Skip to content. Skip to navigation.
]a[

17.06.2019
Eva Blimlinger will für die Grünen bei den Nationalratswahlen im Herbst 2019 kandidieren. Thematisch möchte sie dort die Bereiche Kunst, Kultur, Bildung, Wissenschaft und Medien abdecken.

 

Eva Blimlinger, Rektorin der Akademie der bildenden Künste Wien
Foto: eSeL.at - Lorenz Seidler

 

Die scheidende Rektorin der Akademie der bildenden Künste, Eva Blimlinger, will für die Grünen bei den Nationalratswahlen kandidieren. "Ich bin gern jemand, der etwas probiert nach dem Motto 'No risk, no fun' und es wirklich gerne machen würde", so Blimlinger im APA-Gespräch. Thematisch möchte sie dort die Bereiche Kunst, Kultur, Bildung, Wissenschaft und Medien abdecken.

Blimlingers Amtszeit an der Akademie endet mit Ende September. Eine weitere Periode an der Uni-Spitze scheiterte am Senat, der sie nicht auf seinen Dreier-Vorschlag setzte. Dafür habe man zwei Vorwürfe ins Treffen geführt, schilderte Blimlinger: "Das eine war meine angebliche Dominanz. Dazu muss ich sagen, dass wir in den acht Jahren meiner Amtszeit immer alle Kurien - Oberbau, Mittelbau, Studierende, Mitarbeiter - einbezogen haben. Aber letztlich muss dann halt jemand auch entscheiden, dazu gibt es ein Rektorat."

Blimlinger will in den Nationalrat

Zweiter Vorwurf: "Ich sei zu neoliberal und zu konservativ", meinte Blimlinger mit einem Schmunzeln. "Das hängt damit zusammen, dass wir in den letzten acht Jahren die Drittmitteleinnahmen gesteigert haben, vor allem durch Projekte des Wissenschaftsfonds FWF." Als einzige Kunstuniversität unter 22 Universitäten habe die Akademie einen sogenannten Doc-Fund bekommen, mit dem zehn Doktoranden für vier Jahre beschäftigt werden. "Da war der Vorwurf, dass wir die Post-Docs in prekäre Arbeitsverhältnisse drängen. Ich habe argumentiert, dass sie so für vier Jahre einen Job haben." Es sei dann sogar der Vorschlag aufgekommen, sich an solchen Ausschreibungen gar nicht mehr zu beteiligen. "Da habe ich gesagt: Dafür stehe ich nicht zur Verfügung, wir bewerben uns weiter."

Blimlinger kehrt nun am 1. Oktober zur Konkurrenz zurück: Sie ist als Beamtin an der Universität für angewandte Kunst karenziert. Eindeutig lieber wäre ihr der Nationalrat: Bildungspolitisch wünscht sie sich "keine Bildung der Zäsuren, sondern der Übergänge": Am extremsten sei dies von der Matura an die Uni - dies könnte man mit einer Phase des Übergangs lösen. "Die Matura kann man schon belassen, aber vielleicht nicht mit diesen hysterisierten Stichtagen." Stattdessen könne es eine Phase vom Ende der siebenten Klasse bis ins erste Studienjahr hinein geben, in der man einerseits maturiere und gleichzeitig schaue, welches Studium für einen passe.

Blimlinger sieht Vereinigung von Liste JETZT und den Grünen nicht als oberstes Ziel

Auch der Übergang vom Kindergarten in die Schule soll sanfter gestaltet werden. Ein weiteres Anliegen sei ihr eine gemeinsame Schule der Fünf- bis 15-Jährigen, so Blimlinger.

Eine Wiedervereinigung der Grünen mit der Liste JETZT sieht sie nicht als oberstes Ziel. "Man muss reden, aber es muss nicht Ziel sein zusammenzugehen. Die Beliebtheit von Peter Pilz bei den Grünen ist vermutlich mit dem Wahlergebnis von Johannes Voggenhuber bei der EU-Wahl zu vergleichen." Thematisch nehme sie neben Kunst, Kultur, Bildung, Wissenschaft und Medien auch gerne noch den Sport dazu: "Man sieht mir vielleicht nicht an, dass mich Sport interessiert. Jemand hat mich einmal gefragt: Aktiv? Ja! Aktiv in der Politik." Ihre Erwartungen zur Wahl: "In der Politik ist alles möglich. Abschätzen kann das niemand. Hätte Ihnen jemand Anfang Mai gesagt, zwei Wochen später ist Frau Bierlein Bundeskanzlerin und Clemens Jabloner Vizekanzler - Hätten Sie das geglaubt?"

Blimlinger legt Funktion als Vorsitzende Ende Juni zurück

In der Universitätenkonferenz (uniko) legt Blimlinger ihre Funktion als Vorsitzende nach der Plenarsitzung Ende Juni zurück. Dann übernimmt ihr Stellvertreter Oliver Vitouch bis Ende des Jahres. Von der neuen Bildungsministerin Iris Rauskala wünscht sich Blimlinger dringend die schon seit längerem fällige Ausschreibung der im Uni-Budget vorgesehenen Finanzmittel für Digitalisierung und die soziale Dimension. Wenig Hoffnung hat Blimlinger dagegen auf die schon unter Ex-Minister Heinz Faßmann verschobene Exzellenzinitiative und ein Forschungsförderungsgesetz.

