und hochbegabter Mensch, der seine politische Einstellung kritisch lebte.
Julius Mende war politisch engagiert und als Kommunist stets Grenzgänger, er war Mitbegründer des "Verlags für Gesellschaftskritik" und spielte nach dem Zusammenbruch des osteuropäischen Realsozialismus für die KPÖ eine wichtige politische Rolle, indem er versuchte, die Überwindung dogmatischer Haltungen mit den Notwendigkeiten einer geschichtlichen Kontinuität einer österreichischen kommunistischen Bewegung zu vereinbaren. Julius Mende war Bundessprecher der KPÖ und gestaltete die Zeitschrift "Weg und Ziel" zu einer beachteten und anerkannten Plattform linken Dialogs um.

Julius Mende war Autor, Herausgeber und Mitherausgeber zahlreicher sozialwissenschaftlicher und kunstpädagogischer Publikationen: "Schülersexualität" (1971), "Schmutz und Schund" (1974), "Der Sexkoffer", "Wunderwelt Sexshop", "Verbotene Liebe" (1998), "Kulturen des Widerstands" (1993) und "Die 68er-Generation und ihr Erbe" (1998) und viele mehr.

Julius Mende sah Lehre und Erziehung als wichtige Arbeit für eine kritikfähige Gesellschaft und lehrte im Rahmen dieses Engagements an verschiedenen pädagogischen und universitären Einrichtungen wie der Akademie der bildenden Künste Wien, an der Universität Wien, der Universität in Klagenfurt, an Mittelschulen und an der Pädagogischen Akademie in Wien.

An der Akademie der bildenden Künste Wien wirkte Julius Mende seit der Gründung des Instituts für Werkerziehung. Er war einer der ersten Lehrenden im Team von Institutsgründer Edelbert Köb und ein wesentlicher Impulsgeber für die Weiterentwicklung der Studienpläne und Garant für selbstkritische Auseinandersetzung mit der Institutstätigkeit über beinahe 30 Jahre. Julius Mende lehrte hier "Geschichte des Handwerks und der Industrie", "Fachdidaktik", "Theoretische Grundlagen der Werkerziehung" sowie "Kunst und Kulturpädagogik".

Julius Mende war ein kompetenter, authentischer und beeindruckender Lehrender mit hoher natürlicher Autorität, der sein politisches Engagement immer kritisch in Auseinandersetzung mit anderen Gesellschaftsentwürfen augenzwinkernd ironisierte. Er wusste immer zwischen parteipolitisch und politisch zu unterscheiden und überzeugte durch seinen Intellekt und seine Lebenserfahrung.

Viele der jetzt am Institut Lehrenden waren Studierende von Julius Mende und später seine Kolleginnen und Kollegen. So auch ich - 1980 ging ich gemeinsam mit einer Studienkollegin zu einer Prüfung bei Julius Mende. Die Beurteilung fiel bei annähernd gleicher Leistung unterschiedlich aus. Seine Erklärung dafür trug er uns mit einem Schmunzeln vor: " Zu den Linken bin ich härter, denn die müssen die Revolution vorbereiten!"

Im Namen des Institutes, seiner Lehrenden und Studierenden,
M. Herbst

Die Trauerfeier findet am Donnerstag, den 3. Mai 2007, um 15.00 Uhr in der Feuerhalle Simmering, Simmeringer Hauptstrasse 337 statt.

Es wird ersucht von Kränzen abzusehen und stattdessen im Sinne von Julius Mende für das Flüchtlingsprojekt "Ute Bock", BAWAG, BLZ 14000, Kontonummer: 01910-807-249, unter dem Vermerk: "Begräbnis für Julius Mende" zu spenden.

Liebe Familie Mende,

die Nachricht vom Tode von Julius hat uns hier an der Akademie sehr erschüttert und ich möchte Ihnen im Namen aller Lehrenden und Studierenden des Instituts unser herzlichstes Beileid ausdrücken.

Ich selber habe Julius nur perifer kennengelernt, als ich bei ihm vor vielen Jahren Lehrveranstaltungen gemacht habe. Aber er ist mir als inspirierende und engagierte Person immer in Erinnerung gewesen. Seine intellektulle, politische und menschlische Grösse haben über viele Jahre wesentlich dazu beigetragen, dass unser Institut zu dem geworden ist, was es heute ist.

Als ich vor zwei Jahren die Professur für Werkerziehung angetreten habe, war mir klar, dass die Wege, die Julius geöffnet hat, die Ausbildung hier noch über lange Zeit beeinflussen werden. Wir alle am Institut werden Julius vermissen, aber sein Erbe wird weitergetragen werden.

Martin Beck
Vorstand, Institut für künstlerisches Lehramt Akademie der bildenden Künste

Liebe Familie Mende,

Julius ist mir als inspirierender und wegweisender Lehrer in Erinnerung. Auch als Kollegin durfte ich von seinen Erfahrungen und seinem Wissen profitieren.

Anna Weiß

Sich an Julius Mende zu erinnern, bedeutet, einen kompromißlos lebendigen, sinnenfreudigen und gleichzeitig prinzipientreuen Menschen, wie es so mancheR von uns gerne wäre, einen, der wahrhaft gelebt hat, zu erinnern.

Ein guter Lehrer beobachtet, denkt nach, stülpt nicht einfach seine Wahrheit über. Ich erlebte ihn als solchen Lehrer, der mehr Fragen stellte, als zu dozieren, einen, der durch Fragen Welten eröffnete und so zu eigenem Denken und Tun ermutigte.

Gelassen war Julius Mende in seinem sozio-politischen Engagement - wenn er zum Beispiel eine Podiumsdiskussion im WUK leitete. Wo normalerweise Geschrei und Chaos herrschte, gelang es ihm, das Wesentliche herauszufiltern, einem roten Faden entlang die verschiedenen Standpunkte gegenüber zu stellen. Er liebte das lebendige Durcheinander, weil er selbst über einen Ruhepol verfügte und ermöglichte so ein Nachdenken aller.

Das verlogene Leben witterte er 10 Kilometer gegen den Wind; er war ehrlich und gestand auch sein Unbehagen offen ein. Als Sozialist kommunistischer Ausprägung strebte er die Befreiung der Menschen aus materieller aber auch aus psychischer Abhängigkeit an. Ob Kommunist, Urchrist oder 68er - die Unterschiede wußte er wohl aufzuzählen - stand er auf der Seite jener, die nie zynisch wurden und daran glauben, daß es möglich ist, unser Leben zu verbessern.

In Sardinien wird gesagt, daß man von jedem Toten eine Botschaft mit auf den weiteren Weg bekommt. Ich nehme ein Stückchen Mut von meinem ehemaligen Lehrer mit und die Gewißheit, daß es sich lohnt, für wichtige Dinge zu kämpfen. Nun müssen wir es weitertragen, was er mit Leichtigkeit geleistet hat.

Ingrid Scharmann

An alle, die Julius in seinem Leben begleitet und mit ihm gelebt und gearbeitet haben

Julius lebt nicht mehr - diese Nachricht hat mich ganz unvorbereitet und somit umso mehr getroffen. Mit Julius verliere ich einen Freund und Arbeitspartner, dessen Herzlichkeit, Unverblümtheit, Witz, Mut und Sachverstand mir bei der Zusammenarbeit genauso wie beim Schwadronieren in seinem Bauernhof viel Freude gemacht und mich zu unzähligen Gedanken und ungewöhnlichen Sichtweisen gebracht haben. Nachdem wir voneinander viele Jahre lang nichts gehört hatten, gab's erst vor Kurzem ein Wiedersehen - und es zeigt seine Kraft und seine Intensität, dass diese Wiederbegegnung nach so vielen Jahren ganz so war, als hätten wir einander erst ein paar Tage vorher gesehen.

Lieber Julius, tot bist du für mich erst, wenn ich dich vergessen habe - und das werde ich nie und nimmer können.

Dr. Leo Kuhn