Ihren designierten Nachfolger als Akademie-Rektor, den Deutschen Johan Frederik Hartle, kennt Blimlinger nicht persönlich. "Ich kenne nur sein Bewerbungsvideo." Schwierig bei der Übergabe werde die derzeit laufende Generalsanierung der Akademie, in die man laut Zeitplan im Sommer 2020 zurückkehren will. "Wir haben ununterbrochen Gespräche mit der BIG und dem Denkmalamt. Da sind - sagen wir einmal - Kenntnisse der Wiener Verhandlungspraxis nötig, für die Johan Hartle am Anfang sicher Unterstützung braucht. Ich wünsche ihm jedenfalls viel Erfolg"

Denn: "Bis jemand die Wiener Verhandlungskultur praktizieren kann, dauert es eine Weile, und jeder hat es leider am Anfang schwer", so Blimlinger. "'Schau ma amal' aus einem Ministerium heißt ja: Es passiert gar nix. 'Das ist ein sehr interessantes Projekt' heißt: Es wird nix. Das Gleiche bei 'Wäre gut, wenn Sie uns einmal ein Konzept schreiben.' So etwas lernt man nicht so schnell. Ich habe sogar einmal vorgeschlagen, für Personen, die Leitungsfunktionen übernehmen und keine gelernten Wiener oder Wienerinnen sind, ein Lexikon des Verhandlungsdeutsch zu publizieren."

Blimlinger sieht Zukunft des hdgö kritisch

Anders als der ebenfalls auf Regionalisierung setzenden ÖVP gehe es ihr dabei "nicht um das angeblich Identitätsstiftende eines Bundeslands, sondern um das Internationale im Regionalen", erklärt Blimlinger und führt ihre Erfahrungen im Aufsichtsrat der Vorarlberger Kulturhäuser-Betriebsgesellschaft mbH (KUGES) ins Treffen. Die Arbeit des Kunsthauses Bregenz habe internationale Strahlkraft, werde aber in Wien zu wenig wahrgenommen. "Da gilt noch immer, dass Belgrad näher ist als Bregenz."

Ob es einen eigenen Generalsekretär für die Bundesmuseen brauche, wie von Ex-Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) initiiert, müsse man sich "sehr genau anschauen": "Ich bin immer sehr für Synergieeffekte. Aber diese sogenannten Synergieeffekte bedeuten sehr oft, dass alles teurer wird." Sehr wohl sei sie jedoch für die Integrierung des derzeit beim Verteidigungsministerium ressortierenden Heeresgeschichtlichen Museums in die Bundesmuseen.

Unzufriedenheit über Konzepterstellung des hdgö

Die Zukunft des Haus der Geschichte Österreich (hdgö), aus dessen wissenschaftlichem Beirat Blimlinger vor einem Jahr aus Unzufriedenheit mit der Konzepterstellung und -kommunikation ausgeschieden war, sieht sie jedoch äußerst kritisch: "Das ist keine Platzfrage, sondern in hohem Maße eine Konzeptfrage. Es ist ein G'wirks! So wird's nichts!" Wenn es weitergeführt werden solle, dann in jedem Fall nicht in der Neuen Burg, sondern in einem Neubau und "unter keinen Umständen" an das Parlament angebunden, wie von Blümel und Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) vorgeschlagen: "Wenn, dann sollte es ein Bundesmuseum sein oder man denkt generell über neue Organisationsformen nach." Positive Beispiele für gelungene Museumsarbeit sieht sie dagegen im Weltmuseum Wien, im Vorarlberg Museum und im Jüdischen Museum Hohenems. Die 23 Wiener Bezirksmuseen und auch zahlreiche Heimatmuseen haben - hätten sie mehr Geld - ein hohes Potenzial.

An dem Wochenende, als das Ibiza-Video die Regierung sprengte, war kurzfristig auch Eva Blimlinger mitten im Geschehen, als wüste Beschimpfungen des neuen von der FPÖ nominierten (und mittlerweile von dieser Funktion zurückgetretenen) OÖ-Landeskulturbeiratsmitglieds Odin Wiesinger gegen sie erneut ruchbar wurden. "Diese Beschimpfung lag schon fünf Jahre zurück. Schon damals hatten mir Leute zu einer Klage geraten. Ich wollte diesem Rechtsextremen aber nicht durch eine Klage eine Bühne bieten. Ich muss aber zugeben, dass ich mich schon gewundert habe, dass nur ein einziges Mitglied des alten Beirats aus Protest gegen diese Bestellung ausgetreten ist. In Wirklichkeit müsste so ein Beirat beschließen, kollektiv überhaupt nicht anzutreten."

(APA/Red)


Permalink